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Warum ihr euren koksenden Schwager nicht eure Pressetexte sc

Verfasst: 7. Februar 2013 14:43
von L.N. Muhr
Ich bin der Meinung, das gehört hierher.
Egal ob per Mail oder einem Rezensionsexemplar des aktuellen Releases beiliegend: als Musikredakteur wird man in Pressemitteilungen geradezu ertränkt. Aus irgendeinem Grund scheint es unter euch Hobbykünstlern ein weit verbreiteter Irrglaube zu sein, dass uns durch die immer gleichen Floskeln nicht auffällt, dass 90 Prozent der Dinge in diesen Texten erstunken und erlogen sind. Kleiner Tipp an dieser Stelle: Es ist schwer für jemanden so etwas wie Wohlwollen oder Sympathie aufzubringen, wenn der einen offenkundig für geistig zurückgeblieben hält.
http://noisey.vice.com/de/blog/warum-ih ... en-solltet

Hinter die Elfenohren,
Jungautoren!

Re: Warum ihr euren koksenden Schwager nicht eure Pressetext

Verfasst: 7. Februar 2013 14:51
von Olaf
Durchaus unterhaltsam der Text. :lol:

Re: Warum ihr euren koksenden Schwager nicht eure Pressetext

Verfasst: 7. Februar 2013 15:09
von Valerie J. Long
Genau! Hier kommt das Buch, auf das die Welt gewartet hat, und ich bin die Größte überhaupt! ... ähm, wartet mal, gab's dazu nicht diesen Asht-Faden?

Re: Warum ihr euren koksenden Schwager nicht eure Pressetext

Verfasst: 7. Februar 2013 15:16
von L.N. Muhr
Wir hatten solche Autorendarsteller hier schon mehrmals. Auch solche, die nicht Asht hießen. :wink:

Re: Warum ihr euren koksenden Schwager nicht eure Pressetext

Verfasst: 7. Februar 2013 15:31
von Bully
Dass das auch auf Schriftsteller oder sonstige Künstler übertragbar ist, ist klar.
Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Leute, denen man das am allermeisten ans Herz legen sollte, dass am allerwenigsten aufnehmen werden, weil bei denen der koksende Schwager die bessere, weil geistig fittere Alternative ist. ;-)

Re: Warum ihr euren koksenden Schwager nicht eure Pressetext

Verfasst: 7. Februar 2013 15:49
von Naut
Valerie J. Long hat geschrieben:Genau! Hier kommt das Buch, auf das die Welt gewartet hat, und ich bin die Größte überhaupt! ... ähm, wartet mal, gab's dazu nicht diesen Asht-Faden?
Echt jetzt? Mein Buch ist voll schlecht. Ich würde das nicht kaufen, weil ich 1. schon alle Geschichten kenne, 2. das Ding ein selbstgemaltes Cover hat, das nicht mal besonders viel mit dem Inhalt zu tun hat, nur mit einer Geschichte und 3. SF-Kurzgeschichten eh kein Schwein interessieren. Alle potentiellen Käufer bis auf 6 sind meiner meinung und haben das Buch ebenfalls nicht gekauft. Für die Leserunde auf Lovelybooks interessiert sich auch keiner, was ich gut verstehen kann, denn was könnte öder sein als von mir ein E-Book geschenkt zu bekommen und dann auch noch seine Meinung dazu sagen zu müssen?

Ich glaube, als nächstes schreibe ich lieber Fan-Fiction zu Shades of Goo oder wie das heißt, worin die Figuren gar keinen Sex haben, sondern nur die ganze Zeit am Job-Center in der Schlange stehen oder ihre Steuererklärung machen. Das verkaufe ich dann an Random House und werde stin-kend reich.

Re: Warum ihr euren koksenden Schwager nicht eure Pressetext

Verfasst: 7. Februar 2013 16:06
von Bully
"Schattierungen von Grau" ist eigentlich selbst ein Fan-Fic von Twilight, dem das "k" am Ende fehlt. Aus Urheberrechtsgründen ist die Vampir-Sache weggelassen worden. Und die Namen geändert.
Eine Fan-Fiction zu einer Fan-Fiction zu schreiben, sieht jetzt irgendwie wie "ideenlos" aus.
Wobei Dein Anatz schon nicht sooo schlecht ist. Kommen Zombies vor?

Re: Warum ihr euren koksenden Schwager nicht eure Pressetext

Verfasst: 7. Februar 2013 17:54
von Nina
Die müssen nicht vorkommen. Das Buch wird ein Klassiker und wie alle Klassiker wird es dann von einem anderen Autor "zombiefizifiert". Bild

Re: Warum ihr euren koksenden Schwager nicht eure Pressetext

Verfasst: 8. Februar 2013 07:58
von Naut
Bully hat geschrieben:"Schattierungen von Grau" ist eigentlich selbst ein Fan-Fic von Twilight, dem das "k" am Ende fehlt. Aus Urheberrechtsgründen ist die Vampir-Sache weggelassen worden. Und die Namen geändert.
Eine Fan-Fiction zu einer Fan-Fiction zu schreiben, sieht jetzt irgendwie wie "ideenlos" aus.
Wobei Dein Anatz schon nicht sooo schlecht ist. Kommen Zombies vor?
Weiß ich doch, das ist doch der Witz. :) Der aktuelle Buchmarkt kommt mir ein wenig vor wie ein Apfelmännchen: Wenn man einen Bestseller aufschlägt, findet man darin ganz viele, gleichartige Bestseller, die ihrerseits wieder ähnliche Bücher enthalten ... Twilight selbst kam mir schon wie Fan-Fiction vor, auch wenn ich die Vorlagen jetzt nicht benennen kann (vermutlich Dracula und irgendein Pubertätsschmonzes). Da ist es nur konsequent, das Pferd endgültig totzureiten.

Aber zurück zum Topic: Als ich so mit 17-23 in diversen Bands spielte, habe ich selbst solche Pressetexte verbrochen. Wir waren jung und dachten, das müsste so sein. Wenn ich aber denselben Marketingauswurf heute von über 40-Jährigen lesen muss, hält sich mein Verständnis doch sehr in Grenzen.

Re: Warum ihr euren koksenden Schwager nicht eure Pressetext

Verfasst: 8. Februar 2013 08:04
von Valerie J. Long
Naut hat geschrieben:Der aktuelle Buchmarkt kommt mir ein wenig vor wie ein Apfelmännchen: Wenn man einen Bestseller aufschlägt, findet man darin ganz viele, gleichartige Bestseller, die ihrerseits wieder ähnliche Bücher enthalten ...
Du meinst Dan Brown? :roll:

Oder man sieht bald sehr viele gleiche Apfelmännchen - lauter Kapuzenumhänge zum Beispiel. 8-)

Re: Warum ihr euren koksenden Schwager nicht eure Pressetext

Verfasst: 11. Februar 2013 16:12
von L.N. Muhr
„LANG ERWARTET“

Wenn eure Fanbase nur aus eurer alkoholkranken Mutter und den drei Exfreundinnen, mit denen ihr euch immer noch so blendend versteht, besteht, dann verwendet ihr bitte niemals die Worte „endlich“ und „lang erwartet“. Wenn euch niemand kennt, hat auch niemand darauf gewartet, dass ihr irgendetwas rausbringt. Von „sehnen“ ganz zu schweigen.
Mario Degas hat geschrieben:Die Zeit des Wartens hat ein Ende.

D.E.U.S. ist ab sofort wieder als Taschenbuch und Kindle-eBook erhältlich:

Ich sag ja, das passt hier.

Re: Warum ihr euren koksenden Schwager nicht eure Pressetext

Verfasst: 11. Februar 2013 17:37
von Nina
Aber umgekehrt bin ich auch in der Verlegenheit, einen Vorschlag für einen Klappentext zu schreiben. Was soll man denn sonst schreiben: "Möge der geneigte Leser das bescheidene Machwerk wohlwollend aufnehmen - wenn er denn will. Wenn nicht, ich mein ja nur ..."?
Oder auch bei Biographien. Klar schreibe ich da rein, wie toll und beliebt und erfolgreich ich bin. Die Wahrheit ... hm, die ist da ähm, irgendwo rechts daneben. Oder wars links? Oder mal eben fünf Meter drunter vergraben?

Gleiches gilt für Pressetexte. Und ja, man MUSS die in der dritten Person schreiben, weil kein Redakteur Lust hat, die Quintessenz aus einem ausufernden Geschwafel in der Ich-Form rauszuholen. (Eher noch im Hobbybereich, aber nicht, wenn das zum täglich Brot gehört.) Das Zauberwort bei der Presse heißt halt nicht "Bitte", sondern "Copy & Paste".

Es werden da natürlich Extrembeispiele genannt. Aber wenn man einen Pressetext vorformuliert, kommt man ohne eine gewisse Beschönigung/Selbstinszenierung nicht aus. Klar muss das nicht sein: "Von vielen Fans lange herbeigesehnt!" sein, wenn ich eine Kurzgeschichte in einer Anthologie untergebracht habe. (Und ja, man kann mit so was durchaus in ein Dorfblatt. Finde ich O.K. Unsere Nachbarin hat was Schönes gemacht. Die eine heilt Hunde mit Handauflegen, die andere ist bei den Goldhaubenfrauen und hat zu Hause x handbestickte Hauben und eine andere schreibt halt Geschichten. Mehr tut sich im Dorf ja nicht, selbst die "dramatischen" Meldungen sind meist so, dass die Feuerwehr einen großen, umgefallenen Stein entfernt hat, der ein Gartentor versperrt hat und dergl. Und nein, das sind reale Beispiele, insbesondere das letztgenannte.) Aber irgendwas muss her.

Wie gesagt, hier wurden natürlich Kombinationen von nichts können/völlig unerfahren sein/noch kaum öffentlich in Erscheinung getreten zu sein mit möglichst hochtrabenden Pressemeldungen kombiniert. Aber auch vernünftige Pressemeldungen funktionieren prinzipiell nach dem Prinzip.

Wie gesagt, die besten Chancen hat man mit vorformulierten Texten. Mit bescheidenen Anfragen in Kombination zu der Aufforderung, dass man sich gerne einem Interview stellen möchte, eigentlich die wenigsten. Einem normalen Menschen wird das immer komisch vorkommen, wie jemand, der dann tatsächlich einen Artikel gebacken kriegt, sich an die Presse wendet. (Bei bekannteren Künstlern macht es dann halt oft wer anderer. Aber selbst bei denen macht es oft keiner, und entweder er versumpert oder legt selbst Hand an.)

Übrigens das Beispiel aus dem Forum: Ja, das ist seltsam. Ich denke, kaum jemand dürfte den Herrn kennen. Und er hat keinen richtigen Verlag.
Andererseits, nehmen wir mal an unser lieber Dirk hätte zu zu seinem neuesten Tentakelroman "Lang erwartet" dazugeschrieben: Ich glaub da wäre mal durchaus wohlwollend.

Es wird in dem Artikel auch letztendlich nicht gesagt, wie jemand verfahren soll, sondern in dem Artikel letztendlich nur zweierlei Maß angelegt, wer was darf. Finde ich auch hilfreich für allzu euphorische Jungkünstler, allerdings könnte man ihnen auch sagen, wie sie den Mittelweg zwischen "Langerwartet! Endlich wieder da!" und einer vernünftigen, positiv gestalteten Pressemeldung gehen könnten. - Und nein, Pressemeldungen stehen nicht nur denen zu, die schon viel erreicht haben. Es ist vielmehr ein ständiges Hin und Her zwischen Arbeit - Veröffentlichung - Berichterstattung - besseren Angeboten durch Berichterstattung - neuer Arbeit ..., was sich im besten Fall langsam so aufschaukelt, dass die Person bekannt wird.

Re: Warum ihr euren koksenden Schwager nicht eure Pressetext

Verfasst: 11. Februar 2013 17:42
von L.N. Muhr
Ich hatte in allen Klappentexten etc., die ich verfasst habe, noch nie ein Problem damit, ohne die Floskeln auszukommen. Sogar da, wo sie stimmten.

Und in Bios schreibe ich rein, was ich getan habe. Paradox: je mehr ich getan habe, desto kürzer werden diese Texte. Weil ich's nicht nötig habe, mit jedem Pfurz anzugeben. (Spreuvomweizen.)

Re: Warum ihr euren koksenden Schwager nicht eure Pressetext

Verfasst: 11. Februar 2013 17:50
von Valerie J. Long
Nina hat geschrieben:Aber umgekehrt bin ich auch in der Verlegenheit, einen Vorschlag für einen Klappentext zu schreiben. Was soll man denn sonst schreiben: "Möge der geneigte Leser das bescheidene Machwerk wohlwollend aufnehmen - wenn er denn will. Wenn nicht, ich mein ja nur ..."?
Ich dachte, in den Klappentext gehört eine Art Inhaltsangabe, die den Leser neugierig machen soll?

Re: Warum ihr euren koksenden Schwager nicht eure Pressetext

Verfasst: 11. Februar 2013 18:23
von Nina
Ja - und nein. Bei Romanen mag das funktionieren, wobei hier auch oft was Tolles vorgeschoben ist (bei großen Verlagen ist es halt so, dass Arthur C. Clarke was Tolles über den Roman von Rober Charles Wilson sagt oder irgendeine ähnliche Kombination wie mein blödes Beispiel) bei Kurzgeschichtenbänden allein wegen der Fülle an Beiträgen nicht. Protagonist A macht, Protagonsit B macht, Protagonist C macht ... das geht nicht. Da muss man halt zusammenfassend sagen, was so fein ist an der Sache.
Also bleibt fast nur eine gewisse Übertreibung. Fingerspitzengefühl ist da gefragt. Regeln, die man offiziell festhalten könnte, dürfte es nicht geben.

Das stört mich auch am Artikel. Es sind keine allgemeinen Regeln, sondern es wird bloß mit zweierlei Maß gemessen. Künstler X darf, Künstler Y nicht. Y macht sich auch lächerlich damit.
- Nehmen wir hingegen mal das Exposee bei Verlagsbewerbung. Das ist an und für sich gleich, ob bekannt oder unbekannt.