Klima-Katastrophe - seit den 80ern kein Thema mehr?!

Science Fiction in Buchform
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breitsameter
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Klima-Katastrophe - seit den 80ern kein Thema mehr?!

Ungelesener Beitrag von breitsameter »

Ich muß etwas ausholen - ich habe mal wieder darüber nachgedacht, welche Themen die SF heutzutage aufgreift und tatsächlich scheint es so zu sein, als ob vor allem die Informationstechnologien und die Biotechnologien das größte Interesse bei den SF-Autoren zu finden scheinen (wenn denn überhaupt wissenschaftliche Themen aufgegriffen werden).
Völlig uninteressant scheinen dagegen Themen wie der Klima-Wandel zu sein. Und damit meine ich nicht den immer wieder vorherrschenden Blade-Runner-Regen in manchen Romanen, denn der dient nur als Kulisse. Aber mal ehrlich, wurden in den letzten zehn, 15 Jahren Romane geschrieben, in denen ein zukünftiger Klima-Wandel thematisiert wurde? Mir fallen zwei, drei deutsche Beispiele ein, in denen vor allem Überschwemmungen der norddeutschen Ebene eine Rolle spielen, oder Romane in denen das ganz am Rande mal erwähnt wurde (meist um irgendwelche abgekapselten Stadtkolosse zu beschreiben - wie bei Hamiltons Armageddon-Trilogie.).

Ein einziges Beispiel ist zugleich ein Negativbeispiel: »Gefallene Engel« von Larry Niven, Jerry Pournelle, Michael Flynn. Der Roman für alle Bush-Anhänger, für die Umweltschutz ein böses Unwort ist. :-?
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Rusch
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Re: Klima-Katastrophe - seit den 80ern kein Thema mehr?!

Ungelesener Beitrag von Rusch »

Ich denke mal, das Thema ist unbequem und außerdem in aller Munde. Was will ein SF Autor noch dazu schreiben? Die SF hat zu diesem Thema schon alles gesagt, was es zu sagen gibt und zwar schon vor Jahrezehnten.
heino
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Re: Klima-Katastrophe - seit den 80ern kein Thema mehr?!

Ungelesener Beitrag von heino »

Rusch hat geschrieben:Ich denke mal, das Thema ist unbequem und außerdem in aller Munde. Was will ein SF Autor noch dazu schreiben? Die SF hat zu diesem Thema schon alles gesagt, was es zu sagen gibt und zwar schon vor Jahrezehnten.
Da muss ich dir zustimmen. Allein John Brunner hat das Themengebiet schon so dermassen gründlich beackert, dass da kaum noch Platz für andere Autoren bleibt.
Lese zur Zeit:

Larry Correia - Club der toten Monster
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breitsameter
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Re: Klima-Katastrophe - seit den 80ern kein Thema mehr?!

Ungelesener Beitrag von breitsameter »

Rusch hat geschrieben:Ich denke mal, das Thema ist unbequem und außerdem in aller Munde. Was will ein SF Autor noch dazu schreiben? Die SF hat zu diesem Thema schon alles gesagt, was es zu sagen gibt und zwar schon vor Jahrezehnten.
Und deshalb wird es ignoriert? Der drohende Klima-Wandel, der bislang nicht abgwandt ist, ist derzeit nicht einmal als Hintergrundszenario noch zu finden. Hat sich hier die SF nicht schlicht und ergreifend von einem unbequemen Thema abgewandt? »Go - Die Ökodiktatur« von Dirk C. Fleck hat 1994 noch in Leipzig eine Auszeichnung erhalten. Hat kein SF-Autor heutzutage mehr neues zu diesem Thema zu sagen?
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Torsten
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Re: Klima-Katastrophe - seit den 80ern kein Thema mehr?!

Ungelesener Beitrag von Torsten »

Grundsätzlich stimme ich Deiner Beobachtung zu. Erwähnen möchte ich aber, dass zumindest Stephen Baxter ein Autor ist, den der "Klima-Wandel" durchaus beschäftigt und in seinen Romanen "Der Orden" und insbesondere in "Transzendenz" auch thematisiert. Wie sich hierzu "Flut" verhält, kann ich nicht sagen, da ich diesen Roman noch nicht gelesen habe.

Auch ein relativ aktuelles Beispiel, in dem der Klimawandel zu großen Umwälzungen geführt hat, ist Wolfgang Jeschkes "Das Cusanus-Spiel".

In der vorletzten Ausgabe des Science Fiction Jahres gibt es einen umfangreichen Beitrag zum Thema Klimawandel (Uwe Neuhold: Klimawandel: Science oder Fiction? Betrachtungen zu einem kontroversen Thema).
Würde gerne lesen: Einen neuen Roman von Caroline Janice Cherryh
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Re: Klima-Katastrophe - seit den 80ern kein Thema mehr?!

Ungelesener Beitrag von L.N. Muhr »

breitsameter hat geschrieben:
Rusch hat geschrieben:Ich denke mal, das Thema ist unbequem und außerdem in aller Munde. Was will ein SF Autor noch dazu schreiben? Die SF hat zu diesem Thema schon alles gesagt, was es zu sagen gibt und zwar schon vor Jahrezehnten.
Und deshalb wird es ignoriert? Der drohende Klima-Wandel, der bislang nicht abgwandt ist, ist derzeit nicht einmal als Hintergrundszenario noch zu finden. Hat sich hier die SF nicht schlicht und ergreifend von einem unbequemen Thema abgewandt? »Go - Die Ökodiktatur« von Dirk C. Fleck hat 1994 noch in Leipzig eine Auszeichnung erhalten. Hat kein SF-Autor heutzutage mehr neues zu diesem Thema zu sagen?
Immerhin spielt das auch in Flecks neuem Buch eine Rolle:

http://www.tahiti-projekt.org/sites/01_buch.html

Darüber hinaus hast du allerdings recht. Allgemein scheint mir SF, was gesellschaftliche Relevanzen (?) angeht, eskapistischer geworden zu sein. Ist das Aufgreifen und Ausloten moderner Technologien nicht eigentlich ein Rückfall in alte Radiobastler-Tage, nur mit oft verfeinerten literarischen Mitteln?
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Bungle
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Re: Klima-Katastrophe - seit den 80ern kein Thema mehr?!

Ungelesener Beitrag von Bungle »

Oder die englisch- und fremdsprachigen Romane, die den (katastrophalen) Klimawandel thematisieren, werden nicht mehr übersetzt. So wie es den Werken von Kim Stanley Robinson geht.
Aber es gibt allerdings nur vereinzelte Romane wie zuletzt Stephen Baxter "Die letzte Flut". So viel ich mich erinnere, handelt auch ein Roman von Bruce Sterling über den Klimawandel. Und es gibt einen Roman von Mary Rosenblum über den ausgetrockneten Mittelwesten. Und "Russischer Frühling" und noch ein Roman von Norman Spinrad.
John Brunner hat das Thema nicht erschöpfend beackert. Seine relevanten Bücher sind ja über 30 Jahre alt, da zeichneten sich die Umweltprobleme ab, aber noch nicht der Klimawandel.
In meinen Augen ist die SF allerdings eskapistischer geworden, man schaue sich nur die vielen Space Operas an.

MB
Torsten
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Re: Klima-Katastrophe - seit den 80ern kein Thema mehr?!

Ungelesener Beitrag von Torsten »

Bungle hat geschrieben:So viel ich mich erinnere, handelt auch ein Roman von Bruce Sterling über den Klimawandel. Und es gibt einen Roman von Mary Rosenblum über den ausgetrockneten Mittelwesten.
Hier dürfte es sich um "Schwere Wetter" (1994) und "Die verstummten Quellen" (1993) handeln.

Uwe Neuhold führt in seinem Kapitel "Klimawandel in der Science Fiction" aus oben erwähntem Jahrbuch 2008 noch folgende Romane seit den 80er Jahren auf:

- "Zeitschaft" von Gregory Benford (1980): Sauerstoffübersättigung der Meere führt zu Hungersnöten sowie Bürgerkriegen und Massensterben
- "Erde" von David Brin (1990): globaler Treibhauseffekt führt zum Abschmelzen der Eiskappen
- "Ein Freund der Erde" von T.C. Boyle: globaler Treibhauseffekt
- "Welt in Angst" von Michael Crichton: globale Erwärmung

Mir fällt noch "Die Mütter aller Stürme" von John Barnes (1994) ein: Spontaner Methananstieg in der Atmosphäre führt zur Erwärmung der Weltmeere.
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deval
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Re: Klima-Katastrophe - seit den 80ern kein Thema mehr?!

Ungelesener Beitrag von deval »

In der besten Zeit von John Brunner war die Klima Katastrophe noch SF, da konnte man gut drüber schreiben.

Heute ist sie eine Tatsache und somit keine SF mehr.
Das Thema wird jetzt im sogenannten Öko-Thriller Bereich behandelt. Zum Beispiel in Michael Crichtons Buch Welt in Angst
oder im schon erwähnten Buch Das Tahiti-Projekt von Dirk Fleck. Hat sich alles verschoben.
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Olaf
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Re: Klima-Katastrophe - seit den 80ern kein Thema mehr?!

Ungelesener Beitrag von Olaf »

Mir fällt da spontan Spinrads Das tropische Millennium ein.
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Bungle
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Re: Klima-Katastrophe - seit den 80ern kein Thema mehr?!

Ungelesener Beitrag von Bungle »

Olaf hat geschrieben:Mir fällt da spontan Spinrads Das tropische Millennium ein.
Das ist der zweite Roman von Spinrad, dessen Titel mir entfallen ist.
Es gibt sicher noch mehr Ökoscience-Thriller im Grenzgebiet zur Science Fiction.
Auch ein guter Roman zum Thema Erderwärmung und ansteigender Meeresspiegel: "Sommer im Treibhaus" vom australischen Autor George Turner.

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Montag
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Re: Klima-Katastrophe - seit den 80ern kein Thema mehr?!

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Spinrads Buch geht allerdings sehr abstrakt mit dem Thema um. Ich hatte nicht das Gefühl, dass es so richtig um den Klimawandel ging. Ich hatte mir den Roman eigentlich genau deswegen gekauft, war dann aber ein bisschen enttäuscht, dass der Klimawandel quasi auch nur Kulisse ist.

P.S. ein tropisches Paris... eher unwahrscheinlich.
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upanishad
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Re: Klima-Katastrophe - seit den 80ern kein Thema mehr?!

Ungelesener Beitrag von upanishad »

breitsameter hat geschrieben:... oder Romane in denen das ganz am Rande mal erwähnt wurde (meist um irgendwelche abgekapselten Stadtkolosse zu beschreiben - wie bei Hamiltons Armageddon-Trilogie.).
Genau das war auch mein erster Geanke, was halbwegs aktuelle SF und Klimawandel betrifft.

Ansonsten scheint es gerade eine gute Zeit für klassische space-opera und eher Thriller-orientierter Literatur mit SF-Elementen zu sein, die den cyberpunk bereits integriert hat.
Man kann das eskapistisch nennen oder denken, das die SF zum Thema Umwelt alles gesagt hat?
Eine Ausnahme bilden da m.E. nur Nanoseuchen (Reynolds, Morgan). Das kann man als Umweltverschmutzung im weitesten Sinne bezeichnen, aber nicht wirklich als relevant hinsichtlich der Klimaerwärmung.
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Andreas Eschbach
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Re: Klima-Katastrophe - seit den 80ern kein Thema mehr?!

Ungelesener Beitrag von Andreas Eschbach »

Im Frühjahr 2009 erschien bei Lübbe "Aqua(TM)" von Jean-Marc Ligny, das in Frankreich ein großer Erfolg war, diverse Preise eingeheimst hat und so weiter. Dieser Roman schildert eine Zukunft im Schatten des Klimawandels, wie ich sie so radikal noch nirgends gelesen habe, und beunruhigenderweise fällt es auch schwer, Wesentliches daran als Übertreibung abzutun. Man könnte das Buch pitchen als wie "Ausgebrannt", nur mit dem Thema Wasser statt Erdöl – und wesentlich verstörender.

Ich hatte schon vor einiger Zeit den Gedanken, mal darauf hinweisen, weil ich den Eindruck hatte, dass das Buch von der SF-Szene überhaupt nicht bemerkt worden ist. Hätte ich vielleicht tun sollen. Für mich war es eines der "Bücher des Jahres" (und so viele "Bücher des Jahres" finde ich immer nicht; letztes Jahr z.B. gar keines, dieses Jahr immerhin schon 3.)

:respekt:
Ulrich
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Re: Klima-Katastrophe - seit den 80ern kein Thema mehr?!

Ungelesener Beitrag von Ulrich »

Andreas Eschbach hat geschrieben:Ich hatte schon vor einiger Zeit den Gedanken, mal darauf hinweisen, weil ich den Eindruck hatte, dass das Buch von der SF-Szene überhaupt nicht bemerkt worden ist.
Von mir schon :beanie:
http://forum.sf-fan.de/viewtopic.php?f= ... gny#p82374
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