‚Neverness‘ – David Zindell (1988) - Cordwainer Smith meets Jack Vance meets Max Tegmark

Das Forum für Science-Fiction-Leseempfehlungen! Stell Deinen Buchtip kurz vor und diskutiere mit anderen SF-Lesern darüber!
head_in_the_clouds
Fan
Fan
Beiträge: 63
Registriert: 9. Dezember 2023 10:25
Land: Deutschland
Liest zur Zeit: Ursula K. LeGuin - Das zehnte Jahr

‚Neverness‘ – David Zindell (1988) - Cordwainer Smith meets Jack Vance meets Max Tegmark

Ungelesener Beitrag von head_in_the_clouds »

Neverness pict.png
„In einem Kosmos von immenser evolutionärer Vielfalt und Komplexität macht sich Mallory Ringess, eigensinniger Novize des Ordens der Piloten, auf, in die Festkörper-Wesenheit einzudringen und das Geheimnis der Unsterblichkeit aufzuspüren.“


Na, alles klar? Eine moderne Space Opera mit einer gehörigen Portion philosophischer Sf erwarten den Leser bei Zindell’s Mammutepos ‚Neverness‘ – auf dem Cover allerdings zu Unrecht mit Herbert’s Dune verglichen.

Beide Autoren haben zwar den vordergründigen Aspekt des spirituell angehauchten Hauptcharakters der Handlung im Fokus, aber Zindell’s Universum ist wesentlich reichhaltiger, sein Protagonist Mallory Ringess ist kein messianischer Übermensch wie Paul Atreides, der letztendlich an seiner Gottgleichheit scheitert , sondern hat außerordentliche Fehler und Schwächen, aber auch Mut, dem Establishment der Pilotengilde und den Feinden des Imperiums entgegenzutreten – auch wenn er und seine Freunde dafür einen hohen Preis zahlen.

Sein Erwachsen werden steht konsequenterweise im Zentrum der Erzählung und er spielt, wie wir uns vorstellen können, eine zentrale Rolle in einem in Erstarrung verharrenden kleinen galaktischen Imperium das vor einem Umbruch steht, Dessen Mittelpunkt ist die 'ewige' Stadt Neverness , ähnlich wie Trantor in Asimov's Foundation - wenn ein Paradigmenwechsel der Welt von Ringess stattfinden muss, dann hier.

Als Raumfahrer im Orden der Mystischen Mathematiker und anderen Suchern der Unaussprechlichen Flamme – deren Kontrolle über den interstellaren Transport Neverness zum effektiven Zentrum des Imperiums macht – begibt sich Ringess schließlich auf seine Odyssee zu den Älteren Eddas, die wichtige Botschaften über die Realität enthalten; er begegnet einem Wesen, dessen Gehirn aus mondgroßen Ganglien besteht; er verrät sich selbst, erlangt Erkenntnis und rettet sich; er dringt schließlich, so scheint es, in die äonentiefen Geheimnisse der Natur der Dinge ein.

Es ist SF-Planetenromantik im Stil von Cordwainer Smith’s 'Instrumentalität' , Jack Vance's ‚Dying Earth‘ Erzählungen und einem Hauch Kosmologie eines Olaf Stapledon. Piloten sind mystische Mathematiker , deren praktische Anwendung eine Art höherer transzendenter Mathematik es ihnen erlaubt, Raumschiffe durch den Überraum zu navigieren (Cordwainer Smith hat eine ähnliche spirituelle Form der Steuerung wenn er seine Go-Kapitäne durch deren geistige Enhancements – und Katzen(!) - dazu befähigt ).

Der Mathematiker und Physiker Max Tegmark hätte seine Freude daran: Mathematik ist so keine menschliche Erfindung in der Welt von Ringess , sondern eher eine Entdeckung, welche Objekten der darüberliegenden Ebene, die wir als Realität wahrnehmen , zu Grunde liegt. Noch weiter zurückgreifend , entfaltet sich womöglich Zindell's Neverness-Realität im Sinne Platon's Philosophie der sogenannten Ideen oder Formen - also das wahre Wirklichkeit aus unveränderlichen, vollkommenen Ideen besteht - sinnliche Dinge sind so nur Abbilder. Womit uns die Portion philosophischer Sf verabreicht wird.

Isfdb Referenz

David Zindell https://www.isfdb.org/cgi-bin/ea.cgi?355

Neverness -(orig. 1988) https://www.isfdb.org/cgi-bin/pl.cgi?23681
Neverness - (deutsch 1991) https://www.isfdb.org/cgi-bin/pl.cgi?646464
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Benutzeravatar
lapismont
SMOF
SMOF
Beiträge: 14915
Registriert: 17. Februar 2004 13:23
Land: Deutschland
Liest zur Zeit: Uschi Zietsch – Unerwartete Begegnungen
Queer*Welten 15
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: ‚Neverness‘ – David Zindell (1988) - Cordwainer Smith meets Jack Vance meets Max Tegmark

Ungelesener Beitrag von lapismont »

Mich hat der Roman damals sehr beeindruckt, erinnere mich heute aber nur noch grob an eine brutale Szene unter Steinzeitmenschen oder so.
Antworten