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Angst vor der Gehirn-Kopie?

Verfasst: 2. April 2012 15:35
von breitsameter
Mal wieder wird das alte Thema der Künstlichen Intelligenz aufgekocht – und Angst vor der »Gehirn-Kopie« geschürt:
Neuro-Forschung: Angst vor der allmächtigen Gehirn-Kopie

Von Thomas Grüter

Forscher wollen intelligente Supercomputer nach dem Vorbild des menschlichen Gehirns bauen. Niemand weiß, ob das teure Vorhaben je gelingt - aber ein Erfolg könnte schlimmere Folgen für die Menschheit haben als ein Scheitern.
Schon im Jahre 1993 orakelte der Science-Fiction-Autor Vernor Vinge: "Innerhalb von 30 Jahren [also bis 2023] werden wir die technischen Mittel haben, eine übermenschliche Intelligenz zu schaffen. Kurze Zeit später wird die Ära der Menschen zu Ende gehen."
http://www.spiegel.de/wissenschaft/medi ... 28,00.html

Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Verfasst: 2. April 2012 16:11
von Uschi Zietsch
Wer mein Gehirn kopiert, ist selber schuld.

Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Verfasst: 2. April 2012 16:22
von Dirk
Dazu braucht's noch nicht mal DRM, denn bei mir ist eh nix zu kopieren :smokin

Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Verfasst: 2. April 2012 17:00
von valgard
Wollen ...
Ich will auch so Viel ...
Aber

lothar

Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Verfasst: 2. April 2012 17:12
von Bully
Was wird dann aus dem Spruch: "Herr, lass Hirn regnen?"
Wird vermutlich restlos ersetzt durch: "Wo lassen Sie denn denken." :(

Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Verfasst: 2. April 2012 19:24
von upanishad
Im heutigen Spiegel ist ein Bericht über die Konkurrenz zwischen emotio und ratio abgedruckt. Kernaussage (zumindest aus dem überfliegen heraus) ist, das die Menschen mehr von Gefühlen geleitet werden als sie es sich, gerade nach der Aufklärung, eingestehen möchten.
Dazu ist das Gehirn ja mit dem Körper vernetzt und interagiert mit diesem.

Lange Rede, kurzer Sinn: Was auch immer bei dem Versuch künstliche Gehirne zu schaffen herauskomen mag, es wird wohl "anders" werden.
Und Angst davor muss man vermutlich genaus soviel haben wir vor einer Pandemie, einem Kometenabsturz oder was auch immer.
Dieses Thema ist für mich mit zuvielen Unklarheiten behaftet, um verifizierbare Aussagen liefern zu können.

p.s.: Sollte "ich" kopiert werden, bitte ich um Verbesserung der Bereiche "merken von Namen" und "wer hat wann Geburtstag". :smokin

Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Verfasst: 2. April 2012 20:24
von Uschi Zietsch
Wir haben zwei Gehirne, das obige ist für die ratio (haha, was haben wir gelacht), und das Bauchgehirn ist für den gesamten Instinkt- und Emotionsbereich zuständig.
Die Sache mit dem "freien Willen" wird schon seit Jahren angezweifelt, vor allem, seit die Genforschung immer weiter voranschreitet. An- oder ausknipsen bedeutet Leben oder Tod, Serienkiller oder nicht, und vieles mehr.
Fest steht, dass wir keineswegs so schlau und selbstbestimmt und beherrschend sind wie wir annehmen.
Naja, wenn man sich anschaut, wie es auf der Erde zugeht, ist es auch nicht schwer zu glauben.

Also wenn, dann müssten "zwei Gehirne" kopiert werden, mit Denkprozessen allein ist es nicht getan.
Ich denke, wenn das passieren würde (also das mit dem Gehirn kopieren), würde die KI sehr schnell verrückt werden, weil unsere Denkprozesse mit resultierender Handlung allem folgen, nur nicht der Logik.

Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Verfasst: 2. April 2012 21:45
von Khaanara
Die sollten mal lieber "echte" Intelligenz erschaffen, als unser Gehirn zu kopieren. Manchmal zweifle ich, dass der Homo sapiens sapiens so etwas besitzt! :kaffee_muede:

Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Verfasst: 2. April 2012 22:33
von My.
Wer mein Gehirn kopiert, macht nur seinen schicken, neuen Computer kaputt.

My.

Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Verfasst: 3. April 2012 16:07
von Gast09
Ich bezweifle, dass das menschliche Gehirn in der Lage ist, sich selbst zu verstehen.
Sie werden also die für die entsprechenden Forschungsvorhaben beantragten und bewilligten Gelder mutig und großzügig ausgeben, der ein oder andere Dr. rer. nat. (bzw. das US-Äquivalent) wird ebenfalls verliehen werden und irgendwann wird irgendwas präsentiert werden, was sie 'Gehirn' nennen. Dieses 'Gehirn' wird sicher in der Lage sein, innerhalb von nano-Sekunden eine 22-stellige Primzahl auszurechnen.
Aber: einen Tautropfen auf einen Grashalm so beschreiben, wie es ein menschliches Gehirn täte, das kann es nicht.
Gast09
Ach ja, die oben gestellte Frage.
Nein, habe ich nicht.

Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Verfasst: 3. April 2012 17:08
von Bully
Uschi Zietsch hat geschrieben:...
Die Sache mit dem "freien Willen" wird schon seit Jahren angezweifelt, vor allem, seit die Genforschung immer weiter voranschreitet. ...
Eigentlich schon immer.

Andererseits gibt es die Heisenberg'sche Unschärfe einerseits und das Mehrkörperproblem in der Himmelsmechanik andererseits, wenn also Dinge, deren Verhalten man mit Formeln erfassen kann, nicht beliebig vorhersehbar sind, wie vorhersehbar sind dann wohl Menschen?
In der Praxis wird man menschliches Verhalten nie hinreichend vorhersehen können. Wahrscheinlich werden sogar zwei Kopien desselben Gehirnes manchmal unterschiedlicher Ansicht sein; mit "Bauchhirn" oder ohne.

Was jetzt die Sinnhaftigkeit des Projektes irgendwo infrage stellt, aber andererseits ist das bestimmt ein schönes Hobby.

Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Verfasst: 3. April 2012 22:54
von jeamy
Uschi Zietsch hat geschrieben: Die Sache mit dem "freien Willen" wird schon seit Jahren angezweifelt, vor allem, seit die Genforschung immer weiter voranschreitet.
ist doch egal. wir glauben, dass wir einen freien willen haben und sollen in unserem glauben auch nach kant handeln.
dass wir keinen freien willen haben (sollen), ist ja nicht erst seit benjamin libet ein thema. das bewusstsein hängt der realität eben ein paar millisekunden nach. na und?
es vergeht eben ein bisschen zeit, bis dem ICH die realität erklärt wird (wenn's nicht so wäre, wären wir im alltag nicht in der lage entscheidungen zu treffen). das heisst aber nicht, dass wir nicht herr im eigenen haus (körper, gehirn, whatever) sind.
und wenn man heisenberg mit in die entscheidungsfindung hineinnimmt, nunja, dann ergeben sich da einige lustige gedanken, die grundlage für viele sf-stories sein könnten. ;)

Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Verfasst: 4. April 2012 07:05
von Kringel
Solange es keine gescheite Software für so ein kopiertes Ding gibt, braucht man sich die Mühe gar nicht zu machen.

Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Verfasst: 5. April 2012 19:16
von KarlOlsberg
Neuro-Forschung: Angst vor der allmächtigen Gehirn-Kopie

Von Thomas Grüter

Forscher wollen intelligente Supercomputer nach dem Vorbild des menschlichen Gehirns bauen. Niemand weiß, ob das teure Vorhaben je gelingt - aber ein Erfolg könnte schlimmere Folgen für die Menschheit haben als ein Scheitern.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/medi ... 28,00.html

Mir hat sich noch nie erschlossen, warum man versuchen sollte, das menschliche Gehirn zu kopieren. "Intelligenz" (wie immer man die definiert) ist nicht von einer bestimmten Organisationsstruktur abhängig, wie wir sie in unserem Kopf haben. Höchstwahrscheinlich haben wir mit dem Internet schon eine Struktur geschaffen, die sowohl komplexer als auch leistungsfähiger ist als ein menschliches Gehirn.

Für mich ist nicht die Frage, ob Computer irgendwann mal genauso denken können wie Menschen. Autos haben schließlich auch nicht längere Beine als wir, um sich schneller fortbewegen zu können - das macht auch wenig Sinn. Die für mich spannende Frage ist, ob es irgendetwas gibt, das Menschen können, Maschinen aber auf Dauer nicht. Ich bezweifle das entschieden und behaupte, dass jede x-beliebige menschliche Tätigkeit in naher Zukunft automatisierbar ist und automatisiert wird, inkl. dem Beschreiben eines Grashalms. Das einzige, was Maschinen nie so gut können werden wie Menschen, ist so zu sein wie Menschen. Aber Menschen haben wir ja auch so schon mehr als genug, warum sollten wir die nachbauen wollen (von der offensichtlichen, seit Jahrtausenden bewährten Methode mal abgesehen)?

Ob ich davor Angst habe, dass Maschinen intelligenter werden als wir? Warum sollte ich? Zu viel Intelligenz auf diesem Planeten ist nun wirklich nicht unser Problem. Ich habe selbst Bücher darüber geschrieben, dass es unabsehbare Folgen hat, wenn wir uns blind auf Technik verlassen, und dass die Technik uns irgendwann nicht mehr braucht, wie Sun-Gründer Bill Joy es formuliert hat. Aber im Unterschied zu ihm macht mir diese Vorstellung nicht so viel Angst. Ich glaube nicht daran, dass Maschinen irgendwann "die Weltherrschaft übernehmen" wie im Film Terminator. Wir konkurrieren nicht mit ihnen um gemeinsame Ressourcen, also gibt es auch keinen Grund für sie, Krieg gegen uns zu führen. Sie könnten uns höchstens "aus Versehen" ausrotten, so wie wir bereits tausende Spezies unabsichtlich ausgerottet haben, aber da Maschinen sich z.B. prima im Weltall oder unter der Erde ausbreiten können, glaube ich nicht daran.

Wir werden uns wohl eher selbst ausrotten, wenn auch vermutlich mit Hilfe von Maschinen (Siehe hier).

Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Verfasst: 5. April 2012 19:27
von KarlOlsberg
Bully hat geschrieben:
Andererseits gibt es die Heisenberg'sche Unschärfe einerseits und das Mehrkörperproblem in der Himmelsmechanik andererseits, wenn also Dinge, deren Verhalten man mit Formeln erfassen kann, nicht beliebig vorhersehbar sind, wie vorhersehbar sind dann wohl Menschen?
In der Praxis wird man menschliches Verhalten nie hinreichend vorhersehen können. Wahrscheinlich werden sogar zwei Kopien desselben Gehirnes manchmal unterschiedlicher Ansicht sein; mit "Bauchhirn" oder ohne.

Was jetzt die Sinnhaftigkeit des Projektes irgendwo infrage stellt, aber andererseits ist das bestimmt ein schönes Hobby.
Der Sinn eines Projekts zu - wie auch immer gearteter - "Künstlicher Intelligenz" kann es kaum sein, etwas zu schaffen, das "vorhersehbar" arbeitet. Das ist nämlich schon bei relativ simplen Softwaresystemen nicht mehr gegeben, sonst hätten wir nicht dauernd Computerprobleme. Unvorhersehbarkeit ist also keine typisch menschliche Eigenschaft und hat auch nicht viel mit Heisenbergscher Unschärfe zu tun, sondern wohnt allen komplexen Systemen inne und ist damit auch sehr gut reproduzierbar.

Ich sehe keinen prinzipiellen Grund, warum wir ein menschliches Gehirn nicht nachbauen können sollten - die Natur hat es schließlich auch irgendwie geschafft. Ich sehe allerdings auch nicht viele Gründe, das zu versuchen - außer man nutzt den Versuch in erster Linie, um unser Gehirn besser zu verstehen. Und im Grunde liegt genau darin der wesentliche Erkenntnisgewinn aller KI seit Weizenbaums "Eliza": Dass wir, indem wir versucht haben, Intelligenz künstlich zu simulieren, die natürliche besser verstanden haben.