Dieter Schmitt hat geschrieben:
Zur Piraten-Anthologie werde ich mich nochmals äußern, wenn ich die Geschichten gelesen habe. Ich bin ein großer Freund von Kurzgeschichten, weil man sie auch bei Zeitnot immer mal zwischendurch lesen kann. Deswegen habe ich auch stets ein paar Anthos auf Reserve und suche mir je nach Gelegenheit Storys passender Länge raus.
Inzwischen habe ich über die Hälfte der Geschichten durch. Tatsächlich scheint Gernots Geschichte das Alleinstellungsmerkmal Science Fiction zu besetzen. Sie ist damit die originellste Story und nach meiner Meinung auch erzähltechnisch in den Top 3. Die anderen Geschichten sind fast durchweg klassische Piratengeschichten, weswegen ich das Buch jetzt wieder nach hinten in den Stapel packe, denn bei zu vielen ähnlichen Geschichten hintereinander brauche ich eine Pause. Das ist nicht negativ gemeint, ich lese grundsätzlich mehrere Storybände parallel.
Das Paperback vom net-Verlag sieht ansprechend aus und ist stabil gebunden. Ein gründliches Korrektorat hat auch stattgefunden (es ist wirklich ziemlich unwahrscheinlich, dass zwanzig Autor(inn)en ihre Manuskripte fast fehlerlos abgeliefert haben. Das weiß ich aus eigener Erfahrung

). Layout&Korrektorat sind also tadellos. Die meisten Geschichten halte ich für gelungen. Es stecken etliche gruselige Ideen dahinter. Die eine oder andere Geschichte hätte man, so denke ich, mit etwas Lektoratseinmischung noch verbessern können. Eine junge Autorin z.B. zeigt in ihrer Story großes Erzähltalent, startet aber etwas übereifrig mit einer Lawine von Adjektiven. Mit geringen Eingriffen hätte man daraus eine hervorragende Story machen können, so ist sie eben "nur" gut, weil die pathetische Überfrachtung den Lesefluss beeinträchtigt. Eine zweite, an sich beeindruckende Geschichte, ist wiederum zu kurz geraten. Der Autor versprüht hektisch auf wenigen Seiten die Ideen für einen ganzen Roman. Hier hätte ich als Lektor den Tipp gegeben, die Story zum Roman auszubauen und sie nicht als Kurzgeschichte zu "verheizen". In einer weiteren Geschichte wird die Fantastik der Ereignisse schlicht damit aufgelöst, dass alles nur ein Traum war. Für erfahrene Kurzgeschichtenleser ist das eine abgedroschene Pointe, das gab es schon zu häufig.
Mein Fazit: ein gelungener Kurzgeschichtenband mit vielen nett zu lesenden und spannenden Geschichten über Geheimnisse der Vergangenheit und verborgene Schätze, gewürzt mit Mystik und Übersinnlichem. Neben Gernots Geschichte haben mir (bisher) "Der Fluch der schwarzen Münze" (poetisch), "Green Devil" (spannend) und "Das Schicksal der Black Mermaid" (gruselig) am besten gefallen.