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Science Fiction Bibliotheken
Verfasst: 26. Oktober 2003 04:38
von Ulrich
In den letzten Jahren habe ich immer wieder meine doppelten oder nicht benötigten Bücher an die Phantastische Bibliothek in Wetzlar abgegeben. Ich finde die Arbeit der Bibliothek, genauer deren Mitarbeiter, recht interessant. Deshalb habe ich nach ähnlichen Institutionen gesucht.
1989 ist die Phantastische Bibliothek in Wetzlar eröffnet worden. Sie sammelt alles zur Phantastik, was in deutscher Sprache erschienen ist (Science Fiction, Fantasy, Märchen, Sagen und Mythen etc.). Neben Romanen ist das auch die Sekundärliteratur. 100.000 Titel soll bereits der Bestand umfassen. Bekannt sind die Wetzlarer Tage der Phantastik, dieses Jahr mit dem Schwerpunkt „Künstliche Intelligenzen“. Früher hatte die Bibliothek eine eigene Internetseite. Ich weiß aber nicht, warum es diese nicht mehr gibt.
http://www.wetzlar-online.de/wzonline/kunkul/biblio.htm
Am Massachusetts Institute of Technology ist die MIT Science Fiction Society mit zugehöriger Bibliothek beheimatet. Von sich selber sagt sie aus “The world's largest open-shelf collection of science fiction is the MITSFS Library.” und “We have both fantasy and high-tech sf, including sf horror; our collection includes some foreign-language material and over 90% of all science fiction ever published in English.” Ich hatte vor Jahren eine Email hingeschickt, weil ich etwas wissen wollte, aber keine Antwort erhalten.
http://web.mit.edu/mitsfs/www/
In Toronto gibt es die Merril Collection of Science Fiction, Speculation and Fantasy der Toronto Public Library, “a non-circulating research collection of over 55,000 items of science fiction, fantasy and speculative fiction…”
http://www.tpl.toronto.on.ca/merril/home.htm
Und dann gibt es noch das Maison d’Ailleurs (Haus von Anderswo) in der Schweiz mit einem Bestand an 40.000 Titeln. In einem anderen Thread wurde gesagt, dass trotz der Dreisprachigkeit der Schweiz vor allem Französisch benutzt wird, zum Beispiel bei der Veröffentlichung des Programms.
http://www.ailleurs.ch
Verfasst: 26. Oktober 2003 12:38
von Bungle
Die Wetzlarer Bibliothek für Phantastik habe ich über die Jahre immer mal wieder besucht und zum Teil auch ein paar Bücher gespendet, unter anderem meine Magisterarbeit.
Deren Ausstattung ist personell und finanziell sehr dürftig (auch weil von der Stadt abhängig). Die Katalagisierung der 100.000 Bände (davon viele doppelt und dreifach vorhanden) ist wohl nur mit privater Hilfe möglich.
Aber da gibt es auch die privaten Bibliotheken oder besser Sammlungen. Die von Hans Jürgen Ehrig in Berlin ist fast genauso umfangreich wie die Wetzlarer Bibliothek.
Die Sammlung von Forrest Ackermann die ja nicht nur Bücher umfasste, betrug über 200.000 Teile, darunter zuletzt auch ein paar "Buchspenden" von mir.
Aber nun existiert sie nicht mehr - oder nur noch als Torso, denn Ackermann musste sie zum größten Teil verkaufen.

Verfasst: 26. Oktober 2003 13:13
von Ronni
Heinz-Jürgen Ehrig ist leider am 17. Oktober 2003 verstorben. Seine Witwe Marianne möchte die Sammlung erhalten und zumindest für Forschungszwecke verfügbar machen.
Heinz-Jürgen ist noch nicht beerdigt, aber die ersten Geier kreisen schon über der Sammlung, um diese zu zerfleddern.
Der Schock über den vollkommen unerwarteten Tod sitzt uns noch sehr in den Knochen. Der SF-Club Berlin, Andymon und Shayol werden versuchen, im Sinne von Heinz-Jürgen und nach den Wünschen von Marianne einen Förderverein für den Erhalt der Sammlung auf die Beine zu stellen.
Verfasst: 26. Oktober 2003 13:22
von Bungle
Danke für die Mitteilung, Ronni.
Mein Mitgefühl gilt Marianne Ehrig, ja besser bekannt als Marianne Sydow.
Ich hoffe, dass es Hans Jürgens Sammlung nicht so geht wie der von Forrest Ackermann. Das war nämlich ein großer Verlust auch für die Forschung. Ich wünsche den Berlinern viel Erfolg bei ihren Bemühungen.
Michael
Verfasst: 26. Oktober 2003 22:00
von Shock Wave Rider
Bungle hat geschrieben:[...] unter anderem meine Magisterarbeit.
Das interessiert mich jetzt aber.
Kannst Du mal den Titel angeben?
Verfasst: 27. Oktober 2003 18:08
von Ulrich
Bei der Phantastischen Bibliothek Wetzlar bin ich vor ein paar Jahren gewesen. Die Mitarbeiter waren total nett. Und dann habe ich mich als Mitglied des Förderkreises Phantastik in Wetzlar angemeldet, eigentlich habe ich bisher immer nur die Jahresbeiträge bezahlt. Aufgrund Platzmangels habe ich viele meiner Bücher der Bibliothek gegeben.
Es ist schade, wenn große Privatsammlungen auseinandergerissen werden und wertvolle Reihen verschwinden. Mit wertvoll meine ich nicht nur den Geldwert sondern auch den ideellen.
Verfasst: 14. November 2003 00:02
von Ulrich
Ronni hat geschrieben:Heinz-Jürgen Ehrig ist leider am 17. Oktober 2003 verstorben. Seine Witwe Marianne möchte die Sammlung erhalten und zumindest für Forschungszwecke verfügbar machen.
Heinz-Jürgen ist noch nicht beerdigt, aber die ersten Geier kreisen schon über der Sammlung, um diese zu zerfleddern.
Der Schock über den vollkommen unerwarteten Tod sitzt uns noch sehr in den Knochen. Der SF-Club Berlin, Andymon und Shayol werden versuchen, im Sinne von Heinz-Jürgen und nach den Wünschen von Marianne einen Förderverein für den Erhalt der Sammlung auf die Beine zu stellen.
Ich hoffe, dass es gelingt die Sammlung zu erhalten. Sehr bedauerlich, sollte sie einfach verschwinden.
Die Phantastische Bibliothek Wetzlar hatte die "Sammlung Wingold" erhalten, die die phantastische Literatur der DDR umfasste. Das ist besonders wichtig, weil nach der Wiedervereinigung bestimmt vieles an DDR-Literatur weggeworfen worden ist.
Verfasst: 14. November 2003 01:05
von Ulrich
In England gibt es die
Science Fiction Foundation Collection an der Liverpool Universität. Es ist die größte Science Fiction Sammlung in Großbritannien. Ebenso sind das John Wyndham Archiv und das Olaf Stapledon Archiv zu finden, die etliche Manuskripte und andere Materialien aufbewahren. Ideales Betätigungsfeld für Forscher. John Wyndham ist u.a. durch den Roman The Day of the Triffids bekannt geworden.
„Rare Book Collection“ an der University of Sydney
Verfasst: 16. November 2003 12:28
von Petra
An der University of Sydney gibt es die „Rare Book Collection“. Der Grundstock dieser Sammlung besteht aus der Hinterlassenschaft des Sammlers und Fan Ronald E. Graham. Laut Justine Larbalestier hat die University of Sydney dank dieser Hinterlassenschaft die größte öffentliche Sammlung von SF-Material weltweit. Die Sammlung enthält einen beträchtlichen Teil aller Sciencefiction-Romane und Magazine, die bis zu R. Grahams Tod im Jahr 1978 erschienen sind.
Unter anderem gibt es fast alle Hefte von Amazing, Astounding und Weird Tales. Dies hat Justine Larbalestier für ihr Buch The Battle of the Sexes in Science Fiction (2002) genutzt, aus dem ich die Info zur „Rare Book Collection“ habe. Ein Web-Link zur Collection ist mir nicht bekannt.
Larbalestier hat alle “Geschlechterkampf”-Geschichten, die in diesen drei Magazinen im Laufe der Jahre erschienen sind, ausgewertet (erstaunlich viele). Außerdem hat sie den „Zeitgeist“, die Einstellung des SF-Fandoms zu den sexbattle-Geschichten und zum Thema Frauen in der SF anhand der Leserbriefe ausgewertet. Sie zitiert ausführlich aus Leserbriefen von Asimov (damals noch ein einfacher Fan) zum Thema (sehr amüsant). Ohne die Sammlung wären die meisten Geschichten für Larbalestier unzugänglich gewesen und eine Analyse im Kontext des SF-Fandams unmöglich.
Übrigens war Larbalestiers Buch dieses Jahr für den Hugo nominiert. Es ist sehr lesbar und informativ, es ist wärmstens zu empfehlen.
Apropos Phantastischen Bibliothek in Wetzlar:
Gibt es irgendwo im Netz eine Seite, wo die ganzen Preisträger des Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar aufgeführt sind? Ich würde von meiner Website aus gerne darauf verlinken. Ich bin allerdings nicht optimistisch, nachdem mir Google nicht weiterhelfen konnte

.
Verfasst: 16. November 2003 16:01
von Ulrich
Hallo Petra! Vielen Dank für die Informationen.
Früher gab es den Link wetzlar.de/phbiblwz, aber die damalige Homepage der Phantastischen Bibliothek wurde nich besonders gut gepflegt.
Bei Interesse kann ich mal die Träger des Phantastik-Preises von 1983 bis 1995 auflisten, weil ich zu Hause eine alte Informationsbroschüre der Bibliothek habe. Der Rest lässt sich bestimmt auch finden. Das Logo der Bibliothek, der kleine Drache mit Buch, gefällt mir übrigens sehr.
Verfasst: 18. November 2003 14:54
von Ulrich
Desweiteren gibt es
The Eaton Collection, University of California, Riverside
Informaionen zu dieser Sammlung habe ich noch nicht gefunden.
Verfasst: 11. Dezember 2003 23:40
von Bungle
Shock Wave Rider hat geschrieben:Bungle hat geschrieben:[...] unter anderem meine Magisterarbeit.
Das interessiert mich jetzt aber.
Kannst Du mal den Titel angeben?
Für den Fall, dass es dich jetzt auch noch interessiert, SWR, der Titel lautet "Deutschprachige phantastische Erzählungen nach 1945" Erzählungen der Höhenkamm-Literatur (HE Nossack, Günter Kunert, ML Kaschnitz, u.a.). Aber ich habe die Geschichten alle gern gelesen und kann sie nur empfehlen.
Den Text gibt es nur als "Manuskript", vor 7 Jahren wollte Le Blanc ihn in die Schriftenreihe der Bibliothek aufnehmen, seitder bin ich bei derb Nachfrage vertröstet worden. Mal sehen, vielleicht muss ich noch weitere 7 Jahre warten oder bis sich die Finanzlage der Kommune und damit auch die von Wetzlar entspannt hat, so dass die Bibliothek im mehr Mitteln ausstatten können. Aber das könnte durchaus noch länger gehen...
Verfasst: 28. Januar 2004 19:26
von Ulrich
Kennt jemand das genau Thema der 17. Wetzlarer Tage der Phantastik aus dem Jahr 1997?
Nachtrag: Habe ich jetzt gefunden, es war "Draculas Wiederkehr".
2005 ist das Thema der Tage der Phantastik "Der Herr der Ringe". Leider nicht zeitgleich mit den Kinofilmen, aber bestimmt interessant.
Ideologie und Macht
24. Wetzlarer Tage der Phantastik
9. bis 12. September 2004
Themen: die Macht der Mythen, Dogmen, Ordnungsstrukturen, Zerstörung von Ideologien, Überwindung von Ideologien
In Zusammenhang mit der gossen Phantastik-Ausstellung „Andererseits – die Phantastik“ der Oberösterreichischen Museen in Linz
J. R. R. Tolkien: „Der Herr der Ringe“
25. Wetzlarer Tage der Phantastik
September 2005
In Zusammenarbeit mit der deutschen Tolkien-Gesellschaft, der Inklings Gesellschaft für Ästhetik und dem Ersten Deutschen Fantasy-Club