Die Frau des Zeitreisenden (Roman)

Science Fiction in Buchform
Ulrich
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Die Frau des Zeitreisenden (Roman)

Ungelesener Beitrag von Ulrich »

Heute kam in einer Kultursendung ein Bericht über einen neuen Roman. an und für sich nicht ungewöhnlich. Doch dann war die Rede von Zeitreisen. Audrey Niffeneggers "Die Frau des Zeitreisenden" hört sich wie ein Liebesroman an.
http://www.wdr.de/tv/kulturweltspiegel/20040912/1.html
Geschichten hat sie schon seit Jahren erzählt - allerdings nicht mit Worten, sondern mit Bildern. Bekannt wurde Audrey Niffenegger, hauptberuflich Kunstdozentin am College Chicago Center, mit ihren gezeichneten, in einer Auflage von gerade einmal zehn Exemplaren erschienenen Novellen nicht. Erst ihr Debütroman "Die Frau des Zeitreisenden", der im vergangenen Herbst zum Überraschungserfolg in den USA avancierte, machte sie über Nacht berühmt. Scott Turow lobte in seiner populären Show "Today" die Raffinesse und den fantasievollen Plot des Erstlings, der hernach prompt wochenlang auf den Bestsellerlisten von "New York Times", "Publishers Weekly" und "Los Angeles Times" stand. Am meisten überrascht über ihren sensationellen Erfolg war wohl die literarische Newcomerin selbst, hatte sie doch bestenfalls gehofft, mit ihrem Science-Fiction-Liebesroman ein Kultbuch für Bibliophile geschrieben zu haben.

Inzwischen wurde ihre meisterhaft komponierte Geschichte über die Magie der Liebe, über die Sehnsucht und das Warten in mehr als fünfzehn Sprachen übersetzt. Hierzulande ist sie gerade im S. Fischer Verlag erschienen und schaffte es auf Anhieb in die "Spiegel"-Bestenliste. Und selbst Hollywood interessiert sich für den kinotauglichen Stoff: Die Produktionsfirma von Brad Pitt und Jennifer Aniston will "Die Frau des Zeitreisenden" verfilmen - mit den beiden Stars in den Hauptrollen. "Ich bin natürlich aufgeregt wegen des Films, aber ich weiß auch, dass der Film in meinem Kopf nie auf einer Leinwand zu sehen sein wird", meint Audrey Niffenegger, die in ihrer Wohnung in Chicago ohne Fernseher, mit zwei Katzen, zwei Skeletten und allerhand ausgestopften Tieren lebt. "Ich bemühe mich also, meinen Roman freizulassen, damit ich das alles auch genießen kann. Für eine Teamarbeit wie beim Film tauge ich ohnehin nicht besonders."·

Audrey Niffenegger: Die Frau des ZeitreisendenS. Fischer Verlag 2004ISBN: 3-10-052403-9, Preis: 19,90 Euro

Das Buch
Sie leben in Chicago, sie hören am liebsten Punk, und sie sind auf den ersten Blick ein ganz normales Liebespaar: Henry De Tamble und Clare Abshire. Er liebt sie, und sie liebt ihn. Und doch ist ihre Beziehung alles andere als gewöhnlich. Denn Henry ist ein Zeitreisender. Aufgrund eines genetischen Defektes fällt er immer wieder unfreiwillig aus der Zeit. "Es ist, als ob dein Leben auf einer Kassette aufgenommen ist", erklärt er an einer Stelle des Buches, "normalerweise läuft das Band von Anfang bis Ende. Aber bei mir hält das Band hin und wieder an, und dann wird vor- und zurückgespult." Nie reist er mehr als ein paar Jahrzehnte vor oder zurück, stets ist er nackt und muss sich erst orientieren. Kunstvoll hat Audrey Niffenegger das alte literarische Motiv der Zeitreise variiert und mit dem ewigen Thema Liebe verknüpft. "Das Interessante am Konzept des Zeitreisens ist für mich, dass man die Beziehung zwischen Clare und Henry fast kubistisch angehen kann. Man kann sie aus allen Blickwinkeln in verschiedenen Zeiten betrachten. Man kann beide Charaktere in allen Altersstufen erleben und sie zusammenbringen, also etwa eine sechsjährige Clare mit einem 36-jährigen Henry", sagt sie. Immer wieder tritt Henry als Zeitreisender in das Leben von Clare. Er trifft sie in allen Phasen ihres Lebens - als Kind, als Teenager, als Geliebte, als Mutter der gemeinsamen Tochter Alba und als alte Frau. Die glücklichen Augenblicke, in denen sich das Paar im hier und jetzt begegnet, sind dagegen rar. Dazwischen heißt es für die Frau des Zeitreisenden warten und um den geliebten Mann bangen. Aus den wechselnden Perspektiven ihrer beiden Protagonisten erzählt Audrey Niffenegger von einer großen Liebe, die permanent auf die Probe gestellt wird. "Ich wollte nicht, dass er sie absichtlich dauernd verlässt. Es sollte etwas Unfreiwilliges haben. Für mich ist das Zeitreisen eine Krankheit, daher hat es auch all die dramatischen Verwicklungen, die mit einer Krankheit einhergehen. Gleichzeitig ist das Zeitreisen eine Metapher dafür, wie Erinnerung funktionieren kann."

Audrey Niffenegger
Audrey Niffenegger, Jahrgang 1963, wuchs als älteste von drei Schwestern in einem Vorort von Chicago auf. Sie ist Professorin am Columbia College in Chicago, wo sie Schreiben, Buchdruck und -herstellung unterrichtet. Ihre visuellen Novellen, Bilder, Drucke und Fotografien wurden in der Printwork Gallery in Chicago ausgestellt. Derzeit arbeitet sie an ihrem zweiten Roman, der um Zwillinge kreist, die im Norden Londons in der Nähe des Highgate Cemetery leben.
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Frank Böhmert

Ungelesener Beitrag von Frank Böhmert »

Klingt recht interessant. Bei so einer Story steht und fällt für mich alles mit dem Stil und der Erzählhaltung. Bin mal gespannt, was darüber vielleicht demnächst hier noch zu lesen sein wird. (S. Fischer ist ja nicht so mein Verlag für literarische Entdeckungen; außer Keri Hulme mit "Unter dem Tagmond" fällt mir da nichts ein, das mich anhaltend beeindruckt hat.)

F.
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breitsameter
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Re: Die Frau des Zeitreisenden (Roman)

Ungelesener Beitrag von breitsameter »

Das Buch ist einer meiner absoluten Lieblingsromane geworden, aber die Verfilmung scheint man gehörig versemmelt zu haben:
http://www.sf-fan.de/aktuelle-meldungen ... filmt.html
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Re: Die Frau des Zeitreisenden (Roman)

Ungelesener Beitrag von achimh »

breitsameter hat geschrieben:Das Buch ist einer meiner absoluten Lieblingsromane geworden, aber die Verfilmung scheint man gehörig versemmelt zu haben:
Das Buch steht auch bei mir sehr weit oben in den Top Ten, aber im Zweifel lieber keinen Film, als eine weitere enttäuschende Literaturverfilmung, da gibt es bereits genug.
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Kringel
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Re: Die Frau des Zeitreisenden (Roman)

Ungelesener Beitrag von Kringel »

Hm, vielleicht funktioniert die Geschichte doch besser zwischen zwei Buchdeckeln als auf der Leinwand? Könnte mir vorstellen, dass aus dem Stoff ganz schnell eine unerträgliche Liebes-Schmonzette werden kann...
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andy
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Re: Die Frau des Zeitreisenden (Roman)

Ungelesener Beitrag von andy »

jetzt habe ich, angeregt durch so viel positive besprechungen, auch zugeschlagen. und wg. unserer diskussion "englische texte ja oder nein", habe ich mir "die frau des zeitreisenden" im original gekauft.

ich bin gespannt und freu mich schon!

andy
deval
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Re: Die Frau des Zeitreisenden (Roman)

Ungelesener Beitrag von deval »

Eine sehr schöne Geschichte, aber auch mit einigen Längen.
Das Ende war so rührselig, dass ich mir das ein oder andere Tränchen wegdrücken mußte.
Wenn die beiden sich ganz am Ende noch einmal wiedersehen, obwohl er schon lange tot ist und sie schon uralt - doch, das hat was sehr schönes.
"Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg."
Psalm 119, 105


www.fantasybuch.de
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Re: Die Frau des Zeitreisenden (Roman)

Ungelesener Beitrag von heino »

Und kaum läuft der Film in den Kinos, folgt auch gleich die TV-Serie. Was das wohl werden wird? Ich tippe mal auf eine Quantum Leap-Variante:

http://www.aintitcool.com/node/42083
Lese zur Zeit:

Larry Correia - Club der toten Monster
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achimh
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Re: Die Frau des Zeitreisenden (Roman)

Ungelesener Beitrag von achimh »

heino hat geschrieben:Und kaum läuft der Film in den Kinos, folgt auch gleich die TV-Serie. Was das wohl werden wird?
Das wird wohl garnix werden, armes Buch, arme [ :kopfkratz: ] Audrey Niffenegger.
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Uschi Zietsch
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Re: Die Frau des Zeitreisenden (Roman)

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Ich habe jetzt ungefähr die Hälfte des Romans und würde gern zum Ende kommen. Die Idee ist sehr originell, andererseits ist mir der Roman jetzt viel zu lang und zu Frauenromanmäßig. Ich mag Liebesgeschichten schon und will sie auch in einer Geschichte haben, aber die hier ist mir ein bisschen zu sehr im Vordergrund und dehnt sich zu lang um Belanglosigkeiten, vor allem, da Clare sowieso alles weiß. Die Zeitreisen variieren, aber das langweilt mich jetzt schon, weil es eben doch immer nur dasselbe ist, und die Familienszenen, auch gemeinsames Essen mit Freunden, bringt mich irgendwie nicht so recht weiter. deval hat den Schluss zwar schon verraten, aber dass Henry Clare nicht überlebt, ist bereits jetzt klar ausgesagt (na, eigentlich schon seit dem Einstieg, den ich jetzt nochmal lesen musste, um einiges zu kapieren und Zusammenhänge herzustellen) und läuft doch im Grunde plotmäßig sowieso darauf hinaus, man erwartet schon nichts anderes. Dürfte also ziemlich rührselig werden, nehme ich an.
Den Charakter "Gomez" finde ich sehr irritierend.

Die Erzählart an sich finde ich klasse und dynamisch, abwechselnd Henry und Clare hautnah im Präsens. Normalerweise mag ich kein Präsens, aber hier passt es.
Den Film werde ich mir ganz sicher nicht ansehen, denn ich kann mir vorstellen, wie das abläuft. Serie wundert mich gar nicht, jede Zeitreise bietet ja eine Episode für sich, das kann man leicht machen, gab es eh schon.
EIne schöne Zeitreisegeschichte ist übrigens "Das Haus am See" (hoffentlich weiß ich den Titel noch richtig). Ein Liebesfilm, aber schööön romantisch. So mag ich das.

Womit ich ein bisschen Probleme habe, dass Henry 50 Jahre plus/minus reisen kann, also über seine Lebenszeit hinaus. Wieso geht das? Und wieso geht das dann nicht weiter hinaus?
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Re: Die Frau des Zeitreisenden (Roman)

Ungelesener Beitrag von breitsameter »

Uschi Zietsch hat geschrieben:Ich habe jetzt ungefähr die Hälfte des Romans und würde gern zum Ende kommen. Die Idee ist sehr originell, andererseits ist mir der Roman jetzt viel zu lang und zu Frauenromanmäßig.
Das ist irgendwie lustig: Dir ist der Roman zu »Frauenromanmäßig« – ich hingegen war davon begeistert.
Uschi Zietsch hat geschrieben:Die Zeitreisen variieren, aber das langweilt mich jetzt schon, weil es eben doch immer nur dasselbe ist, und die Familienszenen, auch gemeinsames Essen mit Freunden, bringt mich irgendwie nicht so recht weiter.
Das hat mir wiederum auch sehr gut gefallen. Die Figur ist durch ihr Umfeld einerseits in einer Zeit verwurzelt, andererseits aber völlig entwurzelt. Und gerade die Beschreibung des »normalen« Lebens läßt das glaubwürig werden. Die Figur lebt! (Das ist auch ein Gegensatz zum typischen SF-Romanen: dort agieren die Figuren meist, sie leben aber kaum jemals.)
Uschi Zietsch hat geschrieben:Womit ich ein bisschen Probleme habe, dass Henry 50 Jahre plus/minus reisen kann, also über seine Lebenszeit hinaus. Wieso geht das? Und wieso geht das dann nicht weiter hinaus?
Ich denke, er reist meist nur an Orte und Zeiten, mit denen er irgendwie gefühlsmäßig verbunden ist. Und sei es nur deshalb, weil dort seine Mutter, seine Frau oder seine Tochter sind.
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Re: Die Frau des Zeitreisenden (Roman)

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

breitsameter hat geschrieben:Das ist irgendwie lustig: Dir ist der Roman zu »Frauenromanmäßig« – ich hingegen war davon begeistert.
Ja, das ist witzig. Vielleicht ändert sich ja mein Eindruck auch noch, zwischendurch kam es mir halt so vor, vor allem dieses Freundeessen mit Charisse und Gomez. Dass Clare hartnäckig ignoriert, dass Gomez rettungslos in sie verliebt ist, dass wiederum Charisse es mitmacht, von Gomez geheiratet zu werden, nur damit er in Clares Nähe ist: Er ist ein Konfliktpunkt, der aber bisher nicht weiter zum Tragen kommt. Wenn das so bleibt, fehlt mir was, weswegen gerade die Nebenfiguren Charisse und Gomez für mich nicht weiter von Belang sind. Ben ist da schon interessanter, aber der tritt ja kaum auf.
Das hat mir wiederum auch sehr gut gefallen. Die Figur ist durch ihr Umfeld einerseits in einer Zeit verwurzelt, andererseits aber völlig entwurzelt. Und gerade die Beschreibung des »normalen« Lebens läßt das glaubwürig werden. Die Figur lebt! (Das ist auch ein Gegensatz zum typischen SF-Romanen: dort agieren die Figuren meist, sie leben aber kaum jemals.)
Das ist richtig. Wobei ich mir sicher bin, dass die Autorin ihren Roman nicht als SF-Roman sieht. Sie hat einer Liebesgeschichte ein originelles Element zugefügt, nach dem Motto, "was wäre wenn". Ich sehe es auch nicht als SF-Roman, trotz des Elementes. Henrys Ver- und Entwurzelung ist die Kernpunkt der Geschichte, und es ist erstaunlich, wie "normal" er dabei geblieben ist. Also abgesehen von leidlichen Alk-Exzessen und wildem Vögeln in seinen frühen Zwanzigern ist er ein eher stiller Mann, der sich am liebsten in Büchern vergräbt.
Vielleicht habe ich deswegen Probleme mit der sozialen Interaktion, weil es mir zu amerikanisch ist; ich hab das schon so oft gelesen und gesehen und kenne es so gut, als wäre ich schon selbst dabei gewesen. Da bietet sich für mich keine Überraschung oder Spannung, weil ich das Verhalten der Personen schon kenne. Speziell bei Clares Familie mit den typisch puritanischen Eltern ist das so. Es ist alles sehr normal, wie es jeder von uns erlebt, und sie sind alle sehr nett zueinander, immer. Die Story ist geradlinig und ganz so, wie ich das Amerika der Literatur, Kino, TV und Urlaubsreise kenne.
Hm, ich weiß nicht, ob ich das richtig auf den Punkt bringe. Wie gesagt, es gefällt mir ja, aber es ist mir zu lang. Jetzt sind die beiden also verheiratet, dass das hinhaut, wusste ich schon vorher - also warte ich jetzt nur noch auf den Spannungsmoment von Henrys Tod, wie das passiert. Mit ganz vielen Seiten dazwischen, wo ich mich frage, wie die Autorin mich bei der Stange halten will, ohne dass ich vorblättere ... :beanie: aber ich bin brav und äußere mich weiter dazu.
Ich denke, er reist meist nur an Orte und Zeiten, mit denen er irgendwie gefühlsmäßig verbunden ist. Und sei es nur deshalb, weil dort seine Mutter, seine Frau oder seine Tochter sind.
Ja, darauf bin ich heute früh auch gekommen, als ich beim Frühstück mit meinem Mann darüber sprach :D Seine Zeitreisen passieren ja nur in seiner unmittelbaren Umgebung, in seinem Ambiente. Dann passt das schon.
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Re: Die Frau des Zeitreisenden (Roman)

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

So, nun bin ich fertig - gottseidank, muss ich sagen.
Nach den Schwierigkeiten, die ich mit der ersten Hälfte hatte, wurde ich in der zweiten umso mehr mitgerissen. Die Idee und Erzählweise kann man nur grandios nennen, das ist mal wirklich was ganz anderes. Hut ab vor der Autorin, die alle Fährnisse umschifft hat und offene Fragen Zug um Zug klärt. Ein ganz herausragendes Buch.

Achtung, jetzt folgen Spoiler, die setze ich aber in keinen Space.

Aber mein Manko: Ich bin jetzt dermaßen deprimiert und runtergezogen, dass ich das Buch nie, nie wieder in die Hand nehmen werden. Diese Geschichte ist mir einfach zu traurig und zu tragisch, da gibt es ja gar nichts Positives. Bittersüß ja - so wie bei Benjamin Button etwa. Und klar, die Autorin hat "Kill your Darlings" bis zum Exzess betrieben; was Henry alles mitmachen musste, reicht sowieso schon für mehr als ein Leben.
Aber warum musste es so enden? Das Paar hat nur so wenige Jahre miteinander, und in diesen schwinden sie beide zusehends dahin, und nach Henrys Tod erfahren wir leider nichts mehr von Alba, wissen aber, dass Clare tatsächlich 45 Jahre damit verbracht hat, auf Henry zu warten. Sie hatte kein Leben mehr, und das erschüttert mich zutiefst. Wozu, wenn sie am Ende als alte Frau nur ihren jungen Mann für eine Stunde oder zwei umarmen kann? Und noch einmal: Was ist mit Alba?
Möglicherweise wollte die Autorin mit Alba etwas Positives in diese tragische Geschichte bringen, aber zum einen war es schon äußerst unverantwortlich von den beiden, überhaupt ein Kind zu wollen (es hätte ja schließlich genauso wie bei den Mäusen sein können, oder?), vor allem nach dem, was Henry durchmachen musste, und zum zweiten erfahren wir nichts mehr von ihr ab 2011, wo sie 11 oder 12 Jahre alt ist.
Dass Henry nicht loslassen konnte, war klar, aber Clare hat gar nicht erst die Chance dazu bekommen, loszulassen. Dass sie das Zusammenleben mit Henry auf sich genommen hat, ist absolut verständlich. Aber danach gab es keinen Neuanfang mehr für sie, sie war genauso tot und leer wie Henrys Vater. So was finde ich einfach nur furchtbar. Ob da nun viele Gummistiefel im Flur stehen oder nicht, das war mir zu wenig. Ich kann nicht sehen, dass Clare jemals noch ein bisschen Freude in ihrem Leben hatte. Das mag ich aber nicht in einem Buch, das hab ich im Real Life genug.
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