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Philip K. Dick - Warte auf das letzte Jahr

Verfasst: 16. August 2006 09:57
von deval
Inhalt:

Die Erde steht am Rande der Apokalypse. Seit Jahren schon ist sie in einen sinnlosen intergalaktischen Krieg gegen das insektenähnliche Volk der Riegs verwickelt. Gefährlicher noch als der Feind selbst scheinen jedoch die Verbündeten der Menschen zu sein: die Bewohner des Planeten Lili-Stern haben es vor allem darauf abgesehen, Macht und Einfluss über die Erde zu gewinnen. Generalsekretär Gino Molinari, genannt “der Maulwurf”, ist der Einzige, der die Erde vor der vollständigen Übernahme durch die Sternmenschen bewahren kann -- doch Molinari leidet an einer tödlichen Krankheit.
Als Molinari den Transplantchirurgen Eric Sweetscent als persönlichen Leibarzt anheuert, ist dieser hocherfreut. Eric ist unglücklich verheiratet und seine Frau Kathy nutzt jede Gelegenheit, um ihm seinen Mangel an beruflichem Ehrgeiz vorzuwerfen. Nun bietet sich ihm endlich die Chance auf eine große Karriere. Doch je mehr er versucht, Molinaris Krankheit auf den Grund zu gehen, desto rätselhafter wird diese. Derweil flüchtet sich Kathy in Drogenexperimente und schluckt eine Substanz namens JJ-180. Sie ahnt nicht, dass diese Droge in Wahrheit ein von den Sternmenschen entwickelter biologischer Kampfstoff ist, der die Zeit selbst aus den Fugen geraten lässt.



Offensichtlich gehöre ich nicht zu den Leuten die automatisch jedes Buch des Autors in den Himmel loben.

Dieses Buch ist so ziemlich das zäheste und langatmigste Werk das mir in letzter Zeit untergekommen ist. Bar jeglicher Spannung oder eines halbwegs plausiblen Handlungsbogens hangelt sich der Held durch seine persönlichen Probleme mit seiner Frau und seinen verwirrenden Zeitreisen. Als Leser lechzt man förmlich nach irgendeinem Clou der zumindest zum Ende hin der Geschichte den nötigen Pfiff gibt - vergebens. Die Protagonisten ergehen sich in nichtsbringenden Diskussionen und je mehr Zeitreisen Dr. Sweetcent durchführt, umso verwirrender wird die ganze Geschichte. Da wird fleißig in der Zukunft hin und her gesprungen, es werden alternative Handlungsbögen entdeckt, aber wozu? Da keine Zukunft die nötige Wahrscheinlichkeit entwickelt ist alles nur Makulatur.

Dick liefert auch keine Begründung warum es auch nur ansatzweise möglich ist durch die Droge in der Zeit zu springen. Es ist halt so und damit hat sich der Leser abzufinden. Punkt. Am Ende des Buches ist man praktisch genau da, wo man auch am Anfang gewesen ist und man (ich) fragt sich: "Und, was sollte das jetzt? Ist das wirklich alles?"

Das Buch kann ich definitiv niemandem empfehlen.

Re: Philip K. Dick - Warte auf das letzte Jahr

Verfasst: 16. August 2006 11:39
von L.N. Muhr
vallenton hat geschrieben: Dick liefert auch keine Begründung warum es auch nur ansatzweise möglich ist durch die Droge in der Zeit zu springen. Es ist halt so und damit hat sich der Leser abzufinden. Punkt.
eine zeitmaschine ist im grunde auch keine plausiblere begründung, ebenso wenig ein schlag auf den kopf (wie bei twain).

ich sehe da kein problem. plausible begründungen für zeitreisen sind im rahmen von belletristik nicht möglich, es sind nur im begriffssystem des lesers scheinplausible lösungen möglich. begriffssysteme aber sind zeitgeistabhängig.

Verfasst: 16. August 2006 12:12
von deval
Ich mache da schon einen Unterschied.

Niemand muß eine Zeitreise erklären, wie sollte man das auch plausibel tun können. Wenn man eine Zeitmaschine zur Verfügung hat ist das etwas anderes als wenn man eine Zeitreise per Schlag auf den Kopf durchführt oder eine Droge nimmt.

Hat man eine Zeitmaschine gebaut (wie auch immer man das bewerkstelligt) ist es ja irgendwie klar das man damit in der Zeit reisen kann, deshalb ist sie ja gebaut worden.

Aber wieso kann man in der Zeit reisen indem man einen Schlag auf den Kopf bekommt oder eine Droge nimmt?

Der Unterschied ist für manchen vielleicht nicht nachvollziehbar, für mich aber entscheidend. Es liegt wohl wirklich am Begriffsystem des Lesers wie du schon angedeutet hast. Aber so ist das mit allem, jeder sieht eine Sache anders oder mißt ihr eine andere Bedeutung zu.

Würde Sweetcent mit Hilfe einer Zeitmaschine in die Zukunft reisen wäre das für mich OK. Aber indem er eine Droge nimmt...? Ne, da brauche ich eine Erklärung sonst könnte sich der Autor ja alles aus den Fingern saugen so wie er es gerade braucht und den Leser, so mir nichts dir nichts, vor vollendete Tatsachen stellen.

Verfasst: 16. August 2006 12:23
von L.N. Muhr
vallenton hat geschrieben: Niemand muß eine Zeitreise erklären, wie sollte man das auch plausibel tun können. Wenn man eine Zeitmaschine zur Verfügung hat ist das etwas anderes als wenn man eine Zeitreise per Schlag auf den Kopf durchführt oder eine Droge nimmt.
aber auch nur, wenn man daran glaubt, dass mit technologie alles möglich ist.

was ganz klar ein aus dem viktorianischen england, aus der dampfmaschinenzeit, herrührender gedanke ist. aber eben keine für alle zeiten gültige antwort.
Hat man eine Zeitmaschine gebaut (wie auch immer man das bewerkstelligt) ist es ja irgendwie klar das man damit in der Zeit reisen kann, deshalb ist sie ja gebaut worden.

Aber wieso kann man in der Zeit reisen indem man einen Schlag auf den Kopf bekommt oder eine Droge nimmt?

Der Unterschied ist für manchen vielleicht nicht nachvollziehbar, für mich aber entscheidend.
wieso kann man mit einer zeitmaschine zeitreisen? ist, sorry, im endeffekt doch genau so "schlüssig" wie eine droge.

weil wir es gewohnt sind, dinge mit technik zu lösen, wollen wir auch davon lesen, wie dinge mit technik gelöst werden. aber das ist eigentlich phantasielos und fordert weder leser noch autor. schreib ich halt das wort "zeitmaschine" in mein skript. es ist nur ein wort und auf 90% des skripts sowie der story dürfte es keinen einfluss haben, ob da "droge", "zeitmaschine" oder "schtzngrmm" steht.

aber bauen kann man das ding ebenso wenig, wie man eine zeitreisedroge zusammenrühren kann. aber weil wir in einer technologiegeprägten zivilisation leben, haben leser und autor weniger verständnisprobleme damit. plausibler aber sind sie deshalb nicht im geringsten. nur gewöhnter.

und da fängt dann eben auch die leistung von dick an, der aus dem gewöhnten ausbrach und - manchmal - nach neuen wegen in der SF suchte.

"ein yankee an könig artus' hof" von twain ist übrigens ein ganz ganz grosser roman, v.a. im kontext der zeitreisegeschichten.

Verfasst: 16. August 2006 13:03
von deval
L.N. Muhr hat geschrieben: aber weil wir in einer technologiegeprägten zivilisation leben, haben leser und autor weniger verständnisprobleme damit. plausibler aber sind sie deshalb nicht im geringsten. nur gewöhnter.
Da gebe ich dir Recht. Vielleicht spiegelt das auch mein Problem mit der Zeitreise per Droge wieder.

Das ist aber nicht das Hauptproblem das ich mit dem Buch habe, höchstens ein Punkt davon. Ich finde das Buch generell schlecht, unabhängig davon ob Dick nun die Modalitäten der Zeitreise per Droge erklärt oder nicht.

Das Buch von Twain kenne ich nicht. Ich würde meine Meinung darüber aber auch nicht davon abhängig machen ob mir die Zeitreise per Schlag auf den Kopf nun plausibel erscheint oder nicht. Selbst wenn ich damit Schwierigkeiten hätte würde mir das nicht so wichtig sein, wenn denn der Rest der Geschichte mich begeistert.

Verfasst: 17. August 2006 09:39
von Rusch
Lies mal von Jack Finney: Die anderen Ufer der Zeit.

In dem Buch findet die Zeitreise gänzlich ohne Technik, sondern nur mit Geisteskraft statt. Man hat alte Gebäude im alten Stil eingerichtet und die Zeitreisenden im alten Stil leben lassen. Die wirklich guten mit viel Phantasie haben dann den Transfer vollzogen.

Obwohl die Idee gewöhnungsbedürftig ist, ist dieser Roman der beste Zeitreiseroman, den ich gelesen habe.

In "Der Marsianische Zeitsturz" und "Die Frau des Zeitreisenden" wird Menschen von der Zeit losgelöst und springt wirr hin und her.

Ähnlich bei Ken Grimwoods Zeitreiseroman (der Titel fällt mir jetzt gerade nicht ein).

In all diesen Büchern wird ohne Zeitmaschine gereist.

Verfasst: 17. August 2006 10:12
von deval
Du meinst Replay oder Das zweite Spiel?

Mein Favourit in Sachen Zeitreise ist immer noch die Geschichte von Asimov -Am Ende der Ewigkeit-.

-Die Frau des Zeitreisenden- versuche ich schon seit einiger Zeit günstig zu bekommen. Wers also abgeben oder tauschen möchte...?

Verfasst: 17. August 2006 22:05
von hawaklar
L.N. Muhr hat geschrieben:
vallenton hat geschrieben: "ein yankee an könig artus' hof" von twain ist übrigens ein ganz ganz grosser roman, v.a. im kontext der zeitreisegeschichten.
"Ein Yankee aus Connecticutt (soviel Zeit muß sein :lol:) an König Artus' Hof" ist eines der Bücher, die mich in meiner Jugend ans Lesen gefesselt haben. Möglicherweise rührt die verschiedentlich geäußerte Ablehnung von den vielen z. T. schauderhaften Filmadaptionen des Buches her. Dieses Buch zu lesen, kann ich nur empfehlen.

Verfasst: 17. August 2006 22:19
von Rusch
Genau, Replay. Das wars.

Die beste Zeitreise Story war für mich übrigens "By his Bootstraps" von Heinlein. Richtig schön abgefahren.

Verfasst: 18. August 2006 01:04
von L.N. Muhr
hawaklar hat geschrieben:
L.N. Muhr hat geschrieben:
vallenton hat geschrieben: "Ein Yankee aus Connecticutt (soviel Zeit muß sein :lol:) an König Artus' Hof"
ich weiss.

aber die mir bekannten deutschen fassungen streichen alle die mitte des titels.

ich war übrigens schon als kleiner junge jemand, der die originaltitel von büchern nachgeschlagen hat. dürfte es auch nicht so oft geben ...

Verfasst: 18. August 2006 12:08
von Nessuno
L.N. Muhr hat geschrieben:
hawaklar hat geschrieben:
L.N. Muhr hat geschrieben:
vallenton hat geschrieben: "Ein Yankee aus Connecticutt (soviel Zeit muß sein :lol:) an König Artus' Hof"
ich weiss.

aber die mir bekannten deutschen fassungen streichen alle die mitte des titels.

ich war übrigens schon als kleiner junge jemand, der die originaltitel von büchern nachgeschlagen hat. dürfte es auch nicht so oft geben ...
Ich weiß ja nicht, wo du nachgeschlagen hast, aber es heißt sowohl in den englischen als auch deutschen Ausgaben Connecticut. :lehrer:

:wink:

Nessuno

Verfasst: 18. August 2006 12:42
von L.N. Muhr
nicht in der ddr. :)

da muss ich nicht nachschlagen, da gehe ich ans bücherregal.