Der "Liest zur Zeit" Thread

Science Fiction in Buchform
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Shock Wave Rider
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Liest zur Zeit: G. Haefs "Traumzeit für Agenten"
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Shock Wave Rider »

Uschi Zietsch hat geschrieben:
13. Dezember 2019 23:15
Flacher. Richtig Fläch, ey. :lol: :lol: :lol:
So wie meine Witze.

veranschaulicht
Ralf
Shock Wave Riders Kritiken aus München
möchten viele Autor'n übertünchen.
Denn er tut sich verbitten
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Ender
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Ender »

Michael Ende - Momo
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Aus Gründen habe ich diesen Phantastik-Klassiker nach fast vier Jahrzehnten mal wieder zur Hand genommen (nein: ich besitze nicht die 'Schulausgabe', aber dieses Bild kommt meiner am nächsten) und festgestellt: der Roman ist ja doch - gerade zu Beginn - noch kindlicher als gedacht. Na gut, als ich ihn damals gelesen habe, war ich ja auch noch ein Kind. Dementsprechend eindeutig und wenig subtil wird die Botschaft dargeboten: Zeit ist wertvoll, nehmt euch Zeit, genießt euer Leben, lasst euch nicht ständig drängen/stressen/unter Druck setzen, lasst eure Gedanken schweifen und der Fantasie freien Lauf.
Aber das macht es ja nicht schlechter ... und Szenen wie die mit der angehaltenen Zeit oder die Beschreibung der gleichförmigen, grausamen grauen Herren sind immer noch beeindruckend.



Jo Walton - In einer anderen Welt
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Tja, was ist es eigentlich? Jugendbuch? Coming of Age - Geschichte? Internatsroman? Auf jeden Fall ein Fest für SF-Nerds.
In diesem Buch wird zwar ununterbrochen über SF geredet, es ist aber kein SF-Buch. Wohl aber ein Fantasybuch, denn es gibt Magie und es existieren seltsame "Feen" (die allerdings nur für einige Menschen zu erkennen sind) sowie eine dunkle Hexe, die die Weltherrschaft an sich reißen will. All das taucht aber eigentlich fast nur am Rande auf. In erster Linie dreht sich die Geschichte um die 15jährige Protagonistin, die als Außenseiterin auf ein Internat kommt, leidenschaftliche Science-Fiction-Leserin ist, nach und nach schließlich doch Freundschaften schließt und ja - irgendwann auch mal kurz gegen das Böse kämpft.
Die Hauptfigur, von der man vermuten darf, dass sie stark autobiographische Züge der Autorin trägt, verbringt jede freie Minute mit dem Lesen von Phantastik-Büchern. Als sie Gleichgesinnte in einem Buchclub trifft (wieso gab es sowas in meiner Jugend eigentlich nicht?), wird regelmäßig und ausgiebig über diese Bücher diskutiert, was einen Großteil des Romans ausmacht.
Die Magie spielt wie gesagt eher eine Nebenrolle
- selbst der finale Showdown wird auf 3-4 Seiten abgehandelt - und einiges wird auch nie so richtig aufgelöst. Was es z.B. mit den strengen, seltsamen Tanten auf sich hat ... da hatte ich eigentlich doch erwartet, dass die am Ende noch eine entscheidende Rolle spielen.
Mir hat's gefallen - allerdings fällt mir außerhalb dieses Forums (unserem SF-Buchclub, sozusagen) praktisch niemand ein, dem ich den Roman empfehlen könnte, denn er ist schon sehr speziell und auf SF-Nerds zugeschnitten. Also auf mich, und das ist doch auch mal schön!

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andy
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von andy »

Cibola Burn

In unregelmäßigen Abständen nehme ich mir immer wieder einen Roman der Expanse-Reihe vor. Inzwischen bin ich mit Teil vier, Cibola Burn, durch.

So genau kann ich gar nicht sagen, warum ich die Reihe lese. Die Bücher sind ganz nette SF-Kost, bieten aber auch nichts wirklich neues oder interessantes. Insbesondere der Hauptfigur Holden und seiner Entwicklung kann ich wenig abgewinnen. Diese übergreifende Geschichte mit diesem Protomolekül verstehe ich nur zur Hälfte. Aber trotzdem bleibe ich am Ball. Der vierte Teil ist nicht besser oder schlechter als die Teile davor. Jetzt mache ich wieder ein paar Monate Pause, dann überfällt mich bestimmt wieder die Lust auf den nächsten Teil.

Jetzt knöpfte ich mir nach Jahrzehnten wieder den ersten Teil der Rama-Reihe vor. Ein SF-Buch wie ein 5-Freude-Abenteuerroman. Eine geheimnisvolle Welt, ein paar mutige Entdecker. Als Jugendlicher war ich schwer beeindruckt von den Dimensionen Ramas. Das Buch macht immer noch Spaß.

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Gernot »

Ich habe gerade etwas Älteres aus der Bücherei fertig gelesen:
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"Exponentialdrift" von Andreas Eschbach
Ich hatte diesen Roman bislang nicht gekannt. Dass das Ganze überaus spannend geschrieben ist und äußerst genüsslich zu lesen, brauche ich bei diesem Autor nicht wirklich erwähnen. "Exponentialdrift" bietet aber noch mehr. Wegen des ursprünglichen Erscheinens als Fortsetzungsroman sind viele Zeitbezüge eingebaut. Das hat für mich die Zeit kurz nach der Jahrtausendwende wieder sehr lebendig werden lassen und brachte auch persönliche Erinnerungen aus dieser Zeit zum Vorschein. Schönes Leseerlebnis!
Das Fliegen wird erst möglich, wenn zuvor vom Fliegen geträumt wurde. (Stanislaw Lem)

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Gernot »

andy hat geschrieben:
15. Dezember 2019 15:03
Cibola Burn

In unregelmäßigen Abständen nehme ich mir immer wieder einen Roman der Expanse-Reihe vor. Inzwischen bin ich mit Teil vier, Cibola Burn, durch.

So genau kann ich gar nicht sagen, warum ich die Reihe lese. Die Bücher sind ganz nette SF-Kost, bieten aber auch nichts wirklich neues oder interessantes. Insbesondere der Hauptfigur Holden und seiner Entwicklung kann ich wenig abgewinnen. Diese übergreifende Geschichte mit diesem Protomolekül verstehe ich nur zur Hälfte. Aber trotzdem bleibe ich am Ball. Der vierte Teil ist nicht besser oder schlechter als die Teile davor. Jetzt mache ich wieder ein paar Monate Pause, dann überfällt mich bestimmt wieder die Lust auf den nächsten Teil.

Jetzt knöpfte ich mir nach Jahrzehnten wieder den ersten Teil der Rama-Reihe vor. Ein SF-Buch wie ein 5-Freude-Abenteuerroman. Eine geheimnisvolle Welt, ein paar mutige Entdecker. Als Jugendlicher war ich schwer beeindruckt von den Dimensionen Ramas. Das Buch macht immer noch Spaß.

Andy
Von James Corey habe ich vor längerer Zeit etwas gelesen, es hat mich aber nicht so angesprochen, dass ich weiter gemacht hätte. Vielleicht probiere ich es wieder einmal.

Mit "Rama" war das anders. Ich bin vor einigen Jahren eher zufällig über den Fortsetzungsband gestolpert, zuerst ohne zu wissen, dass es einen ersten Teil gibt, das war anfangs etwas verwirrend. Ich konnte dann aber gut einsteigen, da verstehe ich dich, Andy. Diese Art von Science Fiction, wo ich als Leser mit den Protagonisten auf Entdeckungsreise gehe, hat mich mit meinem ausgeprägten (und nach wie vor durchaus kindhaften) Sense of Wonder immer schon fasziniert. Bemerkenswert fand ich auch, dass ein NASA-Techniker als Koautor mitarbeitete.
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Ich lese gerade "Kafka am Strand" von Murakami. Ich gehe auf das letzte Drittel zu. Mir geht es mit dem Buch so wie euch mit Clarke - ich lese es mit Begeisterung, weiß aber nicht, warum, weil ich die Storyline nicht kapiere - oder eigentlich doch, aber ... - obwohl ich Probleme mit der 1. Person und Präsens habe, weil ich nicht kapiere, wieso das eine in der 1. Person Präsens und das andere in der 3. Person Präteritum geschrieben wird. Ich denke, mich stört außerdem das Schwammige, das Unbestimmte, nicht Konkrete, das nichts erklärt und nichts klärt. Ich ahne schon, wie es ausgeht. Leider muss es ja wieder mal mehr als 600 Seiten sein. Das ist mir bei meiner kurzen Lesezeit einfach zu viel und zu anstrengend. Ich brauche jetzt immer länger, anstatt dass es schneller geht.
:bier:
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Badabumm »

Zu Jo Walton: ich glaube, mich hat dein Vorschlag angestupst. Erinnert mich etwas an "Der goldene Kompass" und Reminiszenzen waren schon bei Asterix ganz unterhaltsam.
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Naut »

Ender hat geschrieben:
15. Dezember 2019 14:32
Jo Walton [...]
Mir hat's gefallen - allerdings fällt mir außerhalb dieses Forums (unserem SF-Buchclub, sozusagen) praktisch niemand ein, dem ich den Roman empfehlen könnte, denn er ist schon sehr speziell und auf SF-Nerds zugeschnitten. Also auf mich, und das ist doch auch mal schön!
Also, ich habe das damals meiner Frau geschenkt, weil ich ihr immer Bücher kaufe, die ich selbst gern lesen würde, aber nie dazu komme. Sie kennt fast keinen der im Buch referenzierten Klassiker, trotzdem hat ihr die Geschichte sehr gut gefallen. Ich glaube, es ist einfach die Story des Außenseiters, mit der sich viele identifizieren können. Oder anders: Manche Geschichten sind universell, auch ohne dass die speziellen inhaltlichen Elemente anschlussfähig sein müssen. Ich denke mal, ihr gefällt die Geschichte aus ähnlichen Gründen aus denen ich "Girls united" mag, obwohl ich nie eine Cheerleader-Karriere absolviert habe. (Ja, wer mich kennt, kann das kaum glauben. ;) )

Zu Momo und Rama: GROẞE Klassiker!

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Ender »

Naut hat geschrieben:
15. Dezember 2019 17:33
Also, ich habe das damals meiner Frau geschenkt, weil ich ihr immer Bücher kaufe, die ich selbst gern lesen würde, aber nie dazu komme.
Genau so hatte ich's mit diesem Buch übrigens auch gemacht :lol:
Meine fand zwar die Haupt-Story ganz gut, aber dieses ewige Gerede über Bücher, die sie nicht interessierten, fand sie doch auf Dauer langweilig. Sie hat es dann irgendwann beiseite gelegt.
(Wobei ich mich erinnere, dass dabei auch die winzige Schriftgröße, die bei Golkonda im Allgemeinen und bei diesem Buch im Besonderen ein Problem ist, eine Rolle gespielt hat. Die macht das Lesen wirklich ganz schön anstrengend.)

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Badabumm »

Bei Murakami geht mir das immer so: tolle Bücher... aber worum geht es überhaupt?
Ich will keine englische Rangbezeichnung! :faint:

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Juli Zeh - Corpus Delicti

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In einem Überwachungsstaat, der alles der Gesundheit seiner Bürger unterstellt, gerät eine junge Frau in die Mühlen der Justiz, da sie ihre Gesundheitserhaltungsmassnamen wie z.B. tägliche Hometrainer-Einheiten, vernachlässigt hat, nachdem sie in eine persönliche Kriese geraten ist. Dies Gipfelt in einem Prozess, der eine Mischung aus Kafka und stalinistischem Schauprozess darstellt.
Sehr gut geschriebener Roman der mit der Erkenntnis kommt, dass totalitäre Regime sowieso machen, was sie wollen, egal unter welchem Mäntelchen.

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Des_Orphan
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Des_Orphan »

Uschi Zietsch hat geschrieben:
15. Dezember 2019 15:55
Ich lese gerade "Kafka am Strand" von Murakami. Ich gehe auf das letzte Drittel zu. Mir geht es mit dem Buch so wie euch mit Clarke - ich lese es mit Begeisterung, weiß aber nicht, warum,(...)
Vor etwa 3 Jahren hatte ich einen totalen Murakami Run...In einem Jahr habe den Haupteil seiner Werke gelesen, war überwiegend begeistert, aber...wußte nicht warum...
Murakami hat eine völlig unkomplizierte Schreibe und einen seltsam frischen Stil zu erzählen. Seine Plots heben sich wohltuend von der verkrampften "Gewolltheit" westlicher Schriftsteller ab. Aber...einen rationalen Sinn seiner jeweiligen Erzählungen und Romane suchte ich meist vergebens.
Einzige Ausnahme bildete hierbei der Roman "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki", der eigendlich keine Fragen offen lässt und für mich auch Murakamis besten Roman darstellt.
In diesem Frühjahr las ich dann "Die Ermordung des Commendatore". Zwei Bände von fast 1000 Seiten gepflegter Nichtigkeit, die dann auch das Ende meiner Murakami-Zeit war.
Alles, was ich von ihm hatte landete in der Bücherei...die haben sich gefreut und ich fühlte mich irgendwie erleichtert. :lol:

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Okay, dann bin ich also nicht allein damit :-D und obwohl er ja sehr gefällig schreibt, brauche ich nach dem Buch eine Pause und werde mich als nächstes einem Steampunk widmen, der glaub ich bei der Challenge empfohlen wurde. Aber den Herrn Tazaki werde ich mir zulegen und den Commendatore von der Merkliste nehmen ... ;-)
:bier:
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Des_Orphan »

Uschi Zietsch hat geschrieben:
17. Dezember 2019 17:31
(...)den Herrn Tazaki werde ich mir zulegen und den Commendatore von der Merkliste nehmen ... ;-)
Das wäre dann auch meine Empfehlung; wobei es mich interessieren würde, wie der Tazaki dir gefällt...

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Gernot
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Gernot »

Ich möchte ausnahmsweise ein Kinderbuch ansprechen, das ich in den letzten Tagen meinem Sohn vorgelesen habe. Ist zwar nicht ganz on topic, aber ein eigender "Liest zur Zeit vor"-Thread dürfte sich nicht lohnen. In den "Lesewarnungs"-Thread passt es auch nicht wirklich, weil ich in diesem Forum wahrscheinlich niemanden vor einem Kinderbuch warnen muss.

Es geht um "Phantastasia" von dem österreichischen Autor mit dem bemerkenswerten Pseudonym Franzobel, in dessen Werk Kinderbücher nur einen kleinen Teil ausmachen. Ich habe es auch und vor allem aus Neugier auf diesen Autor aus der Bücherei entliehen.
Das Buch selbst ist eine ganz nette und stellenweise witzige Märchengeschichte, gewürzt mit viel Gesellschaftssatire. Warum ich es hier erwähne, ist eine stilistische Angewohnheit, über die ich beim Vorlesen dauernd verärgert gestolpert bin. Franzobel schließt nämlich regelmäßig mit völlig unpassenden Zeitwörtern an eine direkte Rede an, in der Art von:
"So geht das nicht!", schüttelte sie den Kopf.
So etwas halte ich an sich für eine schreiberische Stümperei, die bei Anfängern häufig zu finden ist, wenn sie auf Teufel komm raus "sagte" vermeiden wollen.
Bei Franzobel, der sich gern als anarchistischer Querkopf darstellt, dürfte es wohl doch eine absichtliche Entscheidung sein, zumal er das im ganzen Buch durchhält. Wenn dem so ist, halte ich es für eine schlechte Idee. Es holpert einfach entsetzlich. Ich habe es beim Vorlesen, wenn ich es rechtzeitig bemerkte, meistens live korrigiert, in der Art von:
"So geht das nicht!" Sie schüttelte den Kopf.
oder:
"So geht das nicht!", rief sie kopfschüttelnd.
Auf jeden Fall werde ich diesen in Österreich durchaus bekannten Schriftsteller in Hinkunft meiden.
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