Stuntman im Auftrag der NASA
Verfasst: 6. September 2004 18:18
Um eine zurückkehrende Raumsonde aufzufangen, nimmt die NASA die Dienste von einem Stuntman in Anspruch. Damit der Sondeninhalt beim Aufprall auf die Erde nicht leidet, soll die Sonde in der Luft abgefangen werden. Vollständiger Artikel: Spiegel
Es wird das vielleicht Wertvollste sein, was jemals vom Himmel gefallen ist. Zweieinhalb Jahre lang schwebte die 260 Millionen Dollar teure "Genesis"-Sonde im All und sammelte mit ihren pfannenförmigen Kollektoren Partikel aus dem Sonnenwind. Das Resultat stürzt am 8. September auf die Erde: 0,4 Milligramm an Atomen und Protonen aus dem solaren Teilchenstrom werden an Bord einer kleinen Kapsel über der Wüste des US-Bundesstaats Utah niedergehen.
Die Vorstellung, der Kanister könnte nur von seinem Fallschirm gebremst aufschlagen, bereitete den Forschern der US-Raumfahrtbehörde Nasa schlaflose Nächte. Eine weiche Landung musste her, die Frage war nur: Wie bringt man eine Raumkapsel nahezu punktgenau zur Erde zurück? Und wer in aller Welt soll in der Lage sein, sie mitten im Flug einzufangen?
Das Telefon klingelte schließlich bei Cliff Fleming. Am anderen Ende meldete sich ein Nasa-Beauftragter, der dem verblüfften Stuntman erklärte, er solle mit einem Helikopter und einer sechs Meter langen Stange eine auf die Erde fallende Raumkapsel einfangen. Sein erster Gedanke: "Das muss ein Witz sein", sagte Fleming der "Los Angeles Times".
Mit 40.000 km/h in die Atmosphäre
Heute, nach rund einem Dutzend Übungsflügen, ist der Pilot optimistischer. Er hält das Manöver mittlerweile für "machbar", aber keinesfalls für einfach: Auf einer Schwierigkeitsskala von zehn gibt er der Jagd auf die Kapsel eine acht bis neun.
Der Behälter, im Nasa-Jargon "Sample Return Capsule" genannt, wird in den Morgenstunden des 8. September von "Genesis" in der Nähe der Erde abgekoppelt. Während das Mutterschiff für Langzeitbeobachtungen zur Sonne zurückkehrt, rast die Kapsel mit rund 40.000 Kilometern pro Stunde in die Atmosphäre. In 30 Kilometer Höhe bremst ein kleiner Fallschirm den Behälter ab. Zweieinhalb Kilometer über dem Erdboden, in einem Zielgebiet von 25 mal 40 Kilometer Größe, öffnet sich dann der Hauptfallschirm und lässt die Kapsel mit nur noch 20 km/h durch die Luft gleiten.
Dann folgt Flemings Einsatz. Der Stuntman, dessen Flugkünste bereits in Actionfilmen wie "xXx - Triple X" und "Dante's Peak" zu bewundern waren, soll sich von hinten an den Flugkörper heranpirschen und den Fallschirm mit einem Haken einfangen, der an einer sechs Meter langen Stange befestigt ist. Sollte Fleming scheitern, kann ein zweiter Hubschrauber einen weiteren Versuch starten, bevor die Kapsel eine Höhe von 300 Metern erreicht. Sind die Piloten bis dahin nicht erfolgreich, muss die Kapsel allein zu Boden gleiten - und wird dabei womöglich beschädigt.