Peter F. Hamilton, "Exodus Archimedes Engine" Band 1
Verfasst: 20. Juli 2026 09:29
von Mervin Pumpkinhead
Auf der Seite von Phantastik News findet sich ein Hinweis auf den neuen Roman (in deutscher Übersetzung) von Peter F. Hamilton, "Exodus Archimedes Engine" Band 1.
https://www.phantastiknews.de/index.php ... ine-band-1
Klappentext:
Vor vierzigtausend Jahren baute die Menschheit eine Flotte von Archenschiffen und floh in einem Massenexodus von der sterbenden Erde. Diese Raumschiffe, die fast mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs waren, konnten innerhalb weniger Generationen riesige Strecken zurücklegen. Die Menschheit wollte nur eines: eine neue Heimat in den Sternen finden. Viele dieser Schiffe verschwanden in der Leere des Weltraums, aber die wenigen, die Glück hatten, entdeckten bewohnbare Welten im Centauri Cluster. Im Laufe der nächsten 25.000 Jahre blühten diese menschlichen Siedler auf und entwickelten Tausende von Kulturen und hochmodernen Zivilisationen. Diese Siedler sind als die Celestials bekannt. Aber auch heute noch treffen verschollene Archenschiffe mit Menschen aus dem dreiundzwanzigsten Jahrhundert im Cluster ein. Nach ihrer Ankunft werden den Passagieren dieser Schiffe geschützte Welten zugewiesen. Die Celestials sehen diese Menschen als primitiv an, als Relikte einer vergangenen Zeit, die im Schatten ihres eigenen Vermächtnisses leben. Sie haben keine Zukunft in dieser neuen Zeit.
Erster Band der neuen Reihe von Peter F. Hamilton. Exodus bildet die literarische Grundlage für das gleichnamige Computerspiel 'Exodus – Become the Traveller', das 2027 erscheint.
Peter F. Hamilton ist ein Weltenbaumeister, der die Space Opera wiederbelebt und zu neuen Höhen geführt hat. Seine Werke, wie der Amageddon-Zyklus und die Commonwealth-Saga, sind Klassiker der modernen Science Fiction und wurden millionenfach verkauft. Er ist mehrfacher New York Times Bestseller-Autor.
Das wäre mir glatt entgangen, zumal ich den Pahlberg Verlag im Zusammenhang mit SF nicht auf dem Schirm habe. Hab mir das E-Book gleich besorgt und freue mich schon.
Re: Peter F. Hamilton, "Exodus Archimedes Engine" Band 1
Verfasst: 20. Juli 2026 10:18
von Flossensauger
Das ist interessant: Der Pahlberg Verlag war mir bis eben komplett unbekannt. Die Umwälzungen in der Branche scheinen grösser zu sein als ich bisher annahm, wenn sowas -in meinen Augen- bekanntes nicht mehr bei den "Alten" erscheint.
Re: Peter F. Hamilton, "Exodus Archimedes Engine" Band 1
Verfasst: 20. Juli 2026 12:34
von Ender
Re: Peter F. Hamilton, "Exodus Archimedes Engine" Band 1
Verfasst: 20. Juli 2026 12:53
von Mervin Pumpkinhead
Na so was.

Aber das erklärt auch nicht, wie der Pahlberg Verlag plötzlich einen der SF Autoren der letzten Jahre ins Programm bekommen hat. Zusätzlich zu den Fortsetzungen der Reihe. Ist das nur ein Versuchsballon oder ein Versehen?

Re: Peter F. Hamilton, "Exodus Archimedes Engine" Band 1
Verfasst: 20. Juli 2026 13:03
von Pogopuschel
Ich hatte das Buch letztes Jahr auf Englisch gelesen und war begeistert. Ich vermute mal, dass das von dem Pahlberg-Verleger eine Liebhaberentscheidung war und er die Chance genutzt hat, einen seiner Lielingsautoren zu veröffentlichen. Ich hatte das Buch für einen größeren Verlag begutachtete, der nicht abgeneigt war, dann aber doch gezögert hatte, weil er zu dem Zeitpunkt schon andere SF-Titel eingekauft hatte und noch unklar war, wann das dazugehörige Computerspiel rauskommt.
Exodus: The Archimedes Engine von Peter F. Hamiton
Exodus ist eine episch angelegte, opulente, teils fast schon überbordende Space Opera in ferner Zukunft, die den Bogen von unserer relativ nahen Zukunft bis 40.000 Jahre weiter spannt. Wir erleben eine Menschheit, die sich in Teilen weit vom Menschsein entfernt hat (Stichwort Posthumanismus). Die sogenannten Celestials sehen kaum noch menschlich aus, denken auch nicht mehr so, können viele Jahrtausende alt werden und planen dementsprechend auch langfristig. Gleichzeitig gibt es aber noch Menschen, die uns ähnlich geblieben sind und auf Welten in den Imperien der Celestials leben, wo sie mehr Untertanen als Bürger sind und vor allem für die Nahrungsproduktion (Agrarwirtschaft) der „Overlords“ verantwortlich – wobei es ihnen auch nicht wirklich schlecht geht, nur mit der Freiheit ist das so eine Sache. Aber es gibt auch Mischformen zwischen Celestials und Menschen, wie unser Protagonist Finn und unzählige Mutationen und Weiterentwicklungen, die für ein bunt und vielseitig bevölkertes und sehr abwechslungsreiches Universum sorgen, ohne, dass es klassische Aliens benötigt.
Der Einstieg in den Roman gestaltet sich noch etwas sperrig, mit einer chronologischen Aufzählung der Ereignisse von der nahen Zukunft bis in die ferne, wo unsere Handlung beginnt. Und auch bei den Handlungssträngen um die Celestials wie Thyra oder die Queen Helena-Chione dauert es etwas, bis man sich zurechtfindet, da Hamilton sie bewusst abstrakter gestaltet hat, um deren Fremdartigkeit (aber nur bis zu einem gewissen Grad, denn sie fluchen wie wir) zu den Menschen herauszustellen. Doch diese Menschen geben uns einen Bezugspunkt. Vor allem der Ermittler Terence, der als Agent eines Celestials agiert, aber auch Ellie und der Uranic Finn, der ein wenig als Bindeglied zwischen Menschen und Celestials dient.
Faszinierend ist, wie Hamilton hier das Konzept der Zeitdilatation umsetzt. Ellies Generationenschiff ist vor 40.000 Jahren losgeflogen, war aber selbst nur 200 Jahre unterwegs, und kommt erst jetzt im Imperium der Celestials an, mit ihren Großvater Josia ist sogar ein Mensch dabei, der noch auf der alten Erde gewandelt ist. Sie begleiten wir als Leser bei der Erkundung dieser fremdartigen Zukunft, für deren Exposition Hamilton sich viel Zeit nimmt, die aber nie langweilig gerät.
Die Zeitdilatation ist aber auch spannend, wenn es um Reisen mit Sternenschiffen knapp unter der Lichtgeschwindigkeit geht, wenn Finn nach eigener Zeit nur ein paar Monate unterwegs ist, seine Zwillingsschwester aber um 30 Jahre altert. Hamilton setzt das Konzept konsequent um, auch Nachrichten können mehrere Jahre brauchen, bis sie ankommen und beantwortet werden. Dementsprechend langfristig sind die Planungen der Akteure.
Finn ist der typische Sprössling einer privilegierten Familie, der rebellisch wird und glaubt, das Richtige zu tun und macht dabei eine interessante Entwicklung durch.
Terence beginnt als Hard-Boiled-Detective, der zum Geheimagenten und schließlich Chef eines Spionagerings wird. Entwickelt sich zwar interessant, wirkt gegen Ende aber etwas zu übermächtig und unfehlbar.
Trotz des riesigen Ensembles sind die beiden eigentlich unsere Hauptbezugs- und Identifikationspersonen. Auch wenn wir immer wieder kurze Kapitel aus Perspektive anderer Figuren im auktorialen Stil erzählt bekommen.
Wie kommt das Buch rüber
Trotz aller futuristischen Elemente und Exotik bringt Hamilton auch aktuelle Themen mit ein. Die Klimaproteste der letzten Generation bzw. der Exitinction Rebels, die drastischen Repressionen des Staates darauf (Hamilton ist ja Brite, wo unter den Tories besonders drakonische Gesetze verabschiedet wurden). Aber auch Freiheit und Demokratie, und wie schnell die Demokratie einem Volk weggenommen werden kann.
Hamiltons Stil ist einwandfrei und effektiv. Wenn er den Weltraum, fremdartige Welten und Ereignisse beschreibt, kann er sogar richtig elegant und poetisch werden. Ansonsten ist er routiniert, auch wenn ich bei manchen Action-Szenen etwas den Überblick verloren habe, weil so viel und so viel Schräges, Originelles und Abstraktes passiert. Die Sprache ist vielleicht etwas zu gewöhnlich, um eine so ferne Zukunft und so fremde Wesen wie die Celestials zu beschreiben. Da hätte der Autor ruhig etwas experimenteller werden können. Für ein breiteres Publikum ist sein Ansatz aber wohl besser.
Die Gesellschaft der Zukunft wirkt doch sehr anglozentrisch. Insgesamt hält das Buch eine gute Balance aus spektakulärer Action, Charaktermomenten, Gesellschaftsporträt, Sense of Wonder und Hard-SF. Der Sense of Wonder wird durch den Abenteuercharakter der Handlung mit Finns Missionen erzeugt, vor allem wenn er mit den Travelern gefährliche Orte aufsucht, um Artefakte und Waffen aus der sogenannte Remnant-Era zu bergen. Da musste ich an „Picknick am Wegesrand“ denken.
Das Buch hat durchaus ein paar Längen, vor allem, wenn es um die Celestials geht. 700 Seiten hätten sicher auch gereicht, aber wirklich gelangweilt habe ich mich zu keinem Zeitpunkt. Alles scheint sinnvoll in die Gesamthandlung miteinzufließen, auch wenn es lange dauert, bis sich herausstellt, worum es in dem Buch eigentlich geht.
Mir gefällt, wie viel Mühe Hamilton sich gegeben hat, eine lebendige, glaubhafte Gesellschaft der Zukunft zu entwerfen, vor allem, was die Menschen angeht, in Bezug auf Wirtschaft, Lebensumstände, Medizin, Drogen usw. Aber auch die ganzen kleinen Welten und Gesellschaften, die z. B. Finn auf seinen Abenteuern kennenlernt, wie die Welt auf dem Gasplaneten (King’s Nest), wo sie mit Luftschiffen unterwegs sind.
Teilweise tauchen etwas zu viele Figuren auf. Wenn z. B. auf Finns Missionen plötzlich neue Team- und Crew-Mitglieder auftauchen, kurz darauf aber schon wieder verschwunden (vor allem gestorben) sind. Oder all die Mietglieder des Hofstaats der Celestials. Manchmal habe ich ein wenig den Überblick verloren, wer wer ist. Wobei das aber größtenteils auch nicht so wichtig war.
Die Protagonist*innen sind alle eher privilegiert, die Auswirkungen der Handlung und der Unterdrückung durch die Celestials auf einfache Bürger kommt nicht so rüber. Keine Arbeiter-SF wie „The Expanse“.
Ellie bleibt mir etwas zu sehr Anhängsel der Männer. Hat keine wirkliche eigene Motivation.
Die Celestials konnte ich mir teilweise nicht so gut vorstellen, da wären vielleicht ein paar Illustrationen aus dem Computerspiel hilfreich gewesen.
Der Roman spielt 150 Jahre nach dem Computerspiel und im Sonnensystem neben dem aus dem Game. Es teilt also nur das gleiche Universum mit dem Spiel und ein paar kleine Referenzen darauf.
So ist es dem Buch auch nicht anzumerken, dass es ein solches Tie-In ist. Es könnte sich auch um einen ganz normalen Roman von Hamilton mit seiner eigenen Welt handeln. Aber er war ja auch an der Entwicklung des Computerspiels beteiligt. Das ist noch nicht erschienen, die Gamespresse hat aber hohe Erwartungen und hofft auf einen neues „Mass Effect“, da viele von dessen Entwicklern daran beteiligt sind. Der erste Trailer sieht sehr vielversprechend aus, ebenso die Episode in der Amazon-Serie „Secret Level“.
Re: Peter F. Hamilton, "Exodus Archimedes Engine" Band 1
Verfasst: 20. Juli 2026 13:45
von Mervin Pumpkinhead
Pogopuschel hat geschrieben: Gestern 13:03
Ich hatte das Buch letztes Jahr auf Englisch gelesen und war begeistert.
Vielen Dank erstmal bis hierhin. Gleich eine Frage direkt an dich: Verstehe ich das richtig, dass die dt. Ausgabe (500 Seiten) dann mal wieder geteilt wurde? Es wäre ja nicht das erste mal. Kannst du das bestätigen?
Und zu deinem Hinweis auf das riesige Figurenensemble. Das hatten wir bereits in Hamiltons Armageddon und seiner Commonwealth Reihe. Das war schon damals ein wesentliches Merkmal. Hat mir aber auch wirklich Spaß gemacht bei Armageddon, diese unterschiedlichen Kulturen und Figuren zu begleiten. Deine Schilderung lässt ja jetzt auch auf ähnliches hoffen.
Re: Peter F. Hamilton, "Exodus Archimedes Engine" Band 1
Verfasst: 20. Juli 2026 14:06
von Flossensauger
Danke für eure Ausführungen!
Re: Peter F. Hamilton, "Exodus Archimedes Engine" Band 1
Verfasst: 20. Juli 2026 15:25
von Pogopuschel
Mervin Pumpkinhead hat geschrieben: Gestern 13:45
Pogopuschel hat geschrieben: Gestern 13:03
Ich hatte das Buch letztes Jahr auf Englisch gelesen und war begeistert.
Vielen Dank erstmal bis hierhin. Gleich eine Frage direkt an dich: Verstehe ich das richtig, dass die dt. Ausgabe (500 Seiten) dann mal wieder geteilt wurde? Es wäre ja nicht das erste mal. Kannst du das bestätigen?
Ja, das wurde geteilt. Die Originalausgabe hat schon 900 Seiten, in der Übersetzung kommen ja noch 20 bis 30% dazu.