NOVA 8 - meine Eindrücke
Verfasst: 10. September 2005 19:59
Zum ersten Mal seit längerer Zeit hatte ich endlich einmal die Muße die neue Ausgabe von NOVA auch sofort nach dem Eintreffen und das auch fast in aller Ruhe lesen zu können.
Ich habe deshalb nach der Lektüre in drei Beiträgen im Forum der NOVA-Homepage alle Kurzgeschichten des Magazins kurz kommentiert, aber da dort anscheinend fast niemand mitliest, poste ich meinen Text jetzt auch hier:
»Psyhack« von Michael ist schon mal ein brandheißer Anwärter auf die SF-Preise dieses Jahres. Es ist, und das sage ich obwohl ich noch nicht alle Texte in NOVA 8 gelesen habe, das herausragendeste Werk in dieser Ausgabe und allein schon ein Grund, sich diese Nummer zu holen.
Warum?
Nun, Michael scheint für die Novelle geschaffen, denn er nutzt die Länge geschickt aus, um mehr als nur einen verschwommenen Handlungshintergrund zu zeichnen und eine Welt zu erschaffen, die erschreckend und realistisch zugleich wirkt. Trotzdem steht natürlich seine Hauptfigur im Mittelpunkt, die ein wenig an Joshua Ali Quare aus John Barnes Roman »Kaleidoscope Century« erinnert und sich stetig selbst neu erfinden muß. Amüsant auch die kurze (unbewußte?) Anspielung auf Philip K. Dicks Paycheck, denn auch hier liegen die Wurzeln von »Psyhack«.
»Der Keller« von Marcus Hammerschmitt - faszinierend, wie Marcus es hier schafft einen simplen Polizeibericht zum Protokoll des rätselhaften Grauens werden zu lassen. Natürlich hätte ich mir gerne mehr gewünscht, eine Auflösung, aber das zeigt nur, wie sehr einen schon diese wenigen Zeilen packen.
Nicht gepackt hat mich hingegen »Jäger« von Malte Sembten und Florian Gagel. Die Einleitung spricht ja schon davon, daß das »Szenario wohlbekannt ist« und so ist es ja auch tatsächlich. In einem anderen Umfeld hätte diese Kurzgeschichte vielleicht weniger enttäuscht, aber bei so einer qualitativ hochwertigen Konkurrenz...
»002:32:45« hat mich verwirrt und letztlich mit Fragen zurückgelassen. Blut als Lebensstoff für... Roboter mit biologischer Komponente? Es bleiben Fragen, und beängstigende Vorstellungen, wenn von Fleischwölfen zur Blutgewinnung die Rede ist...
»Das ewige Lied« hätte ich wohl auch ohne Nennung des Autors als eine Geschichte von Frank W. Haubold erkannt. Nur er schreibt Werke dieser Art, in der sich eine melancholische Aufbruchsromantik mit einem Bruch der Realität verbindet.
Weiter geht's... mit den »Polexplosionen«. Ja, ich mag die Romane von Philip K. Dick ja auch sehr gerne und ich habe die meisten mit Genuß gelesen, aber so manche Geschichte wäre vielleicht doch besser, wenn sich die Autoren auch mal ein anderes Vorbild als immer nur den alten Dick suchen würden. Denn »Polexplosionen« ist eine gute Geschichte, die aber halt leider nur etwas darunter leidet, daß sie halt nichts eigenständig darstellt, sondern eben auf den Ideen von PKD beruht. So seh ich das zumindest...
Eric Brown: »Ulla, Ulla« ist leicht als Beitrag eines Profi-Autoren zu erkennen, denn hier stimmen auch die kleinen stilistischen Details, und auch die Idee der Geschichte hat mir gefallen. Allenfalls die Tatsache, daß ein Geologe, dem man nicht so recht trauen will, trotzdem einfach so wenige Tage nach der Landung wieder frei herumlaufen kann, erscheint mir etwas unglaubwürdig. Aber gut, ohne würde die Geschichte nicht funktionieren.
Björn Jagnow: »Besuch unter der Oberfläche« - wieder ein Highlight. Knapp, aber so treffsicher formuliert, daß es die reinste Freude ist. Klasse!
Michael Schneiberg: »Ein Garten für die Ewigkeit«. Hm, gut eine Pointengeschichte. Sie funktioniert, hinterläßt aber keinen bleibenden Eindruck.
Gesamteindruck: eine wirklich gute Ausgabe mit ein, zwei Durchhängern, die halt nur »okay« waren, aber dafür auch mit einigen echten Highlights und Beiträgen von Autoren, die ich immer gerne lese. Weiter so!
Ich habe deshalb nach der Lektüre in drei Beiträgen im Forum der NOVA-Homepage alle Kurzgeschichten des Magazins kurz kommentiert, aber da dort anscheinend fast niemand mitliest, poste ich meinen Text jetzt auch hier:
»Psyhack« von Michael ist schon mal ein brandheißer Anwärter auf die SF-Preise dieses Jahres. Es ist, und das sage ich obwohl ich noch nicht alle Texte in NOVA 8 gelesen habe, das herausragendeste Werk in dieser Ausgabe und allein schon ein Grund, sich diese Nummer zu holen.
Warum?
Nun, Michael scheint für die Novelle geschaffen, denn er nutzt die Länge geschickt aus, um mehr als nur einen verschwommenen Handlungshintergrund zu zeichnen und eine Welt zu erschaffen, die erschreckend und realistisch zugleich wirkt. Trotzdem steht natürlich seine Hauptfigur im Mittelpunkt, die ein wenig an Joshua Ali Quare aus John Barnes Roman »Kaleidoscope Century« erinnert und sich stetig selbst neu erfinden muß. Amüsant auch die kurze (unbewußte?) Anspielung auf Philip K. Dicks Paycheck, denn auch hier liegen die Wurzeln von »Psyhack«.
»Der Keller« von Marcus Hammerschmitt - faszinierend, wie Marcus es hier schafft einen simplen Polizeibericht zum Protokoll des rätselhaften Grauens werden zu lassen. Natürlich hätte ich mir gerne mehr gewünscht, eine Auflösung, aber das zeigt nur, wie sehr einen schon diese wenigen Zeilen packen.
Nicht gepackt hat mich hingegen »Jäger« von Malte Sembten und Florian Gagel. Die Einleitung spricht ja schon davon, daß das »Szenario wohlbekannt ist« und so ist es ja auch tatsächlich. In einem anderen Umfeld hätte diese Kurzgeschichte vielleicht weniger enttäuscht, aber bei so einer qualitativ hochwertigen Konkurrenz...
»002:32:45« hat mich verwirrt und letztlich mit Fragen zurückgelassen. Blut als Lebensstoff für... Roboter mit biologischer Komponente? Es bleiben Fragen, und beängstigende Vorstellungen, wenn von Fleischwölfen zur Blutgewinnung die Rede ist...
»Das ewige Lied« hätte ich wohl auch ohne Nennung des Autors als eine Geschichte von Frank W. Haubold erkannt. Nur er schreibt Werke dieser Art, in der sich eine melancholische Aufbruchsromantik mit einem Bruch der Realität verbindet.
Weiter geht's... mit den »Polexplosionen«. Ja, ich mag die Romane von Philip K. Dick ja auch sehr gerne und ich habe die meisten mit Genuß gelesen, aber so manche Geschichte wäre vielleicht doch besser, wenn sich die Autoren auch mal ein anderes Vorbild als immer nur den alten Dick suchen würden. Denn »Polexplosionen« ist eine gute Geschichte, die aber halt leider nur etwas darunter leidet, daß sie halt nichts eigenständig darstellt, sondern eben auf den Ideen von PKD beruht. So seh ich das zumindest...
Eric Brown: »Ulla, Ulla« ist leicht als Beitrag eines Profi-Autoren zu erkennen, denn hier stimmen auch die kleinen stilistischen Details, und auch die Idee der Geschichte hat mir gefallen. Allenfalls die Tatsache, daß ein Geologe, dem man nicht so recht trauen will, trotzdem einfach so wenige Tage nach der Landung wieder frei herumlaufen kann, erscheint mir etwas unglaubwürdig. Aber gut, ohne würde die Geschichte nicht funktionieren.
Björn Jagnow: »Besuch unter der Oberfläche« - wieder ein Highlight. Knapp, aber so treffsicher formuliert, daß es die reinste Freude ist. Klasse!
Michael Schneiberg: »Ein Garten für die Ewigkeit«. Hm, gut eine Pointengeschichte. Sie funktioniert, hinterläßt aber keinen bleibenden Eindruck.
Gesamteindruck: eine wirklich gute Ausgabe mit ein, zwei Durchhängern, die halt nur »okay« waren, aber dafür auch mit einigen echten Highlights und Beiträgen von Autoren, die ich immer gerne lese. Weiter so!