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Why I don't self-publish

Verfasst: 21. März 2013 13:59
von breitsameter
Charles Stross liefert in seinem Blog eine interessante Antwort auf die Frage, warum er seine Romane nicht selbst herausgibt:
I reckon 3 months of management time per self-published book is probably an optimistic, low-ball estimate. I should also note that, as a worker, my strength lies in generating crazy new ideas and hacking out new stories, not in sales accountancy, project management, and attention to fiddly details. (This is probably true for many if not most authors of fiction.)

Anyway: this is why I don't self-publish. Yes, I could do it. But it'd suck up a huge amount of time I would prefer to spend doing what I enjoy (writing) and force me to do stuff I do not enjoy (reading contracts, accounting, managing other people). The only sane way to do it would be to hire someone else to do all the boring crap on my behalf. And do you know what we call people who do that? We call them publishers.
http://www.antipope.org/charlie/blog-st ... blish.html

Die knappe Antwort: Es würde zuviel Zeit in Anspruch nehmen - Zeit, in der er lieber etwas neues schreiben will.

Re: Why I don't self-publish

Verfasst: 21. März 2013 14:27
von Andreas Eschbach
Wo er recht hat, hat er recht.

Re: Why I don't self-publish

Verfasst: 21. März 2013 14:42
von L.N. Muhr
Wären Autoren geborene Verleger, bräuchten sie keine Verleger mehr. Und andersrum.

Es gibt hervorragende Selbstpromoter und Selbstverleger, aber nicht jeder kann das.

Re: Why I don't self-publish

Verfasst: 21. März 2013 14:53
von andy
Ich komme nicht aus dieser Branche, aber ich habe in anderen Bereichen erlebt, wie Digitalisierung bestehende Märkte verändert hat.

Ich könnte mir vorstellen, dass mit neuer Software, neuen Plattformen und neuen Vertriebsmodellen der Aufwand, sich selbst zu verlegen, sinken wird. Soweit sinken, dass das für mehr Autoren interessant wird.

Und eventuell kommen mehr Autoren zu dem Ergebnis, dass es sich für sie in einfache rechnet, einen Teil der Verwertungskette selbst zu kontrollieren.

Aber wie gesagt: Hier schreibt ein Branchenfremder.

Andy

Re: Why I don't self-publish

Verfasst: 21. März 2013 15:01
von L.N. Muhr
andy hat geschrieben:Ich komme nicht aus dieser Branche, aber ich habe in anderen Bereichen erlebt, wie Digitalisierung bestehende Märkte verändert hat.

Ich könnte mir vorstellen, dass mit neuer Software, neuen Plattformen und neuen Vertriebsmodellen der Aufwand, sich selbst zu verlegen, sinken wird.
Nein. Also, ja, gewisse technische Prozeße werden vereinfacht.

Aber das Gros des zeitlichen Aufwandes liegt in Marketing und Buchhaltung. Und das wird nicht nennenswert schrumpfen, im Gegenteil. Als Selbstverleger fallen z.B. sämtliche Synergie-Effekte weg, die du in einem Verlagshaus nutzen kannst. Grade im Marketing musst du als Klein- und Selbstverleger ein vielfaches Rödeln, um diesen Mangel auch nur annähernd auszugleichen. Vom Vertrieb ganz zu schweigen.

Bitte beachte auch, dass hier von Self-Publishing die Rede ist. Das heisst oft, aber nicht ausschließlich E-Books und wird es auch nie ausschließlich bedeuten.

Re: Why I don't self-publish

Verfasst: 21. März 2013 18:28
von Uschi Zietsch
Marketing? Bei einem Großverlag, wenn du nicht Bestsellerautor bist? Dass ich nicht lache. Selbst ist der Autor, und dafür muss er auch noch bezahlen.
Als Bestsellerautor mag Stross recht haben. Er kann es sich leisten, zu schreiben und andere die Arbeit machen zu lassen. Ansonsten - nein.

Re: Why I don't self-publish

Verfasst: 21. März 2013 18:31
von Andreas Eschbach
andy hat geschrieben:Ich könnte mir vorstellen, dass mit neuer Software, neuen Plattformen und neuen Vertriebsmodellen der Aufwand, sich selbst zu verlegen, sinken wird. Soweit sinken, dass das für mehr Autoren interessant wird.
Man hat auch mal geglaubt, der Beruf des Grafikdesigners würde dank DTP-Software überflüssig werden ... :wink:

Re: Why I don't self-publish

Verfasst: 21. März 2013 18:34
von Olaf
Andreas Eschbach hat geschrieben:
andy hat geschrieben:Ich könnte mir vorstellen, dass mit neuer Software, neuen Plattformen und neuen Vertriebsmodellen der Aufwand, sich selbst zu verlegen, sinken wird. Soweit sinken, dass das für mehr Autoren interessant wird.
Man hat auch mal geglaubt, der Beruf des Grafikdesigners würde dank DTP-Software überflüssig werden ... :wink:
Gott sei dank nicht .....
Und Excel hat auch keinen Infografiker arbeitslos gemacht. ;-)

Re: Why I don't self-publish

Verfasst: 21. März 2013 18:42
von frankh
Na ja, der Aufwand ist in Wirklichkeit überschaubar, sowohl bei eBooks über KDP & Co. als auch bei CreateSpace.
Eine Buchhaltung braucht man erst, wenn man richtig Geld verdient. Das ist nicht unbedingt der Normalfall.

Das Problem ist ein anderes: Da es so einfach ist (und täglich einfacher wird), kann es auch (fast) jeder, der einen Computer bedienen kann. Und da es keine Qualitätskontrolle durch die Anbieter gibt, wird der Markt mit Unmengen von mehr oder weniger gelungenen eBooks überschwemmt.

Das macht den Markt und eine eigentlich sinnvolle Ergänzung des Angebots kaputt, denn woher soll der Leser wissen, ob ein Buch lesenswert ist oder der letzte Stuß? Er weiß es nicht und kauft deshalb nach Cover, Thematik und Kurzbeschreibung und natürlich auch nach dem Preis. Die Gesamtkaufkraft von eBook-Lesern nimmt aber nur unwesentlich zu, während das Angebot förmlich explodiert. Amazon & Co. ist das egal, weil alles Geld bringt. Für den einzelnen Autor, sofern er kein Vielschreiber ist, der jeden Monat einen neuen Titel auf den Markt wirft, ist die Entwicklung fatal. Man könnte es auch drastischer ausdrücken: Das Pferd Self-Publishing ist jetzt schon tot, nur haben es viele Reiter noch nicht bemerkt. ;)

Re: Why I don't self-publish

Verfasst: 21. März 2013 19:09
von Guido Latz
frankh hat geschrieben:Da es so einfach ist (und täglich einfacher wird), kann es auch (fast) jeder, der einen Computer bedienen kann. Und da es keine Qualitätskontrolle durch die Anbieter gibt, wird der Markt mit Unmengen von mehr oder weniger gelungenen eBooks überschwemmt.
Und? Das wurde er früher auch von Bod-Titeln und von DKZ-Titeln - die hat niemand für sich entdeckt und auch nicht gekauft.
frankh hat geschrieben: Das Pferd Self-Publishing ist jetzt schon tot, nur haben es viele Reiter noch nicht bemerkt. ;)
Hat es denn je gelebt? (von Ausnahmen abgesehen; aber es gewinnen auch jedes Jahr so und so viele im Lotto)

Re: Why I don't self-publish

Verfasst: 21. März 2013 20:01
von Nina
Ich möchte dem Artikel keinesfalls widersprechen. Allerdings ist es so, dass auch so von Autoren viel "boring crap" erwartet wird - auch von den Verlagen. Wobei ich den Unterschied darin sehe, ob es ein Verlag gerne möchte (jeder normale Verlag möchte das natürlich gerne) oder ob man unter Druck gesetzt wird.
Ihr wisst, dass ich für meine Verhältnisse ziemlich viel mache. Im Internet verbreiten, ab und zu Lesungen usw. Umgekehrt werde ich auch Sachen angefragt, ob ich die mache, wie z.B. Bücher zu verschicken. (GGf. signiert - gibt auch so Art Autorenzusammenschlüsse, die so was anbieten.) - Nö, interessiert mich nicht. Da müsste ich genau kalkulieren mit dem Porto, immer bereit sein zum Verschicken usw. Oder in Buchhandlungen fragen, ob sie das Buch ins Regal stellen. Warum ich? Ich bin doch kein Buchhandelsvertreter und auch kein Selbstverleger, der in seiner Verzweiflung alles mal durchprobiert.
Oder Rezensionsexemplare. Werden bei mir auch regelmäßig angefordert. (Was ich allerdings darauf zurückführe, dass durch Foren eben ein Gefühl der Nähe erzeugt wird - bei mir traut man sich dann, beim Verlag, obwohl naheliegender, nicht.) Aber das ist halt für mich alleine wegen der Kosten Verlagssache. (Wobei auch ein Verlag nicht an jeden Buchblogger schicken muss - aber ich fühl mich auch für das beste Medium nicht zuständig.) Oder Exemplare für Gewinnspiele.
Ich jage auch keine Flyer durch meinen Drucker und wenn ich von einem Verlag Flyer bekomme, verteile ich die schön stressfrei nach und nach und lasse mich nicht drängen, eine bestimmte Veranstaltung oder einen bestimmten Shop damit zu besuchen. Teilweise sind es aber nicht die Verlage, sondern die Autoren eines Projekts, die sich da gegenseitig unter Druck setzen. Erfahrene Verleger sind da in der Beziehung recht entspannt. Was gemacht wird, ist fein und bekommt ein virtuelles Schulterklopfen, was nicht gemacht wird - nun, ist ja der Normalfall, der keinen interessiert.

Ich ziehe da auch den Schlussstrich mit den Worten: Wenn ich das alles mache, könnte ich gleich selbst verlegen.

Klar kann man von Verlagen auch nicht alles erwarten und gerade kleine Verlage haben oft selbst nicht so tolle Möglichkeiten. Aber es gibt halt für alles Grenzen, u.a. auch, was ein Autor macht.
Aber wenn einer sich das alles ohnehin antut - und ja, das gibt es - sehe ich den Schritt zum Selbstverleger nicht so fern. Vor allem, wenn das Verkaufen eines Verlags sich ohnehin fast nur im Internet abspielt, also keinen nennenswerte Vertriebswege da sind - auf das Level kommt man als Selbstverleger auch schnell mal. Die Covergestaltung ist natürlich ein Problem, aber auch bei einem Verlag zu sein bewahrt nicht vor "Photoshop-Verbrechen".

Ich denke, die größten Probleme sind tatsächlich Vertrieb, Marketing und Lektorat. Man geht natürlich immer davon aus, wenn jemand bei einem grundsätzlich seriösen Verlag landet, dass alles in Butter ist, ist aber auch nicht immer so. Ich glaube, wenn wer die Möglichkeiten eines Charles Stross hat, wo die Bücher sogar in fremde Sprachen übersetzt werden, braucht man echt nicht lange übers Selbstverleger nachdenken. Bei anderen mag es eine Überlegung wert sein.

Re: Why I don't self-publish

Verfasst: 21. März 2013 22:11
von Valerie J. Long
Ich kenne beide Seiten - Selbstverlag in Deutsch, regulärer Verlag in Englisch.
Was nimmt mein Verleger mir ab? Lektorat und Cover.
Marketing ist auch bei den englischen Titeln mir überlassen. Den ganzen "boring crap" mache ich trotzdem. So ist es normal.

Re: Why I don't self-publish

Verfasst: 21. März 2013 22:22
von Nina
Und den Vertrieb, nehme ich an?
Weil das ist ein wichtiger Punkt. Bücher zu stapeln, jederzeit versenden können, sich das Ganze auch durchkalkulieren. Und wichtiger noch: Nennenswerte Vertriebswege abseits der eigenen Homepage. Barsortiment ist da so ein Stichwort.
Also das ist für mich ein entscheidender Verlagsvorteil gegenüber dem Selbstverlegen.

Re: Why I don't self-publish

Verfasst: 22. März 2013 07:23
von Valerie J. Long
Guter Punkt, Nina, aber als konsequenter SP überlasse ich den Vertrieb den Dienstleistern im Web. Stichwort "print on demand" - Amazon oder Lulu drucken, versenden, rechnen ab, und am Ende bekomme ich eine Überweisung.
Mit E-Books ist der Vertrieb endgültig kein Thema mehr.

Nachteil: Im Buchladen sind meine Titel nicht, klar. Das war eine bewusste Entscheidung, mit der ich leben muss. Nur, ganz ehrlich: Manche SF-Verlage, die ich hier im Forum entdeckt habe, habe ich bei Thalia oder Hugendubel noch nie bewusst wahrgenommen.

Re: Why I don't self-publish

Verfasst: 22. März 2013 07:54
von frankh
Nina hat geschrieben:Und den Vertrieb, nehme ich an?
Weil das ist ein wichtiger Punkt. Bücher zu stapeln, jederzeit versenden können, sich das Ganze auch durchkalkulieren. Und wichtiger noch: Nennenswerte Vertriebswege abseits der eigenen Homepage. Barsortiment ist da so ein Stichwort.
Also das ist für mich ein entscheidender Verlagsvorteil gegenüber dem Selbstverlegen.
Der Vertrieb spielt beim eBook keine Rolle mehr, da es eine ganze Reihe von Anbietern gibt, bei denen die Listung bei den Großhändlern und deren Portalen inklusive ist.
Bei CreateSpace-Büchern gibt es diese Möglichkeit nicht, weil sich Libri & Co. damit das Wasser abgraben würden.