Thomas Wawerka hat geschrieben:Ein britischer Wissenschaftler macht seit den (ich glaub) 70er Jahren eine Langzeitstudie und hat rausgefunden, dass wir im Schnitt etwas kleiner und etwas dicker werden. Das ist bisher alles.
Dann sind die US-Amerikaner also der Prototyp des Homo superior?
Ich dachte bisher, in den letzten Generationen wäre die Durchschnittsgröße gestiegen. Das die mittelalterlichen Leute sehr klein waren, war ja auf die Mangelernährung zurückzuführen. Aber seit die Ernährungslage in den Industrienationen gesichert ist, hat es doch einen Anstieg um einige Zentimeter gegeben. Das sich die Wachstumskurve nicht endlos fortsetzen kann, ist klar (sonst landet man bei Sergej Snegows Vision des kommunistischen Menschen der Zukunft [in "Menschen wie Götter"], der zweieinhalb Meter groß und mit einem genialen Wasserkopf ausgestattet ist), aber ein paar Zentimeter mehr sind allemal drin.
Spekulationen über menschliche Evolution sind allein daher schon wertlos, weil mittels Gentechnik massiv Einfluss genommen werden kann. Selbst wenn man nachweise könnte, das die natürliche Weiterentwicklung zu einem Hobbit-Artigen führte - fehlgeleitete Schönheitsideale würden die kommenden Generationen in Richtung (vermeintlich) ätherisch schöner, spindeldürrer Leute führen. Das sich ne Menge Leute in Nordamerika und Europa (fernab von rassistischen Vorurteilen) bei ihrem Nachwuchs wünschen, eher schön als klug zu werden, eher blond als rothaarig, eher blauäugig als anders, liegt in unseren Instinkten begründet: blond und blauäugig wird als besonders gesund assoziiert. Kurioserweise nicht als besonders intelligent (und das wiederum fernab jeder dümmlichen Witze). Wenn man seinen Nachwuchs designen könnte, würde man ihn dann so konzipieren, das er reale Überlebensvorteile hat (und ein gedrungener Körperbau ist sicher besser: die Körperoberfläche ist geringer, so das man weniger Wärmeverlust hat; das Kraft-Gewicht-Verhältnis ist effizienter, der Körperschwerpunkt bodenständiger), oder das er den instinktive Schönheitsidealen entspricht?
Freuen sich Elter mehr über einen pummeligen Streber oder über einen attraktiven Idioten? In meiner Umgebung finde ich leider zu viele Anzeichen dafür, das die Verpackung wichtiger zu sein scheint als der Inhalt.
Die jetzigen Schönheitsideale, so unrealistisch sie sind (denn kaum ein Mensch mit 1,85 Meter Körpergröße und 55 kg Gewicht ist gesund, belastbar oder auch nur kräftig zu nennen), könnten dank der Gentechnik zur Norm werden. Und dann werden extremere Ideale auftreten, denen die nachfolgenden Generationen angepasst würden.
Ist es nicht interessant, das ein altes SF-Klischee den unsagbar fortschrittlichen Alien als sehr groß und sehr dünn schildern (hallo, Topmodel-Ideal!), mit großem Schädel, riesigen Kulleraugen und kleinem Gesicht (hallo, Kindchenschema!)? Gibt es also irgendwo in unserer kulturellen Programmierung (quer durch alle Ethnien und Zeitalter) einen, man möchte schon fast sagen: einen Bug, einen Fehler, eine schadhafte Stelle, welche uns in eine künstlich geschaffene Sackgasse führen könnte?
Ich meine: propagierte Haarlosigkeit, prophezeiter Verlust des kleinen Fingers, Präferenz von Haar-, Haut- und Augenfarben: das erscheint beinahe nebensächlich, wenn man die Gefahr bedenkt, das eine gentechnische Zuchtwahl uns elementarer Eigenschaften beraubt, weil sie als "nicht dem Schönheitsideal" entsprechend aus dem verfügbaren Genpool gelöscht werden wie ein falsch platziertes Komma in einer E-Mail.
Es ist mir ehrlich scheißegal, wie meine Nachkommen aussehen: ich will nur, das sie gesund, klug und stark sein werden. Und ob sie dann einen Meter fünfzig oder zwei Meter fünfzig groß sind, ob sie kahl bis auf die Knochen sind oder ein Fell wie der Yeti haben, ist mir wurscht.