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Ein neues goldenes Zeitalter?

Verfasst: 8. März 2011 09:21
von breitsameter
Michael A. Stackpole wurde von SF-Signal interviewt - und er behauptet, das goldene Zeiten auf die Autoren zukommen. Das digitale Zeitalter würde völlig neue Formen erlauben, Romane müssten nicht mehr Ziegelsteine sein, und der Kontakt zu den Lesern würde enger, direkter werden, kurz: »It is an incredible time to be a writer, and is only going to get better.«
SFS: That's really fascinating. Does this digital revolution allow you different freedoms than before when it comes to expanding your own works? Were novellas such as the ones that you're thinking about really marketable to any magazines or other print sources, or does this completely open up what authors can write about?

MS: I'm not the first author to notice that this is the arrival of a golden era for writers. We can explore our worlds and characters in ways, as you suggest in your question, that haven't been open to us since the days of the pulp magazines. Because of some projects, and as research into ways we can approach fiction, I've been dipping back into the stories from the 1890s up through the 1950s. If Robert E. Howard were writing today, we'd never have heard of Conan because he only wrote one Conan novel in his life, and that was a paltry 75,000 words long. Right now traditional publishing doesn't have a use for anything that doesn't fit into the 100,000 word long novel box; but readers have a voracious appetite for it. Shorter and medium-length works will be coming back with a vengeance.

More importantly, writers get to return to being what we have always been: entertainers. Sure, stories can deal with lofty themes that illuminate the human condition; but they can do that in short forms as well as massive novels. Readers get to vote directly with dollars and with their opinions because of the net. Every author's website becomes his living room, and readers can interact with him there, asking questions, letting him know what they'd like to see more of. And the digital age makes it so much easier to interact with other authors, sharing things back and forth.

And my remark about the living room is never more true than when you look at being able to do a Twitter #hashtag chat in real time; or when you use something like Second Life where folks can come and actually hear an author doing a reading. I hold weekly office hours in Second Life, where readers and writers can come into one location, as questions about stories and their writing, hear about what's going on in the industry and all. And I do readings there, affording folks a chance that they only get if I come to a convention near them.

Contrast that with Robert E. Howard living in the middle of nowhere in Texas and only being able to interact with his fans and peers by snail-mail or when someone like E. Hoffman Price decided to drive to Cross Plains to meet him. Heck, I've had conversations in Second Life about some of my books with people who've read them in translations I didn't even know had been made.

It is an incredible time to be a writer, and is only going to get better.
http://www.sfsignal.com/archives/2011/0 ... stackpole/

Re: Ein neues goldenes Zeitalter?

Verfasst: 8. März 2011 10:11
von Christoph
Shorter and medium-length works will be coming back with a vengeance.
Das wäre für mich kein goldenes Zeitalter. Kurgeschichten sind nicht mein Ding.
And my remark about the living room is never more true than when you look at being able to do a Twitter #hashtag chat in real time
Fehlt eigentlich nur noch das er Werbung für Facebook und geocaching macht. Ganz ehrlich, Feedback auf einer HP, in einem Forum mag schöne PR sein, aber eigentlich hätte ich statt dieser Mühe lieber schneller neue Romane von ihm bzw. Autoren die ich gerne lese. Das wäre ein goldenes Zeitalter.
It is an incredible time to be a writer, and is only going to get better.
So lange die EBookgeschichte nicht Kundenfreundlich und technisch ausgereift wird sehe ich hier nichts gutes. Und wenn man das Leistungsschutzrecht kommen sieht, die DRMs, die Interviews zur Preisgestalltung usw. kann ich ihm hier nicht recht geben.

Re: Ein neues goldenes Zeitalter?

Verfasst: 8. März 2011 10:38
von TT
Vor allem lösen all die neuen Publikationsformen das eine, entscheidende Problem nicht: Dass die Texte gelesen werden.
Denn es ist ja nicht so sehr das Problem, dass sie ihren Weg nicht vom Schriftsteller zum Leser finden, sondern das diese ihn in zunehmendem Maße überhaupt nicht finden möchten.

Wir leben in einer Welt, in der Ruhe und Muße abhanden gekommen sind. Überall lauern Ablenkungen, die alle nur das eine Ziel haben: unsere Aufmerksamkeit zu binden. Da hat ein Text - leise, unaufdringlich und mit Mühe behaftet - schlechte Karten.
Es sei denn, es bestünde in naher Zukunft eine Möglichkeit, ihn direkt mittels neuronaler Verbindungen auf unser Gehirn zu übertragen. Knopfdruck, Buch einspeisen, ausloggen. :wink:

Re: Ein neues goldenes Zeitalter?

Verfasst: 8. März 2011 11:08
von Helge
Meine erste Reaktion war nun auch ein dickes NEIN. Aber wenn ich gar nicht mal an die Zukunft denke, sondern daran, wie sich die Dinge in den letzten 2 Jahrzehnten entwickelt haben, wird doch eher ein JA daraus. Als ich selbst ernsthaft mit dem Schreiben anfing (das war Anfang der 90er), war es ein Riesenerfolgserlebnis, wenn man eine Story in einem Fanzine unterbringen konnte - Auflage meist deutlich unter 100 Stück. Vorausgesetzt, man fand überhaupt zu solchen Fanzines. Oder hatte gar das unglaubliche Glück, die Ausschreibung für einen Storywettbewerb zu entdecken. So etwas in Vor-Internet-Zeiten zu finden war außerordentlich schwierig. Das Book-on-demand-Verfahren gab es noch nicht, Kleinverlage gab es kaum. De facto waren Veröffentlichungsmöglichkeiten für angehende Autoren eigentlich nicht vorhanden. Wenn ich das mit der heutigen Situation vergleiche, dann herrschen heute geradezu paradiesische Zustände für angehende Autoren - und ich beziehe mich hier auf gedruckte Veröffentlichungen auf richtigem Papier. Und das dank neuer Technologien.

Re: Ein neues goldenes Zeitalter?

Verfasst: 8. März 2011 14:16
von Bungle
TT hat geschrieben:Vor allem lösen all die neuen Publikationsformen das eine, entscheidende Problem nicht: Dass die Texte gelesen werden.
Denn es ist ja nicht so sehr das Problem, dass sie ihren Weg nicht vom Schriftsteller zum Leser finden, sondern das diese ihn in zunehmendem Maße überhaupt nicht finden möchten.

Wir leben in einer Welt, in der Ruhe und Muße abhanden gekommen sind. Überall lauern Ablenkungen, die alle nur das eine Ziel haben: unsere Aufmerksamkeit zu binden. Da hat ein Text - leise, unaufdringlich und mit Mühe behaftet - schlechte Karten.
Es sei denn, es bestünde in naher Zukunft eine Möglichkeit, ihn direkt mittels neuronaler Verbindungen auf unser Gehirn zu übertragen. Knopfdruck, Buch einspeisen, ausloggen. :wink:
Stimmt schon, Kurzgeschichten werden es weiterhin schwer haben. Vielleicht kann der verbesserte Kontakt des Schriftstellers zum Leser einiges wettmachen. Eine neue Form der Leserbindung entsteht, ein persönlicher Bezug, der über die Aufmerksamkeitsschwelle hinweghilft.

MB

Re: Ein neues goldenes Zeitalter?

Verfasst: 8. März 2011 15:16
von muellermanfred
Seid mal nicht so negativ!

Möglicherweise ändern sich die Erzählformen. Schon jetzt twittern Autoren den Stand der Dinge und wägen ab, welche Hölle sie ihren Hauptfiguren als nächstes zumuten sollen. Und die Leser antworten - durchaus möglich, daß sie den Dingen eine Wendung geben, die der Autor so vorher gar nicht im Sinn hatte. Da gibt die Interaktion den Dingen die Richtung.

Re: Ein neues goldenes Zeitalter?

Verfasst: 9. März 2011 07:15
von Kringel
Genau: Romane abschaffen, Storys nur noch twittern. Den ganzen überflüssigen Erzähltext und die langweiligen Dialoge auf drei - vier Zeilen eindampfen. Das spart Zeit und strengt den Grips nicht so an. Das ist schön.

Re: Ein neues goldenes Zeitalter?

Verfasst: 9. März 2011 07:48
von Uschi Zietsch
Und jeder, der mitliest, hat eine Abbuchungsgenehmigung erteilt.

Re: Ein neues goldenes Zeitalter?

Verfasst: 9. März 2011 08:34
von Thomas Wawerka
Dazu fällt mir ein Zitat des Dude aus "The Big Lebowski" ein: "Also ich wichse immer noch mit der Hand." Kurzum: Die althergebrachte Weise, einen literarischen Text zu lesen (sei es ein Roman, sei es eine Kurzgeschichte) ist für mich nach wie vor die einzig richtige. Ich lümmle mich auf die Couch, habe ein Buch in der Hand und mache mir mit ihm eine angenehme Zeit. Sollten Bücher jemals abgeschafft oder durch "neue Medien" ersetzt werden, wäre das "goldene Zeitalter" für mich damit zuende.

Re: Ein neues goldenes Zeitalter?

Verfasst: 9. März 2011 20:57
von Helge
Thomas Wawerka hat geschrieben:Dazu fällt mir ein Zitat des Dude aus "The Big Lebowski" ein: "Also ich wichse immer noch mit der Hand."
Aber es gibt doch Tengas! :smokin
Naja, wie ich schon schrieb, sieht es ganz so aus, als ob die ganz konventionelle Buchveröffentlichung von den neuen Techniken eher profitiert. Schon vor Jahren gab es ein Geschrei, dass die Presse durch das Internet aussterben würde. Die Tageszeitungen haben tatsächlich einen ordentlichen Schwund erlebt - aber ganz ehrlich: Papier, das nur einen einzigen Tag aktuell ist und am nächsten weggeschmissen wird, muss auch wirklich nicht sein. Die Zeitschriften, also monatlichen Magazine usw. haben ganz im Gegenteil ordentlich zugelegt. Durch die Computer, durch das Internet. Dutzende neue sind überhaupt erst dadurch entstanden.
Das Kino hat das Theater nicht ersetzt und das Fernsehen nicht das Radio (und das Kino auch nicht). Und je mehr Tonspeichermedien es gibt und je leichter die verfügbar sind, desto mehr Geld geben die Leute für Konzerte aus. Und Diejenigen, die seit 2 Jahrzehnten das E-Book als Buchersatz der Zukunft anpreisen, beginnen sich jetzt schon lächerlich zu machen.