Macht der Buchhandel aus SF Fantasy?
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StevesBaby
Macht der Buchhandel aus SF Fantasy?
Wenn ich so durch Buchläden durchlaufe, finde ich immer mehr Bücher, die eigentlich SF sind, zusammengefasst unter Fantasy. Z. B. der Flussweltzyklus von Philip José Farmer. Das ist für mich Hardcore SF! Nur weil ein Fluss darin vorkommt und Fische die Menschen fressen, noch lange keine Fantasy. So ein Blödsinn! Was haltet ihr davon? Mir ist klar, das dies nur Marketingstrategie ist, aber für mich eine Verblödung der Leser und Betrug.
- Olaf
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Re: Macht der Buchhandel aus SF Fantasy?
Ach Gott, früher lief es mal anders, da wurde Fantasy als SF getarnt. Jetzt ist es halt mal anders rum. Kratzt mich nicht sonderlich.
Re: Macht der Buchhandel aus SF Fantasy?
Ganz ehrlich - ich kaufe Bücher längst fast ausschließlich übers Internet, weil mir der Buchhandel einfach zu miserabel ist. Wenn man irgendetwas anderes haben will als den gerade aktuellen Massenthriller, braucht man da nicht reinzugehen. Die Ausnahme sind Antiquariate; hier in Überlingen z.B. gibt es ein sehr kultiges.
Ich denke, solche Zustände sind zu einem Großteil Ergebnis der Buchpreisbindung - unter diesem gesetzlichen Schutz kann jede Klitsche offenbar vom Handel mit Büchern einfach so leben, ohne sich die geringste Mühe damit geben zu müssen. Warum soll man sich die Mühe machen und das Angebot auch nur richtig sortieren? Der blöde Kunde soll halt irgendwas kaufen und keine Ansprüche stellen!
Hätten wir so einen Zustand im Lebensmittelhandel, dann gäbe es rings um die großen Discounter (die dann natürlich keine solchen wären) jede Menge kleine Läden, die alle nochmal exakt dasselbe verkaufen, die gleichen Zucker-, Butter- und Mehlsorten (und wenn sich alle darin einig sind, natürlich überall schlecht sortiert und schlecht zu finden) - ein Döner, eine Tasse Kaffee oder ein Blumenstrauß wäre dafür aber nicht mehr zu kriegen.
Ich denke, solche Zustände sind zu einem Großteil Ergebnis der Buchpreisbindung - unter diesem gesetzlichen Schutz kann jede Klitsche offenbar vom Handel mit Büchern einfach so leben, ohne sich die geringste Mühe damit geben zu müssen. Warum soll man sich die Mühe machen und das Angebot auch nur richtig sortieren? Der blöde Kunde soll halt irgendwas kaufen und keine Ansprüche stellen!
Hätten wir so einen Zustand im Lebensmittelhandel, dann gäbe es rings um die großen Discounter (die dann natürlich keine solchen wären) jede Menge kleine Läden, die alle nochmal exakt dasselbe verkaufen, die gleichen Zucker-, Butter- und Mehlsorten (und wenn sich alle darin einig sind, natürlich überall schlecht sortiert und schlecht zu finden) - ein Döner, eine Tasse Kaffee oder ein Blumenstrauß wäre dafür aber nicht mehr zu kriegen.
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Judith Rauch
Re: Macht der Buchhandel aus SF Fantasy?
Wer keine Probleme hat macht sich welche.
- andy
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Re: Macht der Buchhandel aus SF Fantasy?
aber wäre service dann nicht eine möglichkeit, sich von anderen zu differenzieren? wenn ich es über den preis schon nicht kann?Helge hat geschrieben:Ganz ehrlich - ich kaufe Bücher längst fast ausschließlich übers Internet, weil mir der Buchhandel einfach zu miserabel ist. Wenn man irgendetwas anderes haben will als den gerade aktuellen Massenthriller, braucht man da nicht reinzugehen. Die Ausnahme sind Antiquariate; hier in Überlingen z.B. gibt es ein sehr kultiges.
Ich denke, solche Zustände sind zu einem Großteil Ergebnis der Buchpreisbindung - unter diesem gesetzlichen Schutz kann jede Klitsche offenbar vom Handel mit Büchern einfach so leben, ohne sich die geringste Mühe damit geben zu müssen. Warum soll man sich die Mühe machen und das Angebot auch nur richtig sortieren? Der blöde Kunde soll halt irgendwas kaufen und keine Ansprüche stellen!
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andy
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Re: Macht der Buchhandel aus SF Fantasy?
Du machst in Deiner Argumentation einen großen Fehler: Du gehst davon aus, daß auch ein Buchhändler, der sich keine Mühe gibt davon leben kann. Dem ist nicht so. Ein Bekannter meiner Frau ist Buchhändler und ich bekomme so durchaus mit, das der Druck sehr, sehr groß geworden ist und viele Buchhändler sich richtig reinhängen müssen, um überhaupt zu überleben und mit Supermarkt-Taschenbuchschund-Drehständern und Amazon konkurrieren zu können. Ausnahmen bestätigen diese Regel, aber selbst die von Dir so angeprangerten Buchhändler bieten entweder anderen Kunden das richtige Sortiment, oder sie machen halt irgendwann zu. Ein von mir bereits vor vielen Jahren wegen seines beschissenen Sortiment, bzw. seiner arroganten Art (»Was wollen Sie? Das gibt es hier nicht.«) gemiedener Buchhändler, der in seiner Kleinstadt ohne Konkurrenz war, hat nun endlich letztes Jahr zugesperrt. Sein in der Zeitung genannter Grund: »Die Leute hier hätten keinen Buchhändler verdient, so wenig hätten sie bei ihm gekauft.«Helge hat geschrieben:Ganz ehrlich - ich kaufe Bücher längst fast ausschließlich übers Internet, weil mir der Buchhandel einfach zu miserabel ist. Wenn man irgendetwas anderes haben will als den gerade aktuellen Massenthriller, braucht man da nicht reinzugehen. Die Ausnahme sind Antiquariate; hier in Überlingen z.B. gibt es ein sehr kultiges.
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Re: Macht der Buchhandel aus SF Fantasy?
Na ja, es ist angewandtes Marketing. Das Label SF steht derzeit nicht für hohe Gewinne, sondern wenn Fantasy draufsteht rollt der Rubel.StevesBaby hat geschrieben:Wenn ich so durch Buchläden durchlaufe, finde ich immer mehr Bücher, die eigentlich SF sind, zusammengefasst unter Fantasy. Z. B. der Flussweltzyklus von Philip José Farmer. Das ist für mich Hardcore SF! Nur weil ein Fluss darin vorkommt und Fische die Menschen fressen, noch lange keine Fantasy. So ein Blödsinn! Was haltet ihr davon? Mir ist klar, das dies nur Marketingstrategie ist, aber für mich eine Verblödung der Leser und Betrug.
Man braucht sich nur Heynes neue Website ansehen: http://www.magische-bestseller.de
Da ist SF nur ein Nischenprodukt, das nur noch am Rande verkauft wird.
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StevesBaby
Re: Macht der Buchhandel aus SF Fantasy?
So siehts leider aus. Traurig!breitsameter hat geschrieben:Na ja, es ist angewandtes Marketing. Das Label SF steht derzeit nicht für hohe Gewinne, sondern wenn Fantasy draufsteht rollt der Rubel.StevesBaby hat geschrieben:Wenn ich so durch Buchläden durchlaufe, finde ich immer mehr Bücher, die eigentlich SF sind, zusammengefasst unter Fantasy. Z. B. der Flussweltzyklus von Philip José Farmer. Das ist für mich Hardcore SF! Nur weil ein Fluss darin vorkommt und Fische die Menschen fressen, noch lange keine Fantasy. So ein Blödsinn! Was haltet ihr davon? Mir ist klar, das dies nur Marketingstrategie ist, aber für mich eine Verblödung der Leser und Betrug.
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Re: Macht der Buchhandel aus SF Fantasy?
Bestes Beispiel ist die Reihe Piper Fantasy. Die ist inzwischen sehr weit gespannt, was ich nicht schlecht finde. Von mir aus darf Carsten Polzin auch gerne SF-Titel herausbringen, die mittlerweile Klassiker geworden sind, und die nicht so auf der Technoschiene fahren, so dass auch der durchschnittliche Fantasy-Leser, der mit Hochtechnologie und Space Operas nicht so viel anfangen kann, sie lesen kann.
MB
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Re: Macht der Buchhandel aus SF Fantasy?
breitsameter hat geschrieben:Du machst in Deiner Argumentation einen großen Fehler: Du gehst davon aus, daß auch ein Buchhändler, der sich keine Mühe gibt davon leben kann. Dem ist nicht so.Helge hat geschrieben:Ganz ehrlich - ich kaufe Bücher längst fast ausschließlich übers Internet, weil mir der Buchhandel einfach zu miserabel ist. Wenn man irgendetwas anderes haben will als den gerade aktuellen Massenthriller, braucht man da nicht reinzugehen. Die Ausnahme sind Antiquariate; hier in Überlingen z.B. gibt es ein sehr kultiges.
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Tja, ich gehe ganz einfach von meinen Erfahrungen aus. Wenn ich in eine beliebige deutsche Großstadt komme und dort durch Buchhandlungen bummle, dann sieht das üblicherweise so aus: Es gibt ein oder zwei so richtig große (in denen man sich in aller Regel auch die größe Mühe mit der Auswahl und Sortierung das Angebots gibt) und dazwischen sind dann drei, vier oder fünf kleinere Buchläden, von denen sich i.d.R. kein einziger die Mühe macht, ein eigenes Publikum duch eine Spezialisierung auf irgendetwas anzulocken und irgendetwas anzubieten, was die Großen nicht haben (vom üblicherweise vorhandenen christlichen Buchladen mal abgesehen - werden die eigentlich von der Kirche bezuschusst oder betrieben?). Stattdessen gibt es exakt dasselbe Angebot wie überall, nur weniger davon (wobei typischerweise das Gute aussortiert ist) und oft schlecht sortiert und präsentiert.
Angenehme Ausnahmen sind allein die Antiquariate. Ich liebe Antiquariate; in Stockholm bin ich mal durch eine Gegend mit mindestens vier davon gebummelt, und ein Stück weiter war auch noch ein spezieller SF-Buchladen. (Ist allerdings schon ein paar Jahre her.) So geht es mit etwas gutem Willen also auch.
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Re: Macht der Buchhandel aus SF Fantasy?
Ich finde die Genre-Sortierung eh nicht sonderlich hilfreich. Ich fasse die meiste Fantasy nicht mit der Kneifzange an, und für das Meiste der seriellen SF gilt das genauso. Insofern ist doch eigentlich viel interessanter, wie interessant das Angebotssortiment innerhalb dieser Sortierung (sei sie nun "Fantasy" oder "Phantastik" oder "Schubidu" genannt) ist. Die typische Durchschnittsbuchhandlung gibt sich da meiner Beobachtung nach herzlich wenig Mühe, platziert herzlos einen einzelnen Band 2 der X-Trilogie neben einen einsamen Band 5 der Y-Reihe, und man merkt sofort: Die haben eigentlich nur Neuerscheinungen und das, was halt so im Laufe der Jahre übrig geblieben ist. Ich wüsste jetzt wirklich nicht, warum man in solchen Buchläden stöbern sollte.StevesBaby hat geschrieben:Wenn ich so durch Buchläden durchlaufe, finde ich immer mehr Bücher, die eigentlich SF sind, zusammengefasst unter Fantasy. Z. B. der Flussweltzyklus von Philip José Farmer. Das ist für mich Hardcore SF! Nur weil ein Fluss darin vorkommt und Fische die Menschen fressen, noch lange keine Fantasy. So ein Blödsinn! Was haltet ihr davon? Mir ist klar, das dies nur Marketingstrategie ist, aber für mich eine Verblödung der Leser und Betrug.
Stefan, nimmt sich mal wieder vor, demnächst im "Otherland" zu stöbern
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Re: Macht der Buchhandel aus SF Fantasy?
@Helge: Es gibt auch Ausnahmen bei den "kleinen" Buchläden. Zum Beispiel die Buchhandlung Machwirth in Alzey, meiner Geburtsstadt. Ein echter Traditionsbetrieb, der es zugegebenermaßen leicht hat, weil's in Alzey noch keinen Laden der großen Ketten gibt. Aber selbst wenn es so einen Laden gäbe, wurde ich trotzdem zum Machwirth gehen. Die Auswahl mag nicht größer sein als z.B. bei Thalia, aber bis jetzt habe ich dort noch immer alles gefunden, was ich gesucht habe. Außerdem hat man es dort mit Buchhändlern zu tun, die ihr Handwerk wirklich verstehen. Und schließlich gibt's dort viele Regionalia sowie immer die aktuellen Romane von Jens Lossau / Jens Schumacher. Die ihr wahrscheinlich nicht kennt (schämt euch
).
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heino
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Re: Macht der Buchhandel aus SF Fantasy?
Ich habe hier in Köln festgestellt, dass die spezialisierten Buchläden entweder schnell schließen (mangels Kundschaft) oder nur in schwer erreichbaren Gegenden zu finden sind, wo die Mieten nicht so hoch sind. Und meist ist das Angebot da auch nicht wesentlich besser als bei den grossen Ketten oder auf dem Amazon-Marketplace und man muss auf bestellte Bücher bis zu 14 Tagen warten.
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Re: Macht der Buchhandel aus SF Fantasy?
Ich kann zu der Threadfrage ein lustiges Beispiel nennen:
In meiner Stammbuchhandlung gab vor einiger Zeit in der TB-Abteilung einen dieser Auslagentische mit Neuerscheinungen (Diese Tische kennt wohl jeder, thematisch immer schon geordnet nach: Promi-Kochbücher, Hitlers Helfer/Autobauer/Frisör, Schweden-Krimis, Harry Potter usw). Damit die Kunden von weitem schon sehen können, was für Bücher auf dem Tisch sind, war in der Mitte des Tisches ein großes Schild mit einen thematisch passenden Bild und Überschrift plaziert:
Die Überschrift lautete: SCIENCE FICTION
Das Bild zeigte: Einen Drachen, der über einem Palast schwebte.
Klare Sache, daß auf dem Tisch dann auch zu 90% nur Fantasybücher waren. Ich muss dazu aber auch sagen, daß die betreffende Buchhandlung in Sachen SF eigentlich ziemlich gut bestückt ist. Das Schild war trotzdem zu geil. Am liebsten hätte ich die Mitarbeiter danach gefragt, ob es verkäuflich sei.
In meiner Stammbuchhandlung gab vor einiger Zeit in der TB-Abteilung einen dieser Auslagentische mit Neuerscheinungen (Diese Tische kennt wohl jeder, thematisch immer schon geordnet nach: Promi-Kochbücher, Hitlers Helfer/Autobauer/Frisör, Schweden-Krimis, Harry Potter usw). Damit die Kunden von weitem schon sehen können, was für Bücher auf dem Tisch sind, war in der Mitte des Tisches ein großes Schild mit einen thematisch passenden Bild und Überschrift plaziert:
Die Überschrift lautete: SCIENCE FICTION
Das Bild zeigte: Einen Drachen, der über einem Palast schwebte.
Klare Sache, daß auf dem Tisch dann auch zu 90% nur Fantasybücher waren. Ich muss dazu aber auch sagen, daß die betreffende Buchhandlung in Sachen SF eigentlich ziemlich gut bestückt ist. Das Schild war trotzdem zu geil. Am liebsten hätte ich die Mitarbeiter danach gefragt, ob es verkäuflich sei.
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Re: Macht der Buchhandel aus SF Fantasy?
Nun ja, so wandelt sich das Bild der Science Fiction in der Öffentlichkeit... Frühere wäre da ein Raumschiff zu sehen gewesen, daß gerade an einem beringten Planeten vorbeifliegt.Mort hat geschrieben:Die Überschrift lautete: SCIENCE FICTION
Das Bild zeigte: Einen Drachen, der über einem Palast schwebte.
Wie sehr sich das Gleichgewicht mittlerweile von der SF zur Fantasy verschoben hat, sieht man auch daran, daß aus dem ehemaligen SF&Fantasy-Programm von Heyne jetzt laut der Homepage ein Fantasy&SF-Programm geworden ist.
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