Gerade im Kino gesehen...

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Knochenmann
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Knochenmann »

Tssss! Kulturpessimismus!
Als ich jung war, war der Pluto noch ein Planet
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Doop
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Doop »

Sam Francisco hat geschrieben: 6. August 2026 07:43 Nicht zu vergessen "Die Unglaublichen", da waren auch beide Teile klasse.
Bei den „Incredibles“ bin ich mit Teil 2 auch nicht richtig warm geworden. Der erste ist aber ein fantastisch guter Film und einer der besten Superheldenfilme aller Zeiten.
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Naut
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Naut »

Spider Man: Brand New Day
Recht langer aber dabei nicht langweiliger Film. Modernes Actionkino, in gewohnter Marvelart übersichtlich inszeniert, so dass auch alte Leute wie ich mitkommen. Ansonsten gibt es das übliche Ensemble mit den üblichen (Spiderman-)Problemen, die am Schluss auf die übliche Art gelöst werden.

Schöner, aber nicht herausragender Film, da waren die Vorgänger teils besser. Oder, wie Kind 2 sagte, es ist ein vierter Teil und fühlt sich auch so an: Es fehlt ein Alleinstellungsmerkmal.

Was meine Frau gefreut hat: Frank ist dabei! :megablaster:
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Uschi Zietsch
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Frank ist auch der Grund, weshalb ich ihn anschauen werde, im Gegensatz zu seinen Vorgängern.
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Naut »

Uschi Zietsch hat geschrieben: 11. August 2026 07:32 Frank ist auch der Grund, weshalb ich ihn anschauen werde, im Gegensatz zu seinen Vorgängern.
Versprich Dir nicht zu viel, der Film ist jugendfrei. Trotzdem kommen die besten Sprüche von ihm. :D
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Uschi Zietsch
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Der Punisher und jugendfrei?? oO Ja aber klar, Peter Parker.
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Ender
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Ender »

The End of Oak Street
Überraschenderweise gibt es hierzu keinen eigenen Thread? Muss auch gar nicht sein.
Ich wusste im Vorhinein außer "Ein Stadtteil wird viele Millionen Jahre in die Vergangenheit katapultiert" nicht allzu viel über diesen Film, aber aus irgendeinem Grund hatte ich Lust ihn zu sehen, zumal ich auch schon einzelne positive Meinungen gehört hatte. Denen kann ich mich leider überhaupt nicht anschließen.

Das war einfach nur ganz schlichter 08/15-Horror mit allem, was man so kennt. Menschen laufen die ganze Zeit schreiend vor Monstern davon und verhalten sich dabei maximal dämlich. Ab und zu werden ein paar Jumpscares eingestreut und ansonsten gibt’s Dutzendfach die übliche Szene: Protagonisten schauen in die eine Richtung, während sich die Gefahr von der anderen Seite nähert, bis dann im letzten Moment … return to „Menschen laufen schreiend davon“. Auch die Dialoge halten, was man sich von so einem Film verspricht und werden von Minute zu Minute beknackter. Sätze wie „Und wie ist es so auf der Privatschule?“ oder „Kann ich ein Foto von dir machen?“ sagt man natürlich unbedingt, wenn man gerade von menschenfressenden Riesendinosauriern umgeben ist.

Da gibt man Regisseur David Robert Mitchell, der mit "It Follows" und "Under the Silver Lake" schon zwei Filme mit gutem Ruf gemacht hat (ich hab sie nicht gesehen), ein einigermaßen ordentliches Budget und er macht einfach nur genau das, worüber sich „Scream“ schon vor 30 Jahren lustig gemacht hat. Ganz schön schlecht!
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Shock Wave Rider
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Shock Wave Rider »

Ender hat geschrieben: 20. August 2026 20:24 The End of Oak Street
Dem Filmanalytiker reicht es auch nicht:

Link: https://www.youtube.com/watch?v=gcoRb_DgiGw
Anscheinend aus anderen Gründen als dir.

Egal: Den Film erspare ich mir.
Schon allein, weil mich das Thema kaum reizt.

Gruß
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Ender »

Man erwartet bei einem solchen Film ja keine tiefschürfende Handlung oder philosophische Fragestellungen, aber halt einfach eine schräge Geschichte und ein bisschen Spaß. Und ja, die Optik ist im großen und ganzen gelungen - wenn sich der Spaß allerdings auf ein paar mehr oder weniger "originelle" Todesarten beschränkt, dann ist das wohl doch nur etwas für Horror-Fans. Und für die ist das hier wiederum nicht konsequent und blutig genug, und außerdem haben sie das alles schon mal origineller gesehen.
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Jorge.

Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Jorge. »

Ender hat geschrieben: 20. August 2026 20:24 The End of Oak Street
"Ein Stadtteil wird viele Millionen Jahre in die Vergangenheit katapultiert"
Ganz schön schlecht!
Yep :nein:

http://scifinet.org/scifinetboard/index ... ntry475069
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Jorge.

Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Jorge. »

Jorge. hat geschrieben: 21. August 2026 10:06 http://scifinet.org/scifinetboard/index ... ntry475069

The Day Time Ended lief übrigens damals hierzulande unter dem originellen Titel Invasion aus dem Weltall - Krieg der Galaxien...für alle Freunde des schlechten Films gibt es eine Bluray:

http://www.wicked-shop.com/de/invasion- ... u-ray.html
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Naut »

Heute:
The End of Oak Street
Vorab: Ich denke, ich spoilere niemanden, wenn ich verrate, dass es um menschenfressende Dinosaurier geht. Das ist in den Trailern und Pressetexten wohl genug verbreitet worden.
Also, Dinos jagen Menschen in den USA im Jahr 1982. Das Resultat ist ein wirklich gut gelungener 80er-Jahre Film. J.J. Abrahams macht hier erneut, was er schon mit "Super 8" ablieferte: Einen der besten 80ies Blockbuster produzieren, der nicht in den 80ern gedreht wurde. Das kommt mit allen Vorteilen daher, die man sich so wünscht: Bessere Spezialeffekte, tolle Ausstattung (ist das ein VC20 oder ein C16?), gut aufgelegte Darsteller, casual queerness, neueste Erkenntnisse über Saurier eingearbeitet ... alles prima! Der Film steht insgesamt viel besser da als der thematisch und charakterlich sehr ähnlich gelagerte "The Last House".

Okay, ich könnte etwas rumnerden, dass die Physik der Flugechsen mal wieder nicht stimmt und die Viecher aus Kreide und Jura stammen, aber egal. Es ist ein Hollywood-Film, keine BBC-Doku.
Was ich dem Film aber nicht verzeihen kann, ist das Ende:
Effektiv tötet die Mutter sich selbst und ihre Familie am Schluss, damit sie wieder heile Familie spielen kann. Das wäre okay, wenn sie, wie sie selbst behauptet, nur Zeit gehabt hätte, einen Menschen zu retten. Wie sich aber herausstellt, hat sie die gesamte Nachbarschaft gewarnt, bloß eben sich selbst und ihre Kinder nicht. Fiese Frau! Und der Film tut so, als wäre das okay. Nee, so geht das nicht!
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Shock Wave Rider »

In den letzten Tagen war ich wieder öfter im Kino und habe deshalb einiges nachzuholen.

Den folgenden Film habe ich bereits vor 2 Wochen in einer Preview gesehen.

Vaterland
Was stimmt: Vom 23. Juli bis 3. August 1949 besuchte Thomas Mann (großartig verkörpert von Hans Zischler) erstmals nach seinem Exil wieder sein Heimatland Deutschland, um sich in Frankfurt/Main und in Weimar gleich zwei Goethepreise abzuholen. Die Reise nach Weimar wurde vom kommunistischen Dichter Johannes Becher (Devid Striesow) organisiert. Becher, Dichter der DDR-Hymne, verband eine lebenslange, tiefe Freundschaft mit Thomas Mann und dessen Familie.
Was nicht stimmt: Auf der Reise begleitete ihn seine Frau Katja und nicht, wie im Film, seine Tochter Erika (ebenso großartig gespielt von Sandra Hüller).
Was faktisch nicht stimmt aber spirituell irgendwie richtig ist: Thomas Manns Sohn Klaus (August Diehl) nahm sich bereits am 21. April 1949 in Cannes das Leben und nicht, wie im Film suggeriert, kurz vor oder während der Deutschlandreise seines Vaters. Tatsächlich befand sich Thomas Mann damals auf Lesereise in Schweden und sah es nicht ein, zu Klaus‘ Begräbnis nach Cannes zu reisen. Die gleiche Entscheidung wird er auch im Film treffen.
„Vaterland“ beschwört in dicht gepackten 82 Minuten und in großartigen Schwarz-Weiß-Bildern die Atmosphäre der Nachkriegszeit herauf, als sich einerseits die beiden deutschen Staaten formierten und wichtige Schritte in Richtung Souveränität machten, sich andererseits aber der Eiserne Vorhang zwischen Ost und West weiter verhärtete. Die fiktive Reiseteilnahme von Erika ermöglicht nicht nur, den Generationenkonflikt zwischen Thomas Mann und seinen Kindern zu verhandeln, sondern auch immer wieder Fragen von Schuld, Moral und ob man sich in falschen Zeiten richtig verhalten kann, aufzuwerfen. Exemplarisch die explosive (fiktive!) Begegnung zwischen Erika und ihrem früheren Ehemann Gustav Gründgens, der es vorzog, in Deutschland zu bleiben und sich mit dem Nazi-Regime zu arrangieren. Auch die Hochverratsvorwürfe gegen Thomas Mann, weil er 1. ins Exil gegangen ist statt seinen Landsleuten im Leid beizustehen und 2. jetzt auch die Absicht hegte, die als feindlich empfundene SBZ zu besuchen, werden schonungslos dargestellt.
Der Film beschwört bis in kleinste Details das Lebensgefühl und die Lebenswirklichkeit des Jahres 1949 herauf. Auch der harte Gegensatz zwischen dem Festakt in der vollbesetzten Frankfurter Paulskirche, den damals bereits existierenden Schikanen am deutsch-deutschen Grenzübergang und der inszenierten Feier für ausgewählte Teilnehmer in Weimar wird eindrucksvoll herausgearbeitet. Dazu tragen die durch die Bank überragenden schauspielerischen Leistungen aller Akteure mit bei.
Was kann ein Schriftsteller, und sei er noch so berühmt und eine scheinbare Autorität, mit seinem Werkzeug, der Sprache, ausrichten in Zeiten, die von politischen Umwälzungen geprägt sind?
Der Film bietet Denkanreize, zeigt die Antworten, die die Zeit damals gegeben hat, bezieht aber kaum Stellung. Verbindliche Antworten muss jeder Zuschauer für sich alleine finden.
Bewertung: 10 von 10 viel zu vielen Zigaretten

Bewegter Gruß
Ralf
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Shock Wave Rider »

Es gab mal Jahre, da ging ich 50mal ins Kino. Zwischenzeitlich ging die Quote auf 1-2 Kinofilme pro Jahr runter, zumeist aus Bequemlichkeit.
Deshalb sind die gleich drei Kinobesuche am letzten Wochenende schon bemerkenswert.
Hier meine Eindrücke:

Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war

Die Regisseurin Regina Schilling spürt dem Leben der berühmten österreichischen Lyrikerin nach. Sie nähert sich vor allem über ihre Texte (Gedichte, Prosa, Briefe, Tagebücher) an, aber auch über Filmaufnahmen. Als Sahnehäubchen mietete sie eine Wohnung in Rom an, die an die Wohnung der Bachmann erinnert, und gestaltete sie mit Möbeln und Utensilien aus den zeitgenössischen Fotos aus. Die derzeit allgegenwärtige Sandra Hüller soll einen fiktiven Tag der Dichterin in Rom nachvollziehen.
Aus den Originalquellen entsteht das Bild einer klugen, hochsensitiven Lyrikerin, die sich ihrer Qualitäten bewusst ist, aber sich stets weiterentwickeln will. Auf der anderen Seite begegnen wir einer zerrissenen, in ihrem Innern zutiefst verunsicherten Frau, die schließlich an einer Medikamentenabhängigkeit erkrankt. Vor allem in der Beziehung zu Max Frisch bemüht sich der Film um Neutralität.
Klar wird auch, wie regelmäßig die Bachmann auch unter Kollegen auf alte, weiße Männer traf, die die weibliche Rivalin wegbeißen wollten. So charakterisiert sie ein Mann, dessen Name mir entfallen ist, als „durchsetzungswillig“ und „herrschaftlich“.
Außerdem haben die Leute damals viel zu viel gequarzt. Immerhin führten Verbrennungen, die sie sich bei einem durch eine brennende Zigarette verursachten Wohnungsbrand zuzog, zu ihrem Tod im Alter von nur 47 Jahren.
Die Szenen mit Sandra Hüller zeigen Begeisterung und freigelassene Kreativität, wollen sich aber nicht so recht in den Film einfügen. Eine reine Dokumentation auf Grund von zeitgenössischem Originalmaterial wäre mE fruchtbarer gewesen.

Deshalb gibt es „nur“ …
Bewertung: 6 von 10 selbstvergessenen Tänzen mit Radschlagen und Kopfstand, die die echte Bachmann sich so nie erlaubt hätte


Was haben wir gelacht

Maren Kroymann, Gaby Köster, Bettina Böttinger, Esther Schweins und Hella von Sinnen erinnern sich an die „lustigen“ Unterhaltungssendungen aus den 80er- und 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Gezeigt werden Übergriffe vor laufender Kamera (Gottschalks Knieberührungen), dümmste Zoten (z.B. Harald Schmidt mit einer Quietschetitte), Gemeinheiten gegen Frauen im allgemeinen und bestimmte Frauen im besonderen (wieder Harald Schmidt, der vier Fotos zeigte von einer Ausgabe der „Emma“, einer Flasche Eierlikör, einem Klodeckel und Bettina Böttinger – echte Männer würden das nie anfassen!) bis hin zu Verharmlosung von häuslicher Gewalt. Teilweise konnte ich nicht hinsehen vor Scham. Auch weil ich genau wusste, dass ich über manche der gezeigten Szenen damals auch gelacht habe.
Der Film zeigt aber auch, wie sich die Frauen nach und nach aus den männlichen Klischees freigeschwommen haben und den Männern oft genug die Pointen verdarben, weil sie sich intelligent und lautstark wehrten.
Es bleibt noch viel zu tun, bis wir echte Gleichberechtigung erreicht haben. Aber wir sind auf einem guten Weg – allein schon, weil die gezeigten Auswüchse in der Form und Häufigkeit heute kaum noch möglich sind. Ein wichtiger Schritt besteht darin, dass sich alte, weiße Männer wie ich eingestehen, damals hemmungsvoll und stumm zugeschaut zu haben und dafür um Entschuldigung zu bitten. Was ich tue.

Fazit: Ein wichtiger, augenöffnender Film, der die Mechanismen einer patriarchalen Gesellschaft schonungslos entlarvt und den Gedanken und Gefühlen der betroffenen Frauen Raum gibt.

Bewertung: 9 von 10 bei allem Selbstbewusstsein und aller Schrillheit nachdenklichen und bisweilen selbstkritischen Hella von Sinnens


Der Heimatlose

Die Zeit, in der der Film spielt, ist nicht ganz eindeutig. Vermutlich irgendwann spätes 18./frühes 19. Jahrhundert. Hein kehrt nach 14 Jahren auf eine nicht näher genannte Nordseeinsel zurück, nachdem er sie verlassen hat, um auf dem Festland Lehrer zu werden. Doch die Insulaner erkennen ihn nicht wieder. Seine Mutter leidet an Demenz, seine Schwester war noch zu klein, als er die Insel verließ, aber auch seine besten Jugendfreunde Friedemann und Greta wollen sich nicht erinnern.
So beschließt die Dorfvorsteherin, dass ein Dorfgericht darüber zu entscheiden habe, ob der Eindringling Hein ist oder nicht. Das geschieht anhand dreier Ereignisse aus Heins Leben auf der Insel, wobei Zeugenaussagen von Inselbewohnern mit den Erinnerungen Heins abgeglichen werden. Gibt es eine Diskrepanz, so muss der Augenschein entscheiden (auf Deutsch: die Szenen werden nachgespielt).
Wie in Lars von Triers „Dogville“ stehen nur offene Kulissen von Häusern herum, die aber auf einer echten Insel. Die Mechanismen von Gruppendenken, kollektiven Halluzinationen und der Schwierigkeit, seine eigene Wahrnehmung gegen das geballte Gaslighting der „anderen“ zu verteidigen, werden eindringlich verhandelt. Erschreckend zu verfolgen, wie die Gemeinschaft zunächst auf jedes böse Gerücht über Hein aufspringt, ihn am Ende aber katzfreundlich integriert, als sei nichts gewesen.
Mit dem ersten Blick Friedemanns wird nicht nur klar, dass er Hein sofort erkennt, sondern auch, dass die beiden mehr als nur Freundschaft verband. Mit der Zeit facht die alte Liebe wieder auf. Aber es stellt sich heraus, dass beide zu unterschiedliche Vorstellungen von einem gemeinsamen Leben haben.
So kann Hein mit der dritten Erinnerung zwar die Dorfbewohner von seiner Identität überzeugen, entscheidet sich am Ende jedoch gegen den Verbleib auf der Insel, für den er so hart gekämpft hat.
In „Der Heimatlose“ geht es um Identität und wie weit es so was wie unser „wahres Ich“ überhaupt gibt. Und wenn ja, wie weit es sich unter den Zwängen und Erwartungen der „anderen“ entfalten kann. Ein stiller, unprätentiöser, aber sehr kluger und unterschwellig spannender Film.

Bewertung: 9 von 10 Amuletten mit Berglandschaft

Sehender, aber nicht schauender Gruß
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