Der "Liest zur Zeit" Thread

Science Fiction in Buchform
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Uschi Zietsch
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch » 15. August 2019 18:02

Mir war's zu teuer für die Challenge.
:bier:
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Teddy
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Teddy » Gestern 01:03

Lavie Tidhar - Osama

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Das Buch stand ziemlich lange bei mir im Regal. Kaum hatte ich es gekauft, hat Knochenmann es hier und in seinem Podcast verrissen. Da es aber auch positive Stimmen gab und der Roman immerhin den World Fantasy Award gewonnen hat, habe ich ihn nun trotzdem gelesen.
Ein Privatdetektiv aus Laos bekommt von einer geheimnisvollen Frau den Auftrag, einen Autor von Trivialliteratur ausfindig zu machen. Ausgestattet mit einer No-Limit-Kreditkarte macht er sich auf die Suche über Paris, London nach New York, allerdings in einer parallelen Welt, in der z.B. de Saint-Exupéry Präsident von Frankreich ist, die technologisch eher in den 1970er Jahren steht und in der Osama bin Laden unbekannt ist, außer als Romanheld in den Büchern des gesuchten Autors. In Verlauf der Suche trifft der Detektiv immer Häufiger auf Menschen, die offenbar nur er wahrnimmt. Er wird von Geheimdiensten verfolgt und mehrfach bedroht.
Das Buch ist bestimmt kein Pageturner. Was anfangs wie ein Film-Noir-Krimi klingt, wird durch zahlreiche traumlogische Sequenzen und den Einbruch unserer Welt in die Romanwelt zu einem phantastische Roman, dessen innerer Logik ich nicht immer folgen konnte. Auch beim Ende bin ich mir nicht sicher, ob es da vielleicht mehr zu verstehen gab, als mir klar wurde.
Das Buch hat ohne Zweifel starke Momente, aber eine uneingeschränkte Leseempfehlung spreche ich nicht aus.

Wrong
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Wrong » Gestern 11:12

Ich muss nach längerem Urlaub auch noch einiges nachtragen. Den Start macht Gregory Benford: Artefakt

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Der Roman beginnt mit Geschehnissen eines amerikanisch-griechischen Ausgrabungsprojekts auf der Peloponnes. In einem mykenischen Kuppelgrab findet die amerikanische Archäologin Claire ein rätselhaftes Artefakt in Form eines Kalksteinblocks, der unerklärliche Lichterscheinungen erzeugen kann. Gleichzeitig findet in Griechenland ein Militärputsch mit antiamerikanischem Hintergrund statt, der die weitere Untersuchung des Artefakts erschwert und die gemeinsame Arbeit schlägt in einem politischen und persönlichem Scharmützel um. Der Block wird kurzerhand nach Boston geschafft, wo die amerikanischen Wissenschaftler feststellen, dass es sich wohl um eine Singularität handeln muss. Dies ist die Grundlage für Bendfords Roman, der schon einige Jahr in einer versteckten Ecke meines Regals herumlungerte. Der Roman ist beileibe nicht schlecht, konnte dann letztendlich nicht überzeugen.
Zu nächst einmal muss man sich tagtäglich das wohl nicht so gelungene Cover des Buches anschauen. Die Protagonisten sind auch noch genauso gemalt, wie sie von Benford beschrieben werden. Das mag ich als Leser schon mal gar nicht. Aber was soll`s. Halb so wild. (George, der Wissenschaftler auf der linken Seite sieht dem ehemaligen Fußballspieler und jetzigen Trainer Bruno Labbadia unheimlich ähnlich ….?)

Den Roman habe ich genau zur richtigen Jahreszeit gelesen. Die erste Hälfte spielt fast ausschließlich im spätsommerlichen Griechenland und versprüht eine Atmosphäre, die einen an längst vergessene Campingurlaube in diesem schönen Land erinnert. Sicherlich auch eine Absicht des Autors. Würde mich nicht wundern, wenn er schon einmal einen Taucherurlaub in dieser Region verbracht hat. Der wissenschaftliche Aspekt bezüglich der Singularität kann ebenfalls überzeugen, ohne großes Fachwissen kann man die nachvollziehbaren Erklärungen des Autors verstehen. Da hat der Autor seine Stärken. Aber dann kommt seine andere Seite. Die Figuren sind dermaßen plakativ und aus heutiger Sicht teilweise lächerlich. Der böse omnipotente Soldat, der aggressiv seine Männlichkeit gegen die amerikanische Wissenschaftlerin presst. Die selbst in einer von Männern bestimmten Welt einfach nur einen starken Beschützer herbeisehnt. Der dann auch in persona von Bruno Labbadia urplötzlich in einem falschen Büro sitzt und die holde Maid einfach so nach Griechenland begleitet. Die darauf folgenden Action-Szenen haben dann auch noch Colt Seavers' Niveau und können ebenso wenig überzeugen wie das kitschige Ende.

Jetzt kann man natürlich sagen, dass die Thriller im Jahre 1985 so waren und Benford da keine Ausnahme ist. Das glaube ich sogar auch. Aber das im hier und jetzt zu lesen überzeugt nicht.
(Buch) gerade am lesen: Greg Egan - Quarantäne

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