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James Morrow "Das Gottesmahl"

Verfasst: 3. Januar 2011 15:07
von agro
Neulich für nen "Appel und ein Ei" bei Ebay geschossen:

James Morrow "Das Gottesmahl"

Die Hardliner und langjährigen SF-Fans unter euch kennen das Buch sicher.
Für mich bedeutet das Buch: Endlich mal wieder ein Roman, der mich von der ersten Zeile an fesselt, mit stimmigen Personenbeschreibungen, einer stimmigen, dichten Atmosphäre und und und... Der Autor ist herrlich sarkastisch!

Zur Story: Der Roman ist am Ende des 20 Jh. angesiedelt. Einem abgehalfterten Öltanker-Kapitän erscheint zu seinem 50. Geburtstag Erzengel Raphael und verkündet ihm, dass die Himmlischen Heerscharen wie die Fliegen wegsterben, weil Gott tot ist. Soweit sogut - oder schlecht. Ganz wie man es sehen mag. Doch das Problem"chen" ist größer, als angenommen. Sehr viel größer - denn die Leiche des lieben Herrgotts mißt über zwei Meilen und ist in den Ozean gestürzt. Langsam aber sicher wird Gottes Leib von diversen Meeresbewohnern verspeist. Bevor Raphael stirbt, fordert er in Zusammenarbeit mit dem Vatikan den Tankerkapitän auf, Gottes Korpus zu bergen und ins Nördliche Eismeer zu schleppen, damit er dort tiefgefrostet nicht mehr der Verwesung / Verspeisung preisgegeben wird. Was nun folgt, kann sich jeder ausmalen. Dem Vatikan wird die Lebensgrundlage entzogen - er versucht mit aller Macht Gottes Tod zu vertuschen. Dennoch sickert einiges durch: Dverse Reliquienjäger wollen sich nun eine Scheibe (im wahrsten Sinne des Wortes) abschneiden. Die Atheisten wollen nun beweisen, dass es Gott gegeben hat und nun aber tot ist. Ein absurdes Szenario tut sich dem Leser auf. James Morrow gelingt es meiner Meinung nach, mit Witz, Sarkasmus und einer schonungslosen Abrechnung mit den ganzen Idioten, die so durch die Welt tapern, ein Bild der heutigen Gesellschaft zu zeichnen und schlägt in alle Richtungen um sich. Ziemlich jeder bekommt hier sein Fett weg, angefangen bei fanatischen Gläubigen und neureichen Wohlstandssöhnchen, die sich als Revoluzzer ausprobieren, bis hin zu Feministinnen, die gegen das Patriarchat aufbegehren, denn Gott - (der, männlich) ist in ihren Augen der oberste Phallukrat und gehört auf den Meeresboden versenkt.

(Das Buch hat schon um die 15 Jahre auf dem Buckel, daher lassen mich einige Dinge *Laserdiscs / *noch kein Internet/Emails in einigen Szenen auf dem Tanker schmunzeln )

Was wäre wenn - es Gott gäbe / es ihn nicht gäbe / es ihn gegeben hätte / oder doch nicht....

So - ich muss jetzt weiterlesen! Bin hellauf begeistert. Leider scheint das Buch nur noch bei Online-Märkten erhältlich zu sein.
Wer das Buch noch nicht kennt ---> Mein absoluter Lesetipp.

:prima:

Re: James Morrow "Das Gottesmahl"

Verfasst: 3. Januar 2011 19:11
von Knochenmann
Guter Tip, danke.

Re: James Morrow "Das Gottesmahl"

Verfasst: 3. Januar 2011 23:15
von breitsameter
agro hat geschrieben:James Morrow "Das Gottesmahl"

Die Hardliner und langjährigen SF-Fans unter euch kennen das Buch sicher.
Für mich bedeutet das Buch: Endlich mal wieder ein Roman, der mich von der ersten Zeile an fesselt, mit stimmigen Personenbeschreibungen, einer stimmigen, dichten Atmosphäre und und und... Der Autor ist herrlich sarkastisch!
Ich habe den Roman erst im letzten Jahr gelesen. :beanie:
ich hatte James Morrow schon vor etwa 10 Jahren bei einem französischen Con darüber erzählen hören und war seitdem auf den Roman gespannt. Ich fand allerdings, daß der Roman durchaus etwas gealtert ist und er nicht ganz so konsequent in seiner Aussage ist, wie er sein könnte.

Ein Spoiler zum Romanende:
Schlussendlich haben die Hauptfiguren, besonders Captain Van Horne doch noch zu einer Art Religiosität gefunden. Wenn man bedenkt, daß der Roman eigentlich sich mit Gottes Tod befasst, so ist das doch ein bemerkenswertes Ende. Besonders weil Morrow die Gottlosigkeit, aber auch die alten Götter nicht als positiv darstellt. Eigentlich ist er vor allem die Kirche, die Prügel bezieht.


Es gibt übrigens zwei Fortsetzungen, die ich jedoch beide auch noch nicht gelesen habe.

Re: James Morrow "Das Gottesmahl"

Verfasst: 4. Januar 2011 00:19
von achimh
agro hat geschrieben:James Morrow "Das Gottesmahl"

Die Hardliner und langjährigen SF-Fans unter euch kennen das Buch sicher.
Für mich bedeutet das Buch: Endlich mal wieder ein Roman, der mich von der ersten Zeile an fesselt, mit stimmigen Personenbeschreibungen, einer stimmigen, dichten Atmosphäre und und und... Der Autor ist herrlich sarkastisch!
Das Gottesmahl von Morrow habe ich noch nicht gelesen, setze es jetzt aber mal auf die/den SUB/ZUB Liste/Stapel. :xmas: Klingt nicht schlecht.

Re: James Morrow "Das Gottesmahl"

Verfasst: 4. Januar 2011 19:13
von heino
breitsameter hat geschrieben:
Ein Spoiler zum Romanende:
Schlussendlich haben die Hauptfiguren, besonders Captain Van Horne doch noch zu einer Art Religiosität gefunden. Wenn man bedenkt, daß der Roman eigentlich sich mit Gottes Tod befasst, so ist das doch ein bemerkenswertes Ende. Besonders weil Morrow die Gottlosigkeit, aber auch die alten Götter nicht als positiv darstellt. Eigentlich ist er vor allem die Kirche, die Prügel bezieht.


Es gibt übrigens zwei Fortsetzungen, die ich jedoch beide auch noch nicht gelesen habe.
Die Fortsetzungen "Blameless in Abbadon" und "The eternal footman" gibt es leider nicht auf deutsch, sind aber auf jeden Fall lesenswert. Und erst dadurch wird die Geschichte auch wirklich konsequent, denn Morrow geht es nicht darum, den Glauben zu diskreditieren, sondern die organisierte Religion an den Pranger zu stellen. Das hat er auch schon bei "Die eingeborene Tochter" gemacht und mit Einschränkungen passt auch sein Erstling "Der Wein des Frevels" in dieses Raster.

Re: James Morrow "Das Gottesmahl"

Verfasst: 4. Januar 2011 21:00
von agro
Jemand sollte Heyne in den Allerwertesten treten, damit die endlich mal beiden Nachfolgeromane übersetzen und verlegen. Mein Englisch reicht gerade so für Alltagsfloskeln, aber für einen komplexen James Morrow-Schinken weiß Gott (ach nee, der schwimmt ja mit der Nase nach oben im Norpolarmeer) nicht.

Re: James Morrow "Das Gottesmahl"

Verfasst: 24. Januar 2011 18:30
von heino
agro hat geschrieben:Jemand sollte Heyne in den Allerwertesten treten, damit die endlich mal beiden Nachfolgeromane übersetzen und verlegen.
Den Tag wirst du wohl nicht mehr erleben, dafür hat der Mann hierzulande leider nicht genug Erfolg. Vielleicht gibt sich ja mal ein Kleinverlag dafür her. Aber ich kann dir durchaus Mut zusprechen, so schwer sind die nicht zu lesen :wink: