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Orson Scott Card vs. die Schwulen Amerikas
Verfasst: 13. Februar 2013 16:48
von L.N. Muhr
Wann wurde aus Orson Scott Card eigentlich so ein verbitterter Opa Hoppenstedt?
Zeus Comics will not be carrying the print edition of writer Orson Scott Card’s Superman.
Card sits on the board of the National Organization of Marriage which fights against marriage equality. His essays advocate the destruction of my relationship, that I am born of rape or abuse and that I am equated with pedophilia. These themes appear in his fiction as well.
It is shocking DC Comics would hire him to write Superman, a character whose ideals represent all of us.
If you replaced the word “homosexuals” in his essays with the words “women” or “jews” he would not be hired. But I’m not sure why its still okay to “have an opinion” about gays? This is about equality.
http://www.bleedingcool.com/2013/02/12/ ... -superman/
Card ist Aktivist bei NOM:
http://en.wikipedia.org/wiki/National_O ... r_Marriage
The National Organization for Marriage (NOM) is an American non-profit political organization established in 2007 to work against legalization of same-sex marriage in the United States.[1]
In seinen Schriften spricht er sich u.a. dafür aus:
- Homosexuellen die Bürgerrechte abzuerkennen
- jeglichen Staat, der Homosexuellenhehen gestattet, gewaltsam niederzuwerfen (aufgrund eines "biologischen Imperativs", der jede Art von Staatsrecht schlägt)
- Homosexuelle dürfen heiraten, nur halt jemand vom anderen Geschlecht
http://www.dailykos.com/story/2011/04/1 ... Scott-Card
Re: Orson Scott Card vs. die Schwulen Amerikas
Verfasst: 13. Februar 2013 17:42
von Doop
Opa Hoppenstedt? Eher ein Alfred Tetzlaff würde ich meinen.
Cards Einlassungen in Sachen Homosexualität und Schwulenehe gibt es schon seit langer Zeit. Das mag teilweise an seiner religiösen Prägung als Mormone liegen..., oder auch nicht, keine Ahnung.
Dass ein Mormone im Durchschnitt eher konservativ und politisch rechts eingestellt ist, ist eine Binsenweisheit. Aber was da von ihm kommt ist schon ziemlich hasserfüllt.
"Ender's Game" und vor allem "Speaker for the Dead", sowie die Alvin-Maker-Bücher werden dadurch nicht schlechter. Diese Thematik wird sicher nochmal mit deutlich größerer Wucht auf uns zukommen, wenn "Ender's Game" ins Kino kommt.
Ich halte es mit der Schwulenehe so: Ich bin mit einer Frau glücklich verheiratet. Wenn jetzt Männer Männer heiraten dürfen und Frauen Frauen - was tangiert es denn mich, meine Frau und meine Ehe? Nichts. Absolut nichts. Es entwertet nichts an meinem Lebensentwurf, an meiner Ehe an meinem Glück. Und da ich nicht wünsche, dass sich Leute wie Herr Card in meine sexuellen Praktiken einmischen, werde ich mich auch nicht in seine oder in die eines sonstigen Dritten einmischen. Es ist mir schlicht egal, was andere Menschen freiwillig und ohne Zwang miteinander treiben und ich glaube die Welt wäre besser, wenn das auch Card einsehen würde.
Schade ist nur dieser reflexhafte Boykottaufruf. Wie wäre es denn mal mit einem Aufruf, dass sich jeder Schwule ein Buch von ihm kauft, um ihm anhand der Tantiemenrechnung zu zeigen, wie viele es gibt, und dass sie ihn unheimlich gerne haben. Und vielleicht Briefaktionen mit "Orson wir lieben Deine Bücher. Und wir wollen ganz bestimmt nicht dass du schwul wirst. Du bist außerdem nicht unser Typ." Die "Erdrücken durch Knuddeln"-Taktik. Das wäre doch mal etwas richtig Originelles.
Seine Bücher sollte man ja unbedingt lesen. Jedenfalls die guten. Nicht alles aus seiner Feder ist toll, aber das Gute... meine Fresse. Das Gute gehört zum Kanon der Science Fiction. Und wenn ich jeden boykottiere, den ich für eine politische Pfeife halte, dann ... muss ich am Ende noch anfangen selbst zu schreiben. Und das will ich nun wirklich nicht lesen.

Re: Orson Scott Card vs. die Schwulen Amerikas
Verfasst: 14. Februar 2013 15:13
von L.N. Muhr
Wo siehst du einen Boykottaufruf?
Ein Händler führt die Hefte nicht. Das ist seine Entscheidung, aber kein Aufruf. Der letzte Link enthält sogar expplizit das Gegenteil eines Boykottaufrufes.
Re: Orson Scott Card vs. die Schwulen Amerikas
Verfasst: 14. Februar 2013 15:20
von Kringel
Genau, Opa Hoppenstedt will nur in Ruhe seine Marschmusik hören! So verbittert ist der gar nicht.
Re: Orson Scott Card vs. die Schwulen Amerikas
Verfasst: 14. Februar 2013 16:20
von Doop
L.N. Muhr hat geschrieben:Wo siehst du einen Boykottaufruf?
Ein Händler führt die Hefte nicht. Das ist seine Entscheidung, aber kein Aufruf. Der letzte Link enthält sogar expplizit das Gegenteil eines Boykottaufrufes.
Ich meine mich dunkel zu erinnern, dass woanders schon gelesen zu haben. Aber egal, ein Händler, der die Hefte nicht führt, weil er den Autor ablehnt, boykotiiert diesen jedenfalls selbst. Es ist legitim das zu tun, aber auch irgendwie so ... Zwanzigstes Jahrhundert. Besser er verkauft die Hefte und legt eine Woche lang jedem verkauften Heft von Card den Comic bei, in dem sich der alte Green Lantern als schwul outet. Oder den "Astonishing X-Men "-Comic, in dem Alpha Flights Nortstar seinen Freund heiratet. Von beiden lassen sich sicher ein paar Kilo Back Issues auftreiben. Das ganze als Marketing-Kampagne aufgezogen könnte evtl sogar mehr Geld einspielen als es kostet. Und Orson würde sich dolle ärgern!
Re: Orson Scott Card vs. die Schwulen Amerikas
Verfasst: 14. Februar 2013 16:41
von L.N. Muhr
Doop hat geschrieben:L.N. Muhr hat geschrieben:Wo siehst du einen Boykottaufruf?
Ein Händler führt die Hefte nicht. Das ist seine Entscheidung, aber kein Aufruf. Der letzte Link enthält sogar expplizit das Gegenteil eines Boykottaufrufes.
Ich meine mich dunkel zu erinnern, dass woanders schon gelesen zu haben. Aber egal, ein Händler, der die Hefte nicht führt, weil er den Autor ablehnt, boykotiiert diesen jedenfalls selbst.
Aber er ruft zu nichts auf.
Alle deine Vorschläge laufen darauf hinaus, dass er statt auf Umsatz zu verzichten, verlustreiche Aktionen ohne Zweck durchführen soll. UND gleichzeitig einen Comic verkaufen soll, der ihn offensichtlich ankotzt. (Und den er erstmal irgendwoher in entsprechender Stückzahl besorgen muss, weil das keine Hefte von dieser Woche sind.)*
Ich weiss nicht, mir kommt das vor, als würdest du grade sagen: der Händler soll sich besser ekeln und dafür auch noch Geld investieren, als die Quelle seines Ekels zu entsorgen.
Und Card, Marktliberaler, der er ist, würde sich nicht ärgern, weil es die Absatzzahlen seines Titels nicht beeinflusst.
Kommt mir irgendwie undurchdacht vor, dein Plan. Und ich bezweifle, dass du selbst in vergleichbarer Situation so handeln würdest.
*Und weitergedacht: der Leser, der das Gratisheft** bekommt, wird sich fragen was das soll. Oder auch nicht, vllt. weil er nur DC statt Marvel liest, oder weil er sich denkt dass es Zufall ist, dass es gerade diese Ausgabe ist. In Cards Comic geht es nämlich NULL um Homosexualität, und der Leser ist mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit liberal oder selbst schwul und muss nicht "erzogen" werden. Tauben nach Athen und so.
** Und noch weitergedacht halte ich schwule Superhelden oder Mutanten für kontraproduktiv, weil dort nur das Andere im Anderen verortet wird, nämlich in offenkundig nicht "normalen" Superhelden oder Mutanten. Ich denke nicht, dass das irgendwas bewirkt.
Re: Orson Scott Card vs. die Schwulen Amerikas
Verfasst: 14. Februar 2013 16:48
von Doop
Wenn das ganze mit Publicity verbunden wird, kann es den Umatz auch ankurbeln. Deshalb kann er die Aktion ja auch mit dem Vorbehalt verbinden "nur solange der Vorrat reicht". Und ob Card das wirklich freut? Ist er eher marktliberal oder eher schwulenfeindlich?
Ach ja, ihn kotzt doch weniger der Comic an als der Autor, oder?
Wie ist das eigentlich in der Branche? Erhält Card Prozente an verkauften Heften und TPBs oder einen Fixpreis für x Hefte? Oder Fixpreis plus Bonus?
Edit: Er müsste selbstverständlich auf den Grund der Aktion hinweisen. Auf der Homepage, im Shop. Den Leuten klar machen, dass Card homophob ist. Und dass das der Grund der Aktion ist.
Edit 2: Wenn man nach Orson Scott Card boycott googelt, kommt eine ganz erkleckliche Liste zusammen. Es gibt da schon Forderungen.
Re: Orson Scott Card vs. die Schwulen Amerikas
Verfasst: 14. Februar 2013 17:01
von L.N. Muhr
Doop hat geschrieben:Wenn das ganze mit Publicity verbunden wird, kann es den Umatz auch ankurbeln.
Die Publicity hat er doch so auch schon.
"Seht her, aus Protest gegen einen Comic verkaufe ich den UND packe sogar noch einen Gratiscomic oben drauf! Kommt alle her und kauft mir tonnenweise diesen Comic ab, den ich so sehr verachte!"
Bin ich der einzige, dem das bizarr, um nicht zu sagen widernatürlich vorkäme? Wer würde diesen Händler noch ernst nehmen? Wer würde nicht denken, dass er sich eigentlich bereichern will?
Nein, er hat die Publicity, indem er einen klaren Standpunkt einnimmt: keine Comics von Autoren, die Hate Speaches schreiben. Gleichzeitig lässt er jedem die Wahl, den Titel woanders zu kaufen und fordert auch nicht zum Boykott auf. Ein absolut liberales, lediglich den eigenen Standpunkt deutlich machendes Konzept. Um nicht zu sagen: ein ehrliches und sympathisches Konzept.
Royalties: DC zahlt Royalties bei Nachdrucken, für die Erstauflage gibt es das Honorar + Bonus bei besonders guten Vorbestellzahlen. Das Honorar gliedert sich in A, B, C und D-Kategorien, ist also nicht für alle gleich. (Alle Comicautoren waren gleich, nur manche waren gleicher.) Ein Autor an einer nebensächlichen Serie verdient also weniger als ein Autor an einer Erfolgsserie. (Vgl. z.B. "Perry Rhodan" vs. "Atlan" vs. "Mythor".)
Marvel zahlt keine Royalties bei Nachdrucken, außer bei Autoren, die sie besonders lieb haben.
Re: Orson Scott Card vs. die Schwulen Amerikas
Verfasst: 14. Februar 2013 17:10
von Doop
Das ist aber nicht nett von Marvel... Ich habe meine Marvel-Omnibus-Sammlung aber trotzdem lieb...

Re: Orson Scott Card vs. die Schwulen Amerikas
Verfasst: 14. Februar 2013 17:14
von L.N. Muhr
Marvel ist, um es vorsichtig zu formulieren, ein Scheißladen dank seiner Geschäftsführung.
Dass der Geschäftsführer stichprobenartig die Radiergummis zählt, ob es nicht zuviele pro Schreibtisch sind, ist kein Scherz. Bei Marvel regiert Scrooge.
Re: Orson Scott Card vs. die Schwulen Amerikas
Verfasst: 14. Februar 2013 17:27
von Doop
L.N. Muhr hat geschrieben:Dass der Geschäftsführer stichprobenartig die Radiergummis zählt, ob es nicht zuviele pro Schreibtisch sind, ist kein Scherz.
Eigentlich nur erklärbar durch das Chapter-11-Bankruptcy-Trauma von 1996... Irre.
Re: Orson Scott Card vs. die Schwulen Amerikas
Verfasst: 14. Februar 2013 17:31
von L.N. Muhr
Nö.
Der Laden wurde auf maximalen Profit getrimmt, um beim Verkauf an Disney ein optimales Ergebnis zu erzielen.
Ganz simpel.
Und Disney behält die Vorgehensweise einfach bei, ist ja auch die selbe Geschäftsführung geblieben.
Re: Orson Scott Card vs. die Schwulen Amerikas
Verfasst: 14. Februar 2013 17:36
von Anubizz
L.N. Muhr hat geschrieben:Wann wurde aus Orson Scott Card eigentlich so ein verbitterter ...
Doop hat geschrieben:... Alfred Tetzlaff ...[?]
Ich weiß nicht, ob er es jemals wurde oder immer schon war. Bereits 1990 rief er
in einem Artikel dazu auf, die zu dieser Zeit hier und da noch im US-Recht verankerten Gesetze, die gleichgeschlechtlichen Sex unter Strafe stellten, beizubehalten, um sie bedarfsweise einsetzen zu können. Achtung, der Artikel ist selbst für Cards Niveau außergewöhnllich verlogen, hasserfüllt und schmierig. Cards Homophobie fällt vielleicht
in letzter Zeit stärker auf, aber ich würde erst mal nicht vermuten, dass sie das Ergebnis zunehmender Verbitterung ist.
Übrigens gibt es selbst innerhalb des Mormonentums eine gewisse Bandbreite an Positionen gegenüber Schwulen und Lesben. Brandon Sanderson z.B. vertritt, wenn ich das richtig im Kopf habe, eher so eine Wischiwaschi-Haltung, derzufolge der Staat zwar ein Rechtsinstitut für gleichgeschlechtliche Paare einrichten dürfe, dieses aber nicht als Ehe bezeichnen solle (damit die Ehe, ähnlich wie in Deutschland, für gegengeschlechtliche Paare reserviert bliebe). Ob es auch Mormonen gibt, die gegen Diskriminierung von Lesben und Schwulen in ihrer Religionsgemeinschaft sind, weiß ich nicht.
P.S.: In diesem Zusammenhang von Boykott zu sprechen finde ich in etwa so sinnvoll, wie das Löschen von beleidigenden Kommentaren in einem Forum als Zensur zu bezeichnen.
Re: Orson Scott Card vs. die Schwulen Amerikas
Verfasst: 14. Februar 2013 17:46
von Doop
L.N. Muhr hat geschrieben:Nö.
Der Laden wurde auf maximalen Profit getrimmt, um beim Verkauf an Disney ein optimales Ergebnis zu erzielen.
Ah, das was man im M&A Business kennt unter dem Begriff "die Braut aufhübschen". Das machen die Verkäufer von Unternehmen regelmäßig.
Re: Orson Scott Card vs. die Schwulen Amerikas
Verfasst: 16. Februar 2013 20:09
von Montag
L.N. Muhr hat geschrieben:Bin ich der einzige, dem das bizarr, um nicht zu sagen widernatürlich vorkäme? Wer würde diesen Händler noch ernst nehmen? Wer würde nicht denken, dass er sich eigentlich bereichern will?
Nö, biste nicht. Ich finde Doops Idee schon lustig und finde es auch immer gut, wenn sich Fronten gar nicht erst so verhärten. Aber ich würde auch niemanden unterstützen, der mich ablehnt oder dessen Haltung ich widerlich finde. Warum sollte ein homosexueller Mensch Card auf die Schulter klopfen, wenn dieser ihn/sie ganz ganz tief zurück ins "closet" zurückschieben will.
Ich mein, es geht hier ja nicht um einen Lifestyle, welches Auto ich fahre oder welchen Fußballclub ich unterstütze. Wenn es nach Leuten wie Card geht, würde allein schon die Rechtsprechung klarmachen, dass es nicht okay ist, homosexuell zu sein. Im mildesten Fall heißt das, verstecken wer man ist.
Ich könnte mir nicht vorstellen, so was auch noch befördern zu wollen.