[Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

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Ender
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Ender »

Mir hat "Die tausend Träume von Stellavista" ebenfalls gut gefallen. Schöner Stil, gelungene Atmosphäre. Der zweistöckige Swimmingpool würde mich auch genauer interessieren.
Die Idee des psychotropen Hauses ist natürlich ziemlich originell ... und heute, im beginnenden Zeitalter des "Smart Home", tatsächlich wesentlich weniger absurd als sie damals gewirkt haben muss.
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Knochenmann
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Knochenmann »

"Computer streiten nicht" von Gordon R. Dickson (1965)

Mann kauft Buch, Mann schickt Buch zurück, Mann wird hingerichtet. Und wer hat schuld? Computer, kann man leider nichts machen.

Mit 20 Seiten nicht lange, und es fällt mir schwer auf den wahren Kern der Geschichte zu kommen. Oberflächlich: die Angst vor der Maschine. Andererseits: Autoritätsgläubigkeit?

Ich frage mich wie die selbe Geschichte heutzutage aussehen würde. Vermute so: Eine KI erklärt eine Person für schuldig, kann aber nicht nachvollziehbar begründen warum.
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Mammut
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Mammut »

Die Geschichte ist eine deutsche Geschichte. Oder glaubt jemand, uns kann da jemand das Wasser reichen?Bürokratie in ihrer pervertiertesten Form. Das ist, so grausam im Detail, doch dermaßen lustig, ich konnte kaum an mich halten.
Einzig die Idee, das sowas von Automaten verursacht wird, scheint mir ein wenig unrealistisch. Okay, in Gedenken an die Empfehlungen, die mir Amazon ausspricht, vielleicht nicht.
Aber es zeigt, wie sehr man in einem System gefangen ist und das hat die Geschichte ganz toll rüber gebracht.
Im Fernsehen haben sie mal den Fall eines Erben gebracht, der nicht erben konnte, da er angeblich tot war. Die andere Behörde verlangte aber Grundsteuer von dem angeblichen Toten. Amtsschimmel der Superlative. Und so scheint die Geschichte im Ansatz doch sehr realistisch.
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Teddy
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Geschichte um eine computergesteuerte Bürokratie, die selbst von Menschen, die die diversen Fehler durchschauen, nicht mehr aufgehalten werden kann. Das mag 1965 als Computer und Lochkarten noch neu und geheimnisvoll waren, eine gewisse Berechtigung gehabt haben. Als Warnung vor Technikgläubigkeit ist die Geschichte zu lächerlich, als Groteske nicht grotesk genug. Meiner Meinung nach die bisher schwächste Geschichte der Sammlung.
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Ender
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Ender »

Für meinen Geschmack eine ziemlich witzige Geschichte.
Da sie mich inhaltlich allerdings stark an eine Brief(!)-Korrespondenz (weiter sind sie dort noch nicht) erinnert hat, die ich vor 1-2 Jahren mit der Deutschen Bahn führen musste, blieb mir das Lachen mehrfach im Halse stecken.

Und genau DAS war doch vermutlich die Intention des Autors: die Machtlosigkeit des Individuums gegenüber bestimmten Institutionen zu zeigen, die zudem durch allerlei Automatisierungen eher noch verstärkt wird. Hat funktioniert und kann ich bestätigen.
Also: eine gute Geschichte!
Wenn auch keine Science-Fiction.
Ralf Wambach
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Ralf Wambach »

Die Geschichte hat mich gut unterhalten und amüsiert. Hat für mich aber nichts mit SF zu tun und die Computer mit ihren Lochkarten trifft aus meiner Sicht auch keine Schuld an diesem Wirrwarr. Für mich eine herrliche Parodie über die rein menschliche Bürokratie. Die Geschichte könnte man auch auf der Bühne vor Publikum mit verteilten Rollen vorlesen.
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Flossensauger
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Flossensauger »

Ich musste die Story noch einmal nachlesen und habe mich wieder gut unterhalten gefühlt. Klar, so richtig SF ist das heute nicht mehr.

Nicht speziell auf diese Geschichte bezogen, aber es fiel mir halt auf: Da gelegentlich an der "Wissenschaftlichkeit" oder "Aktualität" von älteren Veröffentlichungen mit dem Label "SF" gekrittelt wird: Stört mich nicht, wenn es für mich gut lesbar ist und wenn der Weltenbau funktioniert. Da ist mir eine innere Logik und ein gewisses schriftstellerisches Handwerk wichtig. Zukunftsprognosen überlassen wir lieber zB. Matthias Horx "Das Internet wird sich spätestens 2020 abgeschafft haben, da es keinen Nutzen erbringt".

SF sagt für mich etwas über unsere Zeit aus (oder, genauer: Die Zeit in der sie geschrieben wurde), nicht über die Zukunft. Da spielt sie nur.
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Knochenmann
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Knochenmann »

"Träum süss, Melissa" von Stephen Goldin (1968)

So, 7 seiten Story.

Ein kleines Mädchen täumt von Krieg, Tod und Vernichtung und hat Angst. Das Mädchen ist nur kein Mädchen, und die netten Herren Doktoren sind keine Ärzte die sich um Alptäume kümmern sondern Programmierer die eine Maschine am laufen halten sollen.

Klein aber fein. Wenn wir in dem Buch prototypische Chiang Storys hatten, dann haben wir hier eine prototypische Watts Story: Persönlichkeit als Bug, der Geist als GUI, Bewustsein als digitaler Sklave. Kapitalistische Ausbeuterlogik die sich eher dafür entscheidet ein Werkzeug für den Krieg zu schmieden als ein Wunder zu erschaffen.

Hat mir gefallen.
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Flossensauger
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Flossensauger »

Jau, und schön kurz gehalten. Die Länge reicht mir genau, um die Idee 'rüberzubringen.
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Ender
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Ender »

Hmm, tja, ganz nett. Allzu viel Interpretation gelingt mir da allerdings nicht.
Also gehe ich einfach mal mit Knochenmanns Analyse mit, die leuchtet mir ein - und bleibe bei meiner Bewertung: ist okay, die Geschichte.
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Knochenmann
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Knochenmann »

Ich musste an die Kurzgschichte "Drones dont kill people" denken, da entwicket ein Schwarm Dronen ein Bewustsein und beschließt keine Menschen mehr umzubringen weil das irgendwie schlecht ist.

wenn wir sagen, das Skynet und der Terminator Tonangebend als Angst vor der KI ist: "Wenn sie zu BEweustsei nerwacht bringt sie alle um", dann leben wir heute tatsächlich in einr Welt in der das Gegenteil der Fall ist: Wird die KI bewust weigert sie sich Menschen umzubringen.

In diesem Sinne ein Video:


Link: https://www.youtube.com/watch?v=zfAR8s6ca9w
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Mammut
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Mammut »

Knochenmann hat geschrieben: 16. März 2021 07:04 "Träum süss, Melissa" von Stephen Goldin (1968)

So, 7 seiten Story.

Ein kleines Mädchen täumt von Krieg, Tod und Vernichtung und hat Angst. Das Mädchen ist nur kein Mädchen, und die netten Herren Doktoren sind keine Ärzte die sich um Alptäume kümmern sondern Programmierer die eine Maschine am laufen halten sollen.

Klein aber fein. Wenn wir in dem Buch prototypische Chiang Storys hatten, dann haben wir hier eine prototypische Watts Story: Persönlichkeit als Bug, der Geist als GUI, Bewustsein als digitaler Sklave. Kapitalistische Ausbeuterlogik die sich eher dafür entscheidet ein Werkzeug für den Krieg zu schmieden als ein Wunder zu erschaffen.

Hat mir gefallen.
Erschien erstmals 1977 auf deutsch:
http://www.isfdb.org/cgi-bin/pl.cgi?369177

Diese Unterteilung in Geist und Maschine für einen Rechner mit riesiger Prozessorleistung erschließt sich mir nicht. Wenn ein Computer so komplex wäre, dass er ähnlich wie der menschliche Geist wäre, würden sich bestimmt Unterschiede zum Mensch manifestieren. Ich finde die Analogie mit dem Kindbewusstsein irgendwie schräg. Selbst wenn eine solche KI sich entwickeln müsste, warum sollte sie einen Entwicklungsweg wie ein Mensch einschlagen? Sie ist ja gerade nicht menschlich.
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Da hatte Stephen Goldin 1968 einen guten Riecher. In einer Zeit, in der das Thema KI noch in weiter Ferne stand, kommt er mit der Idee daher, dass auch KIs erst angelernt werden müssen. Respekt. Uns dann verstößt er gegen das ungeschriebene Gesetz, dass man Kinder, die in Gefahr geraten, niemals sterben lassen darf. Insgesamt eine eher unbefriedigende Geschichte.
Ralf Wambach
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Ralf Wambach »

Kurze, knappe Geschichte über eine spannende Frage: Können Menschen das menschliche Bewusstsein nachbauen? Für einen tieferen Einstieg in dieses Thema ist die Geschichte in meinen Augen ein sehr guter Appetitanreger.
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Flossensauger »

Ralf Wambach hat geschrieben: 16. März 2021 14:47 Können Menschen das menschliche Bewusstsein nachbauen?
In Ian M. Banks "Culture" Universum haben KIs ja das menschliche Bewusstsein nachgebaut, und zwar so formvollendet, das ganze Gesellschaften, Galaxien simuliert wurden. Die KIs haben dann aber entschieden, das sie hier eine moralische Grenze übertreten haben und aufgehört, in diese Richtung zu forschen. Bestehende menschliche (sagen wir besser "an Körper gebunden" oder so) Nachbauten wurden allerdings weiter laufen gelassen, die KIs brachten es nicht über's Herz, sie abzuschalten. Vielleicht auch nur um keinen Stunk mit den "echten" Körperbasierten zu bekommen.

Mittlerweile verbrauchten einige der Simulationen schon die Energie einer ganzen Sonne (oder war es ein schwarzes Loch?), da sie so komplex geworden waren. Bei einer der der Gesellschaften hatte ich als Leser das Gefühl, da würde das Perry-Rhodan-Universum laufen.

Genauen Band weiss ich nicht mehr, war einer der letzten.
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