Thomas Wawerka hat geschrieben:
Wenn solche Fragen offiziell erörtert werden, nehme ich sie auch ernst.
Na ja, nur weil sie in dem Magazin abgedruckt sind, werden sie nicht "offiziell" erörtert. Im Gegenteil - das Blatt hat wohl einiges an Protesten zu verkraften.
Ich habe mir aber mal die Mühe gemacht, den Artikel tatsächlich anzulesen und muss zunächst mal eines feststellen: Ich hätte sofort aufmerken müssen, weil die Schlagzeile vom
Focus stammt. Wenn man sich den eigentlichen Artikel nämlich anschaut, geht es nicht um irgendwelche faschistoiden Fantastereien, sondern um ein Denkmodell aus der Philosophie-Ecke - nicht der Medizin. Ausgehend von einer Situation, in der schwere körperliche Schäden eines Neugeborenen erst nach Geburt festgestellt werden, die, sofern bereits in der Schwangerschaft festgestellt, eine Abtreibung rechtlich möglich gemacht hätten, stellen die Verfasser die Frage, ob die Situation tatsächlich so viel anders ist, nur weil das Neugeborene den Mutterleib verlassen hat. Darüberhinaus wird die Fragestellung erweitert, ob nicht generell Neugeborene moralisch noch keine Menschen im engeren Sinne sind.
Wie gesagt, die Verfasser sind Philosophen, keine Mediziner, keine Juristen. Das scheint mir schon von Bedeutung bei der Abschätzung, ob die Frage überhaupt jemals weiter kommt als dieses Stadium einer diskutierten These.
Eine durchaus interessante Erfahrung bietet der Artikel schon: alle Personalpronomina sind feminin. Grundsätzlich mal eine ganz nette Abwechslung - wenn ich im Kontext auch gerne darauf verzichtet hätte, weil es beinahe schon wieder wie böse Absicht erscheint.
Bsp:
http://jme.bmj.com/content/early/2012/0 ... 00411.full
A person might be ‘harmed’ when someone steals from her the winning lottery ticket even if she will never find out that her ticket was the winning one. Or a person might be ‘harmed’ if something were done to her at the stage of fetus which affects for the worse her quality of life as a person (eg, her mother took drugs during pregnancy), even if she is not aware of it. However, in such cases we are talking about a person who is at least in the condition to value the different situation she would have found herself in if she had not been harmed. And such a condition depends on the level of her mental development which in turn determines whether or not she is a ‘person’.
In diesem Absatz sieht man auch schon die Tendenz des Artikels: Es ist eine
philosophische Deduktion, ausgehend von einer These, die selbst nicht in Frage gestellt wird, obwohl die These an sich schon fragwürdig ist: Ist man erst dann Mensch, wenn man selbst denken kann? Darüber könnte man ein ganzes Fässerlager aufmachen, aber dazu hab ich jetzt keine Lust mehr.
Inhaltlich halte ich die gesamte These für gequirlte Sch... Quark.