Töten Netflix und Co. das Buch?

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L.N. Muhr
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Re: Töten Netflix und Co. das Buch?

Ungelesener Beitrag von L.N. Muhr » 14. Juni 2018 12:07

Kurzgeschichten sind selten eskapistisch. Außerdem geht der gesamtgesellschaftliche Trend ja zu Großerzählungen. Eskapistische Literatur ist Familienersatz, die Leute wollen viel Zeit mit denselben Figuren verbringen, auch wenns jeden Tag nur zehn Minuten sind. Insofern sehe ich da keinen Widerspruch, wenn man die Natur des Menschen einbezieht statt der reinen Ratio.

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Re: Töten Netflix und Co. das Buch?

Ungelesener Beitrag von Badabumm » 14. Juni 2018 14:51

Bei einer 1800-seitigen Trilogie darf man zwischendurch ruhig mal einpennen. Insofern stimme ich L.N.Muhr zu: eine Kurzgeschichte von 100 Seiten erfordert mehr Aufmerksamkeit als 100 Seiten eines dicken Schinkens. Eine KS ist durchgetaktet, lässt Überflüssiges weg, zielt auf die Pointe. Eine KS lebt viel mehr vom Kopf als vom Bauch, weil die Idee und der Faden die Hauptrolle spielen. Wer da eine Seite überblättert, kriegt nichts mehr mit (überspitzt formuliert). Ein Fantasy-Schmöker ist dagegen wie Lindenstraße: man kann nach vier Wochen Pause immer wieder einsteigen. Treppenhausplausch in Buchform; erfüllt die menschliche Sehnsucht nach sozialem Umfeld, oft mit sich wiederholenden Dialogen und mit Charakteren, die sich selbst genug sind.
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Teddy
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Re: Töten Netflix und Co. das Buch?

Ungelesener Beitrag von Teddy » 14. Juni 2018 15:00

Steht KS für KurzStory? (Ich frag nur, damit du antworten kannst und den 5. Beanie bekommst.)

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Re: Töten Netflix und Co. das Buch?

Ungelesener Beitrag von Badabumm » 14. Juni 2018 15:09

Jaaaaaaaa! Ehrlich: auf den Beanie habe ich echt nicht geachtet! Echt!

Danke.

Und dann ist der 1000. Beitrag nur so'n Gelaber. Ohne philosophischen Tiefgrund, ohne Weltfriedensvorschlag, ohne Plot (das ist wohl das Schlimmste!).

Naja, doch was: es hätte entweder KG (Kurzgeschichte) oder SS (Short Story) heißen müssen. Dieses Denglisch (man denke an Back Factory ... haahaa) macht mich irre.
SS hat allerdings einen negativen Beigeschmack ...
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Re: Töten Netflix und Co. das Buch?

Ungelesener Beitrag von L.N. Muhr » 14. Juni 2018 15:25

Ja, und wie Max & Moritz in Kuchenteig gefangen wurden, das war eine Backlist.

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Re: Töten Netflix und Co. das Buch?

Ungelesener Beitrag von Badabumm » 14. Juni 2018 15:29

Ist das nicht ein Auflauf?
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Re: Töten Netflix und Co. das Buch?

Ungelesener Beitrag von Helge » 29. Juni 2018 21:43

Kringel hat geschrieben:
14. Juni 2018 06:46
Ich hatte ja gedacht, dass das heutige Konsumverhalten zu einem Revival der Kurzgeschichte führen würde. Da habe ich mich wohl geirrt.
Das Konsumverhalten sieht heute so aus, dass der typische Konsument sich sagen lässt, was er haben wollen soll, und die Unternehmen andererseits nicht das geringste Interesse daran haben, was er vielleicht tatsächlich wollen könnte. Und die weniger typischen haben sich darauf längst eingestellt und kaufen, sofern vorhanden, bei kleinen Alternativanbietern (in der Fantastik ja zum Glück vorhanden) oder sind zu Konsumverweigerern (soweit möglich) geworden.
Ausreichend hochentwickelte Magie ist nicht von Technologie zu unterscheiden.

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Re: Töten Netflix und Co. das Buch?

Ungelesener Beitrag von Teddy » 29. Juni 2018 23:15

Helge hat geschrieben:
29. Juni 2018 21:43
Das Konsumverhalten sieht heute so aus, dass der typische Konsument sich sagen lässt, was er haben wollen soll, und die Unternehmen andererseits nicht das geringste Interesse daran haben, was er vielleicht tatsächlich wollen könnte. Und die weniger typischen haben sich darauf längst eingestellt und kaufen, sofern vorhanden, bei kleinen Alternativanbietern (in der Fantastik ja zum Glück vorhanden) oder sind zu Konsumverweigerern (soweit möglich) geworden.
Gewagte These! Heißt das jetzt, dass dem Heyne-Verlag egal ist, dass ich gerne Stephen King lese? Oder lese ich Stephen King gar nicht gerne und tue es nur, weil Heyne es mir sagt?
Verlage wären doch wohl mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie nicht das geringste Interesse daran haben, was der
Leser tatsächlich will. Das Problem ist doch wohl eher, dass der Leser das selbst nicht so recht weiß, wenn es um etwas Neues geht. Der nächste Roman von King wird wieder ein Bestseller, das weiß jeder. Aber den nächsten King, also den nächsten Autor, der sich verkauft wie King, zu finden, das kann niemand.

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Re: Töten Netflix und Co. das Buch?

Ungelesener Beitrag von Ming der Grausame » 30. Juni 2018 01:18

Die meisten Verlage interessieren sich wirklich nicht dafür, was den Leser interessiert. Sie interessieren sich nur dafür, was die Käufer kaufen und das ist selten dasselbe.
„Weisen Sie Mittelmäßigkeit wie eine Seuche zurück, verbannen Sie sie aus ihrem Leben.“ – Buck Rogers

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Re: Töten Netflix und Co. das Buch?

Ungelesener Beitrag von Teddy » 30. Juni 2018 09:14

Ming der Grausame hat geschrieben:
30. Juni 2018 01:18
Die meisten Verlage interessieren sich wirklich nicht dafür, was den Leser interessiert. Sie interessieren sich nur dafür, was die Käufer kaufen und das ist selten dasselbe.
Noch eine gewagte These! Die meisten Leser kaufen nicht die Bücher, die sie interessieren.

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Re: Töten Netflix und Co. das Buch?

Ungelesener Beitrag von Stefan » 30. Juni 2018 10:53

Nö, so läuft die Verlegerei durchaus, in den Bereichen, in denen man Geld verdienen will. Es wird das verlegt, was gekauft wird. Wer es kauft, warum er kauft, was eigentlich in dem Buch drinsteht, das spielt keine vorrangige Rolle. Wenn manche Käufer ihre Bücher auch lesen, sie eventuell sogar gerne lesen: Nun ja, soll vorkommen. Ist aber nicht so wichtig.
Als Beispiel: Ich bin ja altgedienter Comicleser, und leider gibt es in einem Teilbereich dieses Marktes schon länger die unangenehme Entwicklung, dass manches nur noch gekauft wird, um im Regal schick auszusehen. Es geht dabei um auf edel getrimmte Neuausgaben älterer europäischer Comics, deren Zeit eigentlich schon abgelaufen sein sollte. Das ist ein nicht sehr großer Teil des Marktes, aber ein stabiler - noch. Ja, auch dabei kommt es vor, dass sehr gute Comics in sehr guter Ausgabe auf den Markt kommen, aber letzteres steht eben eigentlich nicht im Fokus.

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Re: Töten Netflix und Co. das Buch?

Ungelesener Beitrag von Teddy » 30. Juni 2018 11:45

Und wie viel Prozent des Buchmarkts soll das ausmachen? 0,01%? (Zumal ich es außerdem für eine Unterstellung halte, dass Leute, die sich aufwändige Gesamtausgaben kaufen, daran kein Interesse haben.)
Ich halte die Aussage, dass die meisten (>50%) Leser Bücher kaufen, an denen sie nicht interessiert sind, für haltlos. Oder gibt es hier im Forum jemanden, der seine Bücher i.d.R. nicht nach Interesse kauft?

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Re: Töten Netflix und Co. das Buch?

Ungelesener Beitrag von Ming der Grausame » 30. Juni 2018 14:52

Teddy hat geschrieben:
30. Juni 2018 09:14
Ming der Grausame hat geschrieben:
30. Juni 2018 01:18
Die meisten Verlage interessieren sich wirklich nicht dafür, was den Leser interessiert. Sie interessieren sich nur dafür, was die Käufer kaufen und das ist selten dasselbe.
Noch eine gewagte These! Die meisten Leser kaufen nicht die Bücher, die sie interessieren.
Ganz und gar nicht. Die meisten gekauften Bücher werden gar nicht gelesen, sie werden verschenkt. Die allermeisten Bücher landen dann direkt im Bücherschrank und werden danach nur zum Putzen angefasst. Den meisten genügt es gebildet zu wirken, gebildet sein ist hingegen dem Gros der Menschen schlicht viel zu anstrengend.
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Re: Töten Netflix und Co. das Buch?

Ungelesener Beitrag von Teddy » 30. Juni 2018 16:12

Ming der Grausame hat geschrieben:
30. Juni 2018 14:52
Teddy hat geschrieben:
30. Juni 2018 09:14
Ming der Grausame hat geschrieben:
30. Juni 2018 01:18
Die meisten Verlage interessieren sich wirklich nicht dafür, was den Leser interessiert. Sie interessieren sich nur dafür, was die Käufer kaufen und das ist selten dasselbe.
Noch eine gewagte These! Die meisten Leser kaufen nicht die Bücher, die sie interessieren.
Ganz und gar nicht. Die meisten gekauften Bücher werden gar nicht gelesen, sie werden verschenkt.
Ist das deine Meinung oder kannst du das belegen? Nenn doch mal Zahlen.
Ming der Grausame hat geschrieben:
30. Juni 2018 14:52
Die allermeisten Bücher landen dann direkt im Bücherschrank und werden danach nur zum Putzen angefasst. Den meisten genügt es gebildet zu wirken, gebildet sein ist hingegen dem Gros der Menschen schlicht viel zu anstrengend.
Meine Erfahrung ist völlig verschieden: Ich kenne Leute, die nicht oder kaum lesen und auch nirgends ein Bücherregal haben, und Leute, die viel lesen und dementsprechend viele Bücher rumstehen haben.

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Re: Töten Netflix und Co. das Buch?

Ungelesener Beitrag von Ming der Grausame » 30. Juni 2018 19:49

Teddy hat geschrieben:
30. Juni 2018 16:12
Ming der Grausame hat geschrieben:
30. Juni 2018 14:52
Teddy hat geschrieben:
30. Juni 2018 09:14
Ming der Grausame hat geschrieben:
30. Juni 2018 01:18
Die meisten Verlage interessieren sich wirklich nicht dafür, was den Leser interessiert. Sie interessieren sich nur dafür, was die Käufer kaufen und das ist selten dasselbe.
Noch eine gewagte These! Die meisten Leser kaufen nicht die Bücher, die sie interessieren.
Ganz und gar nicht. Die meisten gekauften Bücher werden gar nicht gelesen, sie werden verschenkt.
Ist das deine Meinung oder kannst du das belegen? Nenn doch mal Zahlen.
Nein, ich habe keine Zahlen. Wer sollte diese Zahlen auch erheben? Die Verlage melden bekanntlich nur die Zahl der Bücherverkäufe. Aber darüber hat sogar das ZDF berichtet: Die Deutschen verschenken gerne Bücher, aber die echten Leser werden immer seltener.
Teddy hat geschrieben:
30. Juni 2018 16:12
Meine Erfahrung ist völlig verschieden
Dann kennst du nicht sonderlich viele Akademiker, nicht wahr? Ich kenne kein Akademiker, der nicht mindestens eine stattliche Bücherwand hat. Die meisten haben sogar mehrere – direkt im Eingangsbereich, damit es sofort ins Auge fällt... Bild
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