Baumi hat geschrieben:Letztlich geht es um das was wir empfinden und nicht um das was ist.
Yepp. Deswegen meine ich ja: Nix würde sich ändern. Unser Leben würde dadurch weder besser noch schlechter, weder reicher noch ärmer - es wäre das, was es bis jetzt ist: unser Leben halt. Ob ich eine Simulation bin, eine programmierte Maschine, mich im Zustand der Hypnose befinde, in einer Irrenenstalt vor mich hinvegetiere und mir mein Leben nur einbilde, ob ich das alles nur träume etc. pp., kurz: ob das alles "Illusion" ist oder "Wahrheit" - was ändert das? Ich empfinde mich eben als der, der ich bin, und daran würde ein evtl. Wissen um diverse Tatsachen nichts ändern. Ich denke, es zählt, was wir erleben udn erfahren, nicht was "ist". Wer kann das schon sagen. Es ist egal, was "ist" oder "sein" könnte.
Wer sich mit solchen Fragen ein bisschen beschäftigt, weiß ohnehin, dass unsere Wahrnehmungen und Erfahrungen nur einen Teilbereich dessen, was "ist" abdecken. Und den vielleicht nicht einmal adäquat. In der Philosophie hat das zum Konstruktivismus geführt, zur bescheidenen Einsicht in die Tatsache, dass wir nur Beobachter sind und uns unsere Weltsicht aus unseren Beobachtungen konstruieren, und dass das alles ist, was wir aussagen können. Aber das reicht ja auch.
Ich habe zu diesem Thema unzählige eMail-Diskussionen mit einem Kumpel geführt, der sich hier auch ab und zu mal rumtreibt. Habe viel daraus gelernt. In einem Punkt sind wir allerdings verschiedener Meinung: Er denkt, das "Wissen um" würde alles ändern. Er würde immer die blaue Pille nehmen und aus der Matrix ausbrechen. Ich hingegen frage mich: Wozu? Ist das nicht Weltflucht, Eskapismus, letztendlich ein Zeichen dafür, dass man hier und jetzt nicht zurechtkommt?
"Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen." Dieses Jesuswort aus dem Johannesevangelium halte ich für Unsinn. Erkenntnis, "Wissen um" etwas hat noch nie etwas bewirkt, jedenfalls nicht das Wissen allein. Das behaupten die Gnostiker seit ewig, aber es hat noch nie zu was geführt. Ich weiß, dass ich weniger Fleisch essen sollte und weniger Alkohol trinken sollte und und und ... gute Vorsätze fürs neue Jahr. Wüsste ich, dass ich eine Simulation bin, würde ich auch nichts besser machen - und auch nichts schlechter, weil sich das auch auf mein Erleben auswirken würde.
Das Einzige, was ich mir vorstellen kann: Wenn wir wüssten, dass diese Welt eine Simulation ist, und gleichzeitig wüssten, dass außerhalb der Simulation das Paradies ist, und dazu noch wüssten, dass wir durch den Tod dahin kommen, könnte evtl. die Selbstmordrate in die Höhe schnellen.