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Hugo Cabret

Verfasst: 20. Februar 2012 17:11
von Gast09
Mit etwas Wohlwollen fällt dieser Film unter den 'und-Co.-Bereich' des Hauptforums, vergleichbar mit Indiana Jones und Twilight.
Und ich denke, hier gehört er auch hin.
Der Film ist eine Hommage an das Medium Film an sich. Dabei dreht sich alles um George Melies, einem der ersten großen Filmproduzenten überhaupt. Seine Lebensgeschichte steht im Mittelpunkt; siehe kurzen Auszug aus Wikipedia hier:
Während des ersten Weltkrieges trat Méliès als Varietékünstler auf und verlor sein gesamtes Vermögen. Nachdem seine erste Frau Eugénie 1913 verstorben war, heiratete er 1925 seine zweite Frau Jeanne d'Alcy (Fanny Manieux). Mit ihr betrieb er bis 1932 einen Spielzeugladen in der Metrostation Montparnasse, den sie kurz zuvor erworben hatte. Als Filmschaffender war er zu dieser Zeit vergessen, bis 1929 einige seiner Werke auftauchten und Filmjournalisten wieder über ihn berichteten. 1931 bekam er das Kreuz der Ehrenlegion verliehen, das ihm von Louis Lumière angehängt wurde. Ab 1932 ermöglichten andere Filmschaffende ihm und seiner Frau den Aufenthalt in einer Altersresidenz in Orly. Hier starb er am 21. Januar 1938. Sein Grab liegt auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise.
Melies drehte SF und Fantasy, es werden Ausschnitte gezeigt.
Der Titelheld lebt komplett auf dem Bhf Montparnasse. Dort repariert er Uhren. Niemand weiß, dass das eigentlich sein Vater machen sollte, dieser aber tot ist . Hugo gerät durch Zufall an den Spielwarenhändler.
Mehr von der Handlung möchte ich nicht verraten.
Der Film ist technisch brilliant. Ständig drehen sich Zahnräder und kompliziertes Gewerk, das alles in 3D ist wirklich ein Ereignis wenn die Kamera da durchfährt oder Hugo im Gebälk des Bahnhofs herumklettert. Bereits die erste lange Kamerafahrt durch den ganzen Bahnhof ist sehenswert, nur noch getoppt von der Kamerafahrt bei der Ankunft Claudia Cardinales in Whitewater.
Für meinen Geschmack ist der Film nicht rasant genug, er hat Längen. Aber das mag auch gut sein, denn Scorsese präsentiert Filmkunst, die keinerlei Ablenkung durch künstliche Action bedarf.
Auch die Nebenrollen sind gut besetzt; es gibt ein Wiedersehen mit Christopher Lee. Mitproduzent ist Jonny Depp.
Der Film ist für die Oscar-Verleihung nominiert.
Könnte ich nachvollziehen.
8/10 ins Publikum ragende Hundeköpfe
(Ich hätte auch 10/10 geben können, aber ich bin halt doch eher ein Fan der Rasanz)
Schaut euch diesen Film mal an. Bin auf Kommentare gespannt.
Gast09

Re: Hugo Cabret

Verfasst: 20. Februar 2012 17:26
von L.N. Muhr
Auf jeden Fall auch ein sehr schönes Buch!

Re: Hugo Cabret

Verfasst: 20. Februar 2012 17:36
von Olaf
Hab ihn bereits auch gesehn.
Ja, das 3D ist klasse, endlich mal richtig gut eingesetzt. Auch die Schauspieler sind gut besetzt. Aber an der Geschichte haperts doch etwas, die zieht sich zwischendurch ganz schön.
Vor allem wurde man die ganze Zeit auf die falsche Fährte gelockt, weil man ständig erwartete, daß der Automat noch eine Botschaft vom Vater ausspukte, während er in Wirklichkeit für die Geschichte fast komplett überflüssig war.
Von daher oscarwürdig vielleicht, aber auf keinen Fall Bester Film, sondern "nur" beste Special-Effects. Auch The Artist halte ich für keinen geigneten Kandidaten für den Besten Film.

Re: Hugo Cabret

Verfasst: 20. Februar 2012 17:49
von Andreas Eschbach
Das ist als Buch äußerst bemerkenswert gemacht. Text wechselt sich immer wieder ab mit Abfolgen seitengroßer Grafiken, die man durchblättert und die einen nahezu filmhaften Eindruck machen. Obwohl es dick aussieht, ist es sehr schnell durchgelesen und definitiv eines der ungewöhnlichsten Bücher, die ich besitze. Buchkunst für jedermann, sozusagen.

Meine Empfehlung.

Und den Film schau ich mir natürlich auch an. In 3D.

Re: Hugo Cabret

Verfasst: 20. Februar 2012 17:57
von L.N. Muhr
Andreas Eschbach hat geschrieben:Das ist als Buch äußerst bemerkenswert gemacht. Text wechselt sich immer wieder ab mit Abfolgen seitengroßer Grafiken, die man durchblättert und die einen nahezu filmhaften Eindruck machen.
Nennt sich "Comic". :wink:

Tatsächlich hat der Band ja den Max-&-Moritz-Preis erhalten. Und zumindest die grafischen Bestandteile sind der Funktion nach klassischer Comic.

Hugo Cabret

Verfasst: 21. Februar 2012 18:31
von Pogopuschel
Hugo Cabret
Was für eine wundervolle Liebeserklärung ans Kino. Das ist für mich ein ganz heißer Kandidat auf den Film des Jahres. Es ist schon sehr lange her, dass mich ein Film im Kino so verzaubern konnte und zum Staunen gebracht hat. Dazu 3D Effekte, die selbst einen 3D-Verweigerer wie mich zu schwärmen bringen. Da zeigt der 70 jährige Martin Scorsese den ganzen jungen Larmarschkonvertierern, wo der Hammer hängt. So lange es solche Filme gib, mache ich mir keine Sorgen ums Kino.

10 von 10 Raketen im Mond

Re: Hugo Cabret

Verfasst: 25. Februar 2012 09:35
von Des_Orphan
Pogopuschel hat geschrieben:Hugo Cabret
(...)Das ist für mich ein ganz heißer Kandidat auf den Film des Jahres. (...)
10 von 10 Raketen im Mond
Habe das Buch gelesen, was mich sehr berührte; und ob seiner Gestaltung auch faszinierte.
Der Film hingegen ist seeeehr gedehnt und genau das ist auch sein Nachteil.
Während das Buch bei der Charakterzeichnung sehr schön ausbalanciert ist, verliert sich der Film in der Auswalzung völlig unbedeutender Nebenfiguren.
Vieles grenzt an Selbstverliebtheit des Regisseurs mit dem Stoff und das tut dem Gesamtprodukt nicht gut.
Die Schauspieler hingegen sind alle sehr gut, wenngleich auch nicht überragend.
Insgesamt ein netter Film für Kinder und Jugendliche, den die Vorlage jedoch um Längen schlägt.

Re: Hugo Cabret

Verfasst: 25. Februar 2012 11:52
von Andreas Eschbach
L.N. Muhr hat geschrieben:
Andreas Eschbach hat geschrieben:Das ist als Buch äußerst bemerkenswert gemacht. Text wechselt sich immer wieder ab mit Abfolgen seitengroßer Grafiken, die man durchblättert und die einen nahezu filmhaften Eindruck machen.
Nennt sich "Comic". :wink:
Hey – ich lebe in Frankreich. Kann man nicht, ohne mitzukriegen, was ein Comic ist ... :wink:

Das Neue an dem Buch fand ich die Übergänge vom einen ins andere. Das liest sich, als gäbe es da einen Erzähler, der ab und zu Videos einspielt. Bloß dass alles im Kopf stattfindet statt auf einem iPad (wo man das technisch machen könnte, aber, na ja, es wäre nicht dasselbe).

Und das Faszinierende war, als mir gegen Schluss dämmerte, dass das nicht nur ein Effekt war, um mal was Neues zu machen und viele Seiten zu produzieren, sondern dass es ja mit dem Thema, das sich so allmählich herausschälte – bewegte Bilder, Film, dessen Anfänge – zu tun hatte. Wirklich beeindruckend und in dieser Wirkung von einem "richtigen" (HiTech-)Film nicht einholbar; das sollte man auch nicht erwarten.

Re: Hugo Cabret

Verfasst: 25. Februar 2012 12:48
von Pogopuschel
Des_Orphan hat geschrieben:
Pogopuschel hat geschrieben:Hugo Cabret
Insgesamt ein netter Film für Kinder und Jugendliche, den die Vorlage jedoch um Längen schlägt.
Die Vorlage habe ich noch nicht gelesen.

Re: Hugo Cabret

Verfasst: 25. Februar 2012 19:38
von Des_Orphan
Pogopuschel hat geschrieben:Die Vorlage habe ich noch nicht gelesen.
Kann ich nur empfehlen!
Vor allem die Aufmachung des Buches (zum Teil Bildergeschichte, zum Teil Roman) ist echt ungewohnt und macht sehr viel Spaß.
Für einen Comic hingegen halte ich es nicht, da bei den Bildern die Sprechblasen fehlen :)
Hervorzuheben ist noch, dass die Bilder alle vom Autoren stammen und teilweise wie eine Art Damenkino wirken; meine Güte: was für eine Arbeit! :prima:

Re: Hugo Cabret

Verfasst: 25. Februar 2012 19:58
von Uschi Zietsch
Damenkino? Schelm, du!

Re: Hugo Cabret

Verfasst: 25. Februar 2012 20:02
von Frank Böhmert
Uschi Zietsch hat geschrieben:Damenkino? Schelm, du!
Für Damen kann man gar nicht Schelm genug sein.

Re: Hugo Cabret

Verfasst: 26. Februar 2012 09:24
von Des_Orphan
Uschi Zietsch hat geschrieben:Damenkino? Schelm, du!
Ja, ich hab's faustdick hinter den Ohren...und, wie kürzlich publik wurde, ein u- Problem :oops:

Re: Hugo Cabret

Verfasst: 27. Februar 2012 22:25
von Uschi Zietsch
Was für ein wunderschöner und ergreifender Film! Wendeltreppen, Uhren und Zahnräder, was will das Herz mehr. Und ich muss ebenfalls zustimmen: Ein echter 3D-Film (absolut alles ist 3D), für den die Technik ganz explizit für die Perspektiven eingesetzt wurde, aber nicht übertrieben und technikverliebt, sondern ein Fest fürs Auge.
Und der junge Hugo-Darsteller hätte sowas von den Oscar verdient gehabt, er hat absolut jeden einzelnen im Film gnadenlos an die Wand gespielt. Eine absolut perfekte Leistung.
Umso nervtötender war leider das Mädel mit dem dämlichen Dauergrinsen; das einfach zu alt für die Rolle war (bzw zu sehr optisch auf alt getrimmt wurde) und sich andererseits unpassend kindlich verhalten hat. Der einzige Minuspunkt, ansonsten: alle Daumen hoch und *träum* ...

Ach, ich war ja noch gar nicht fertig. Christopher Lee im schönsten Buchladen der Welt! Ben Kingsley bestens besetzt! Und dieser Bahnhof, und Paris, und überhaupt alles.
Und noch einen Minuspunkt hab ich: kupierter Dobermann, nicht schön. Gar nicht schön. Auch, wenns die damals nicht anders gab: nicht schön.

schwärm ...

Re: Hugo Cabret

Verfasst: 20. April 2012 16:07
von Shepard
Ich fand ihn sehr beeindruckend, vor allem dass Sir Bens Figur wohl wirklich existiert hat.
Allerdings weiß man nicht genau, was der Film ist.
Ein Märchen/Fantasy? Ne basiert ja doch wage auf realen Begebenheiten.
Komödie? Ne nur im ganz klassischen Sinn, im herkömmlichen zu unlustig.
Kinderfilm? Aufgrund der Kino-Thematik irgendwie auch nicht.
Ich weiß es nicht, aber schön wars.