David Feintuch - Nick Seafort Reihe
Verfasst: 31. Oktober 2009 18:06







Nachdem ich mich jetzt nach und nach durch die Nick Seafort Reihe lese und mittlerweile bei Band 4 angekommen bin,
nehme ich mir den 4. ten Band mal als Anlass eine kurze Bilanz zu ziehen.
Von der Reihe an sich bin ich noch bei keinem einzigen Buch enttäuscht worden. Von den ersten vier Büchern hat mir
gerade Band 4 ausgesprochen gut gefallen. Für mich auch gleichzeitig der mit Abstand beste Roman.
Nick Seafort zum ersten Mal nicht mehr offiziell als Kapitän an Bord eines Flottenschiffes, sondern vielmehr als Kommandant
der Kadettenschule. Das Buch liefert zugleich auch eine hervorragende Charakterstudie des Helden.
Seafort ist ein eigenartiger Mensch: Vom Schicksal zutiefst gebeutelt, seine Freunde sind in der Regel verstorben, genau wie
seine erste Frau und sein Sohn, hat er sich zu einem in der Regel übellaunigen Charakter entwickelt. Seafort möchte man nicht
als Vorgesetzten haben. Er läßt seine Stimmungen an seinen Untergebenen aus, man weiß nie woran man bei ihm ist.
Das liegt aber auch daran, dass die Flottendisziplin streng und unnachgiebig ist. Schikanieren der Untergebenen wird ausdrücklich
geduldet, Züchtigungen mit dem Rohrstock sind die Regel, leichtere Verstöße werden mit Minuspunkten geahndet und sind nur durch
2 Stunden Sport abbaubar. Der Kapitän an Bord eines Flottenflagschiffes genießt fast göttliche Autorität. Wird er von Untergebenen
mutwillig berührt, kann das durchaus zur Degradierung oder, im schlimmsten Fall, zur standrechtlichen Erschießung führen. Möchte
man etwa von der Erde zur nächsten menschlichen Kolonie auf Hope Nation gelangen, so ist man geschlagene 18 Monate unterwegs.
Gehört man den niedrigsten Offiziersrängen an, den Fähnrichen, ist das in der Regel eine 18 monatige Leidenszeit gespickt mit
Schikanen, Züchtigungen mit dem Stock und Rangeleien untereinander.
Religion wird in der Flotte, und auch sonst, groß geschrieben, lästerliches Fluchen kann bestraft werden. Seafort ist ein religiöser
Mensch, von seinem Vater streng erzogen. Aber der Gott an den Seafort glaubt ist ein unnachgiebiger, strenger und strafender
Gott. Da Seafort glaubt das seine Seele verloren ist, er hat nämlich seinen Eid gebrochen, ist das mit ein Grund warum er langsam
aber sicher zu einem regelrechten Kotzbrocken wird. Nein, in diesem Universum möchte man eigentlich nicht leben.
Die ersten drei Bände handeln von den Kämpfen Seaforts gegen eine außerirdische Rasse, genannt -Fische-. Bei den Fischen handelt
es sich quasi um lebende Raumschiffe. Woher die Fische kommen oder warum sie so gnadenlos die Menschen angreifen weiß niemand.
Auch nicht der Leser. Fakt ist, dass sie von den Geräuschen, die entstehen wenn ein menschliches Raumschiff fusioniert (also in den
Hyperraum geht), angezogen werden. Im Kampf gegen die Fische gelangt Seafort zwar zu Ruhm und Ehren, lehnt diesen aber strikt ab.
Er fühlt sich nicht als Held und möchte einfach nur von den Medien und den Menschen in Ruhe gelassen werden. Er quittiert den Dienst
in der Flotte und wird Kommandant der Kadettenschule (Band 4).
In diesem Band erfährt man zum ersten Mal mehr von Seafort. Man bekommt Einblick in seine Kindheit, in der er den Tod seines besten
Freundes verkraften musste. Man erfährt etwas aus seiner Kadettenzeit und beginnt zu erahnen warum er so wurde wie er nun ist.
Ebenfalls bekommt man einen Einblick in die Ausbildung innerhalb der Flotte die Anhand einzelner Kadetten erzählt wird. Auch ist die
Schilderung der gesellschaftlichen Verhältnisse (Transpops) sehr gut gelungen. Aber auch im vierten Band tauchen die Fische wieder auf
und bedrohen nun erstmals das Sonnensystem. Es kommt zu verherenden Verwüstungen und hundertausenden von Toten.
Wie gesagt, bisher bin ich noch von keinem der vier Bücher enttäuscht worden. Sie sind in der Regel spannend und sehr gut geschrieben.
Jeder der die alten Hornblower oder Jack Aubrey Bücher mag wird hier voll auf seine Kosten kommen.
Für mich ist die Reihe ein eindeutiger Lesetip.