Die heute algebraische Notation mit + und - ist das Ergebnis einer Art von Evolutionsprozess. Sie ist sicher besser als das, was es in der Antike gegeben hat. Der Mathematiker Diophantos hatte schon ein System, Gleichungen "algebraisch" zu notieren, dieses bestand allerdings aus Abkürzungen griechischer Wörter und war nur schwer leserlich. Vor Diophant formulierte man mathematische Probleme ohnehin nur verbal oder geometrisch. So konnte man die Möglichkeit, durch reine Rechnerei auf neue Zusammenhänge zu kommen, nicht nutzen.
Das heutige System erlaubt viel besser, mit algebraischen Ausdrücken zu operieren, zu rechnen und neue Zusammenhänge zu sehen. Trotzdem ist es nicht der Weisheit letzter Schluss. Das schließe ich aus meiner Erfahrung als Mathematiklehrer:
In Aufgaben, die algebraische Umformungen erfordern, sind mindestens 90% aller Rechenfehler falsch gesetzte + bzw. -.
Vielleicht wäre für das händische Rechnen mit Formeln (das heute allerdings dank ausgereifter Computer-Algebrasysteme zusehens weniger wichtig wird) eine andere Notation besser, z. B. ähnlich wie bei Brüchen, dass man alle Größen mit + oben schreibt und alle mit - unten, oder dass man zur alten kaufmännischen Notation zurückgeht mit "roten Zahlen". Auch die Gleichheit des Minus als Vor- und Rechenzeichen ist zwar rechentechnisch gerechtfertigt, führt aber zu mancherlei Verwirrung.
Nachdem das jetztige System bereits so fest etabliert ist, dürfte eine grundlegende Änderung schwierig sein. Außerdem kann man nie sicher sein, ob es nicht eine "Verschlimmbesserung" wird. (Ich denke da an manche Details der Rechtschreibreform ...)