Um jüngeren Sf Autoren etwas von dem Druck zu nehmen, 'korrekte' Prognosen für die nahe Zukunft abgeben zu müssen:
Wer bei technischen oder gesellschaftlichen Entwicklungen der nahen Zukunft falsch liegt, dem wird das eher selten verziehen...oder?
Aber Vorhersagen bilden nicht den Kern einer Science-Fiction-Geschichte.
Gelingt es , Auswirkungen auf das Individuum und die Gesellschaft überzeugend darzustellen, wird einem dies trotzdem hoch angerechnet.
Sofern Technologie eine wesentliche Rolle für die Geschichte spielt, kann man Gregory Benford zitieren (einen Physiker, der Hard-SF schreibt):
„... jede Hard-SF sollte sich an die physikalischen Gesetze halten, doch ist es notwendig, sie zu vermenschlichen.“
Mit anderen Worten: Auch hier dürfen die technologischen Auswirkungen dieser Veränderungen auf das Individuum sowie auf gesellschaftspolitische Bereiche nicht außer Acht gelassen werden. Zwar mag der Schwerpunkt eines Autors auf einem dieser beiden Aspekte liegen, doch darf er sich niemals auf nur einen davon beschränken. Das sie tatsächliche Entwicklungen richtig fortschreibt, ist sekundär.
Glaubhafte Charaktere mit nachvollziehbaren Handlungen (selbst in exotischen Umgebungen) sind Kern eines Plots.
Was meint ihr?
"Near-future Sf hat die Aufgabe Prognosen über zukünftige Entwicklungen zu geben!" - Really?
-
head_in_the_clouds
- Fan

- Beiträge: 71
- Registriert: 9. Dezember 2023 10:25
- Land: Deutschland
- Liest zur Zeit: Jck Womack - Zufällige Akte sinnloser Gewalt
- Ender
- SMOF

- Beiträge: 3249
- Registriert: 10. Januar 2015 21:25
- Bundesland: Westfalen
- Land: Deutschland
- Liest zur Zeit: Shirley Jackson - Die Lotterie
Percival Everett - Dr. No - Kontaktdaten:
Re: "Near-future Sf hat die Aufgabe Prognosen über zukünftige Entwicklungen zu geben!" - Really?
Es ist immer beeindruckend, wenn man rückblickend feststellt: im Roman XY wurde vom Autor diese oder jene Erfindung, Entwicklung o.ä. schon ziemlich präzise vorhergesehen.
Aber das ist natürlich nicht die "Aufgabe" von SF-Literatur. Spannend sind die Was-wäre-wenn-Überlegungen. Ob es dann wirklich so kommt oder nicht, ist zweitrangig.
Aber das ist natürlich nicht die "Aufgabe" von SF-Literatur. Spannend sind die Was-wäre-wenn-Überlegungen. Ob es dann wirklich so kommt oder nicht, ist zweitrangig.
- RolandsFarblood
- Neo

- Beiträge: 1
- Registriert: 15. August 2026 18:47
- Land: Deutschland
Re: "Near-future Sf hat die Aufgabe Prognosen über zukünftige Entwicklungen zu geben!" - Really?
Ich sehe Near-Future-SF auch eher als Gedankenexperiment denn als Prognose.
Wenn ein Roman später tatsächlich eine technische oder gesellschaftliche Entwicklung erstaunlich genau vorhergesagt hat, ist das natürlich spannend. Aber für die Qualität der Geschichte wäre das für mich kein entscheidendes Kriterium.
Interessanter finde ich, ob die einmal gesetzte Annahme konsequent weitergedacht wird: Was verändert sie im Alltag? In Beziehungen? Bei Arbeit, Macht, Abhängigkeiten oder gesellschaftlichen Regeln?
Selbst eine technische Annahme, die zwanzig Jahre später völlig falsch aussieht, kann als Geschichte immer noch hervorragend funktionieren, wenn die menschlichen Konsequenzen glaubwürdig sind. Umgekehrt macht eine erstaunlich präzise Prognose noch keine gute SF, wenn die Figuren nur dazu da sind, die Idee zu erklären.
Vielleicht ist gerade das einer der Reize von SF: Sie muss nicht sagen, so wird es kommen, sondern darf fragen, was wäre, wenn es so käme?
Wenn ein Roman später tatsächlich eine technische oder gesellschaftliche Entwicklung erstaunlich genau vorhergesagt hat, ist das natürlich spannend. Aber für die Qualität der Geschichte wäre das für mich kein entscheidendes Kriterium.
Interessanter finde ich, ob die einmal gesetzte Annahme konsequent weitergedacht wird: Was verändert sie im Alltag? In Beziehungen? Bei Arbeit, Macht, Abhängigkeiten oder gesellschaftlichen Regeln?
Selbst eine technische Annahme, die zwanzig Jahre später völlig falsch aussieht, kann als Geschichte immer noch hervorragend funktionieren, wenn die menschlichen Konsequenzen glaubwürdig sind. Umgekehrt macht eine erstaunlich präzise Prognose noch keine gute SF, wenn die Figuren nur dazu da sind, die Idee zu erklären.
Vielleicht ist gerade das einer der Reize von SF: Sie muss nicht sagen, so wird es kommen, sondern darf fragen, was wäre, wenn es so käme?