Interview mit Stanislaw Lem im "Cicero"
Verfasst: 30. Oktober 2005 19:42
Die aktuelle Ausgabe des politischen Monatsmagazins "Cicero" enthält ein zweiseitiges Interview mit Stanislaw Lem.
In dem Interview äußert sich Lem u.a. zur Alterung der Gesellschaft:
F: Die europäische Gesellschaft wird im Schnitt immer älter - es gibt immer mehr Alte und immer weniger junge Menschen.
Lem: Ja, das ist auf der ganzen Welt ein zunehmendes Problem.
Wie so häufig irrt hier Lem. Das ist ein Problem der 1. Welt. Wenn man nach Afrika sieht, in den Iran, nach Palästina, nach Lateinamerika, dann stellt man sehr schnell fest, dass das eigentliche Problem dort darin besteht, dass es zu viele junge Menschen gibt und für diese zu wenig Arbeit. Das ist der wahre soziale Sprengstoff.
Schön die folgende Sottise: "Im Durchschnitt taugen wir etwas bis zum fünfzigsten oder sechzigsten Lebensjahr und dann ist es schon aus. Dann ist der Geist sehr welk."
Lem ist 84 Jahre alt.
Sehr schön auch seine Auffassung zur Fantasy, speziell Harry Potter:
Lem: In Polen war ich früher ein bekannter Schriftsteller, jetzt bin ich wie die Kreise, die sich auf dem Wasser bilden, wenn man einen Stein darauf schmeißt. Heute lesen die Menschen Bücher über Harry Potter. Haben Sie diese Bücher gelesen?
F: Ja nicht alle, aber ein paar.
Lem: Was ist daran interessant? Glauben Sie an diesen Voldemort? sic!
F: Nein glauben Sie denn an das, was Sie in Ihren literarischen Werken geschrieben haben?
Lem: Aber nein, um Gottes willen. Das ist aber etwas anderes. sic!!
F: Warum?
Lem: Astrologie, Sterne, Hexen und so weiter - diese Themen haben keine ernsthafte Grundlage. Das ist für mich kein Stoff für Kultur. sic!!!!
Der Stoff ist genauso kurzlebig wie Geschichten über Katastrophen, über Blut oder Sperma.
Ooookay. mal kurz 90% der Literatur- und Filmhistorie den Stempel der Kurzlebigkeit und Bedeutungslosigkeit verpasst...
Als ich das ganze Interview gelesen hatte, dachte ich mir "Danke Stanislaw Lem für die Sterntagebücher, für Solaris und den Unbesiegbaren, für Pirx und die Robotermärchen. Und der Herrgott bewahre mich vor der in den Mantel der Intellektualität gekleideten Altersdemenz.
Mein signiertes Exemplar der "Sterntagebücher" wird trotzdem seinen Ehrenplatz im Bücherschrank behalten. Auch wenn Bücher über Sterne an und für sich recht kurzlebig und sehr wertlos sind.
In dem Interview äußert sich Lem u.a. zur Alterung der Gesellschaft:
F: Die europäische Gesellschaft wird im Schnitt immer älter - es gibt immer mehr Alte und immer weniger junge Menschen.
Lem: Ja, das ist auf der ganzen Welt ein zunehmendes Problem.
Wie so häufig irrt hier Lem. Das ist ein Problem der 1. Welt. Wenn man nach Afrika sieht, in den Iran, nach Palästina, nach Lateinamerika, dann stellt man sehr schnell fest, dass das eigentliche Problem dort darin besteht, dass es zu viele junge Menschen gibt und für diese zu wenig Arbeit. Das ist der wahre soziale Sprengstoff.
Schön die folgende Sottise: "Im Durchschnitt taugen wir etwas bis zum fünfzigsten oder sechzigsten Lebensjahr und dann ist es schon aus. Dann ist der Geist sehr welk."
Lem ist 84 Jahre alt.
Sehr schön auch seine Auffassung zur Fantasy, speziell Harry Potter:
Lem: In Polen war ich früher ein bekannter Schriftsteller, jetzt bin ich wie die Kreise, die sich auf dem Wasser bilden, wenn man einen Stein darauf schmeißt. Heute lesen die Menschen Bücher über Harry Potter. Haben Sie diese Bücher gelesen?
F: Ja nicht alle, aber ein paar.
Lem: Was ist daran interessant? Glauben Sie an diesen Voldemort? sic!
F: Nein glauben Sie denn an das, was Sie in Ihren literarischen Werken geschrieben haben?
Lem: Aber nein, um Gottes willen. Das ist aber etwas anderes. sic!!
F: Warum?
Lem: Astrologie, Sterne, Hexen und so weiter - diese Themen haben keine ernsthafte Grundlage. Das ist für mich kein Stoff für Kultur. sic!!!!
Der Stoff ist genauso kurzlebig wie Geschichten über Katastrophen, über Blut oder Sperma.
Ooookay. mal kurz 90% der Literatur- und Filmhistorie den Stempel der Kurzlebigkeit und Bedeutungslosigkeit verpasst...
Als ich das ganze Interview gelesen hatte, dachte ich mir "Danke Stanislaw Lem für die Sterntagebücher, für Solaris und den Unbesiegbaren, für Pirx und die Robotermärchen. Und der Herrgott bewahre mich vor der in den Mantel der Intellektualität gekleideten Altersdemenz.
Mein signiertes Exemplar der "Sterntagebücher" wird trotzdem seinen Ehrenplatz im Bücherschrank behalten. Auch wenn Bücher über Sterne an und für sich recht kurzlebig und sehr wertlos sind.