Wahrhaft originelle Geschichten

Science Fiction in Buchform
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Rick Deckard
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Wahrhaft originelle Geschichten

Ungelesener Beitrag von Rick Deckard »

Die meisten Geschichten hat man irgendwie irgendwo schon mal gelesen, zumindest das Thema kennt man meist schon. Dann gibt es aber auch die Bücher, deren Grundidee man als wirklich neu und originell empfindet.

Was für wahrhaft originelle Geschichten sind euch in Erinnerung geblieben?
Buchprojekt Dez/2020
"Omega" im Hybrid Verlag erschienen.
Thread zum Roman hier im SF-Forum

»Ernest Hemingway hat mal geschrieben: Die Welt ist so schön, und wert, dass man um sie kämpft. Dem zweiten Teil stimme ich zu.«
William Somerset

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Teddy
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Re: Wahrhaft originelle Geschichten

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Eine interessante Frage. Zuerst denkt man, da muss es ja jede Menge geben, aber zumindest mir ist dann fast gar nichts dazu eingefallen. Die ganz großen Ideen (Zeitreise, Erstkontakt, Raumfahrt, Raum/Zeit-Portale, Roboter, alternative Geschichtsverläufe...) sind alle alt.
Was ist mit dem Scannen des Bewusstseins und Upload in einen neuen Körper? Ich habe das zum ersten Mal bei John Varley in seinem Roman Der heiße Draht nach Ophiuchi gelesen.
Oder die Idee des Taschenuniversen? Kenn ich aus Philip José Farmers World of Tiers.

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Badabumm
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Re: Wahrhaft originelle Geschichten

Ungelesener Beitrag von Badabumm »

Originelle Geschichten sind auf jeden Fall die, die (vermeintlich) zuerst da waren und ein Thema zum ersten Mal bewusst verarbeitet haben.. Also gehören „Die Zeitmascshine“, „Krieg der Welten“ „Gullivers Reisen“ oder „Ubik“ bestimmt dazu. Als Wissenschaftsfragen in Literatur und die Beschäftigung mit Science Fiction noch neu waren, gab es auch neue Ideen. Je mehr nun geschrieben wird, desto seltener werden die wirklich neuen Einfälle. Es wird sogar so sein, dass auch die erwähnten Werke gar nicht die ersten waren - nur kennt man die Urahnen nicht. So könnten „Momo“ oder „Die unendliche Geschichte“ als neu empfunden werden, sie müssen es aber nicht sein.

Meistens spielt der Zufall oder Vitamin B eine Rolle, ob ein Werk bekannt wird und hängenbleibt. Originell heißt dann auch immer: originell im Sinne des Zeitgeistes. Werke von Kafka oder Süßkind sind dann auch Wiedergeburten alter Themen in neuem Gewand. Andere „originelle“ Schöpfungen, wie z.B. „Zettels Traum“ von Arno Schmidt mögen für Literaturkritiker originell erscheinen, aber um jeden Preis originell sind sie letztendlich unlesbar...

Wenn es also allein um Themen geht, ist die Vielfalt begrenzt, weil die Motive der Weltliteratur durch unser Menschsein schon lange festgelegt sind. Uns interessieren bestimmte Geschichten mehr als andere, und deshalb ist der Kern der meisten Erzählungen immer auf wenige Grundmuster zurückzuführen. Wenn es denn das Handwerk sein soll, so mag man Schreibstil, Aufmachung oder Verwirrungstaktik vielleicht originell nennen - aber das ist mehr eine Domäne der Poesie, weil unbedingt „originell“ verunstaltete Werke nicht lange gelesen werden. Wenige Ausnahmen wie „Alice im Wunderland“ bestätigen das eher. Nicht zuletzt wirkt das vermeintlich Originelle auf den einzelnen Leser, so bleibt es immer subjektiv.
„Wenn Außerirdische so sind wie wir, möchte ich nicht von uns entdeckt werden.“

Harald Lesch

Hahlebopp
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Re: Wahrhaft originelle Geschichten

Ungelesener Beitrag von Hahlebopp »

Außergewöhnlich originell waren (zumindest zu ihrer Zeit) auf jeden Fall die vielen großen Klassiker. Und wohl genau deswegen waren diese auch so erfolgreich, und da könnte man jetzt wohl sehr, sehr viele Bücher aufzählen ...
Z.B. "Starship Troopers" mit seiner alles durchdringenden Militärdiktatur. Oder Orson Scott Card, der dann in "Ender - Das große Spiel" sogar nochmal einen Schritt weiter ging und eine Zukunft zeigte, in welcher bereits Kinder, von klein auf, militärisch gedrillt wurden. Oder Andymon als Utopie einer perfekten Gesellschaft, wortwörtlich vom Ei an.
Sehr originell fand ich zu seiner Zeit auch "Unendlichkeit" von Alastair Reynolds: Statt dem klassischen Erstkontakt findet die Menschheit in dieser Geschichte hingegen lediglich Überreste einer vor Urzeiten untergegangenen, außerirdischen Zivilisation. Woraus nun die Frage resultiert, wohin diese Außerirdischen verschwunden sind und/oder warum ihre Zivilisation unterging.
Zuletzt war es dann bei mir wohl "Der Marsianer - Rettet Mark Watney". Schon allein die Grundidee gefiel mir so gut, dass ich das Buch unbedingt lesen musste. (Und ich glaube zu diesem Buch bzw. Film muss ich wohl nichts weiter schreiben.)

Aber abseits von den ohnehin sehr erfolgreichen und entsprechend sehr bekannten Büchern wird es schon weitaus schwieriger. Da gibt es dann schon ab und zu richtig gute, neue Ideen. Aber dann scheitert es leider doch irgendwo an anderer Stelle bzw. schlicht an der Umsetzung ...
So auf die Schnelle fällt mir da z.B. Charles Stross' "Singularität" ein: So eine Art Hinterwäldler-Welt wird vom "Festival" quasi überfallen. Das Festival - ein gigantischer posthumaner und technisch weit überlegener Entitäten-Verbund, man könnte auch sagen - eine Art kosmische Naturgewalt.
Es dauert dann eine ganze Weile, bis dem Leser so langsam dämmert, was genau dieses Festival denn nun ist. Und diese Idee, die sich dann dahinter versteckt, gefiel mir wirklich, richtig gut. Und auch davon ab hat das Buch auch sehr viele andere wirklich gute Ideen. Aber abseits dieser wirklich tollen Ideen... fand ich das Buch dann leider doch sehr enttäuschend. Es gibt praktisch keine richtige Handlung und auch die Figuren bleiben allesamt unheimlich blass bis nichtssagend.
Trotzdem würde ich aber durchaus sagen, dass sich das Lesen gelohnt hat, allein wegen der sehr originellen Ideen. Ich würde es also zumindest bedingt weiterempfehlen.
Zuletzt geändert von Hahlebopp am 9. Januar 2021 16:51, insgesamt 2-mal geändert.

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Teddy
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Re: Wahrhaft originelle Geschichten

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Hahlebopp hat geschrieben:
9. Januar 2021 14:40
Zuletzt war es dann bei mir wohl auf "Der Marsianer - Rettet Mark Watney". Schon allein die Grundidee gefiel mir so gut, dass ich das Buch unbedingt lesen musste. (Und ich glaube zu diesem Buch bzw. Film muss ich wohl nichts weiter schreiben.)
War allerdings auch nicht ganz taufrisch:

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Hahlebopp
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Re: Wahrhaft originelle Geschichten

Ungelesener Beitrag von Hahlebopp »

Oh, erwischt.
Ich könnte jetzt natürlich schreiben, dass beim "Marsianer" die Handlung aber doch super realistisch und glaubwürdig daherkommt. Aber genau das Gleiche werden damals vielleicht auch viele Leser beim "Mars-Robinson" gedacht haben. :D

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Badabumm
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Re: Wahrhaft originelle Geschichten

Ungelesener Beitrag von Badabumm »

Die SF lebt ja von der Kurzgeschichte. Das läuft meist ähnlich ab: eine neue technische Errungenschaft, ein neuer Gedanke, eine Idee werden als Ausgangsbasis genommen, um die Fragen und Probleme zu schildern, die sich daraus ergeben. Vereinfacht gesagt. Das heißt, SF-Kurzgeschichten wimmeln von originellen Themen, weil sie sich meist darauf beschränken, sich EINE Idee, EINE Erfindung, EINE Konfrontation vorzunehmen. Es ist ein "was wäre, wenn"-Szenario. Man pickt sich etwas heraus und "deklariert" die Varianten durch. Das Originelle kann im Betrachtungswinkel, in der Absurdität, im Schreibstil liegen. Deswegen lässt sich die Frage nur schwer beantworten, weil die SF seit den 1930er, 1940er Jahren zu jeder neuen Entwicklung etwas zu sagen wusste. Naturgemäß altert eine Geschichte schlecht, wenn die Realität die Vorstellung überholt. Das heißt nicht, dass sie nicht damals originell war. Höchstwahrscheinlich gab es schon immer Literatur zu neuen Entwicklungen zu jeder Zeit, die man vielleicht nicht als SF bezeichnen würde. Wenn Plato also über den Staat fabuliert, so war es damals sozusagen SF, und in gewissem Sinne originell.
„Wenn Außerirdische so sind wie wir, möchte ich nicht von uns entdeckt werden.“

Harald Lesch

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Spacepirat

Re: Wahrhaft originelle Geschichten

Ungelesener Beitrag von Spacepirat »

Moin,

ich lese gerade mal wieder eine meiner absoluten Lieblings SF Kurzgeschichten zum x-ten mal.

"Eine Sekunde der Ewigkeit" von R.A. Lafferty
(Been A Long, Long Time) Heyne Science Fiction Classic Titan-18

"Es endet nicht mit einem - es beginnt mit einem Wimmern."

Als unsere Universum anfing zu existieren bildeten sich zwei verfeindete Gruppen.
Gut und Böse, Plus und Minus und so weiter.
Der Anführer der einen Gruppe war Michael, in weißes Feuer gehüllt,
der anführer der zweiten Gruppe war Helel, im schwarz/purpurnrn Schein.

Ein Wesen, Boshel, konnte sich nicht entscheiden welcher der Gruppen er sich anschließen sollte,
zögerte, und hatte dadurch den Zufallsfaktor ins Universum gebracht.
Für sein Zögern sollte er eine Strafe erhalten.
Michael wurde die Verantwortung dafür übertragen.

"Weißt du, er hat die Zeit am Anfang stottern lassen" sagte Mike zu einem Untergeben.
"Es muß eine Strafe sein, die etwas mit der Zeit zu tun hat."

Die Strafe von Boshel war nun zu überwachen wie sechs Affen wahllos auf Schreibmaschinen einhämmerten
und dabei alle Werke Shakespeares einer bestimmten Ausgabe in siebenundreißigeinhalb Bänden wortgeetreu tippten.
Mike hatte achtzigtausend Jahre gebraucht um den Affen das Reden beizubringen.

"Sobald das Projekt abgeschlossen ist, Bosh, ist deine Wartezeit um.
Dann kannst du dich der Gruppe anschließen und mit uns anderen deinen Spaß haben."

Bosh fragte dann ob er eine Uhr kriegen könnte, um zu überwachen wie schnell alles läuft.

"Also macht im Michael im ihm eine Uhr. Es war ein Würfel aus bearbeitetem Stein, der an jeder Kante ein Parsec maß."

"Du brauchst sie nicht aufzuziehen, Bosh, ein kleiner Vogel wird alle tausend Jahre kommen
und seinen Schnabel an diesem Stein wetzen. Du kannst ablesen wie die Zeit verstreicht,
wenn du zusiehst, wie der Stein kleiner und kleiner wird."

----------------------------------------------------------------------

Das ist ja nunmal die originellste und krasseste Uhr von der ich je gehört habe, und eine originelle Story wie ich finde.

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Badabumm
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Re: Wahrhaft originelle Geschichten

Ungelesener Beitrag von Badabumm »

Die Parabel von dem Vogel, der den Stein abwetzt, bis dann eine Sekunde der Ewigkeit vorbei ist, ist aber geklaut. Ich glaube nicht, dass Lafferty der Urheber ist. Die Parabel ist ohnehin zwar eindrucksvoll, aber völlig absurd (denn eine Sekunde einer Ewigkeit ist genauso lang wie eine Million Jahre einer Ewigkeit...).
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Spacepirat

Re: Wahrhaft originelle Geschichten

Ungelesener Beitrag von Spacepirat »

Moin,

von wem denn geklaut?

Hast du die Geschichte gelesen?

Es geht hier um orignelle Geschichten, und die Geschichte ist originell.
Und häng dich nicht so an dem Titel auf.

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Re: Wahrhaft originelle Geschichten

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Spacepirat hat geschrieben:
12. Februar 2021 18:43
Moin,

von wem denn geklaut?
Das Hirtenbüblein - Ein Märchen der Brüder Grimm

Lafferty zitiert das Märchen. Von geklaut würde ich hier nicht reden, da das Märchen doch recht bekannt ist.

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Re: Wahrhaft originelle Geschichten

Ungelesener Beitrag von L.N. Muhr »

Eine Geschichte ist dann originell, wenn keiner mehr weiß, von wem sie geklaut wurde.

"Is' so."
- Homer

"Wenn es mich gäbe, würde ich dem zustimmen."
- Shakespeare

"Ja leck mich doch ..."
- Goethe

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Re: Wahrhaft originelle Geschichten

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Das Hirtenbüblein wurde auch vertont, 1974 von Joana:

https://flowlez.com/de/songs/eine-sekun ... it-801420/

Sagen wir, das Zitat von Lafferty ist eine originelle Variante anhand eines bekannten Motivs. Es wurde was Neues und Eigenständiges draus gemacht.
:bier:
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Spacepirat

Re: Wahrhaft originelle Geschichten

Ungelesener Beitrag von Spacepirat »

Moin,

das Hirtenbüblein hatte ich nicht auf dem Zettel, entweder mir unbekannt oder vergessen.
Ich dachte immer die 6 Affen mit den Schreibmaschinen seien eine Anleihe von irgend einer anderen Story.

Die Vertonung vom Hirtenbüblein werde ich mir heute mal anhören.

Nichtsdestotrotz, eine Uhr mit einen Kantenlänge von knapp über 3 Lichtjahren ist schon eine Hausnummer.

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Uschi Zietsch
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Re: Wahrhaft originelle Geschichten

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Spacepirat hat geschrieben:
13. Februar 2021 10:06
Ich dachte immer die 6 Affen mit den Schreibmaschinen seien eine Anleihe von irgend einer anderen Story.
Ja, das kommt mir irgendwie auch bekannt vor.
Ah, hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Infinite-Monkey-Theorem
Nichtsdestotrotz, eine Uhr mit einen Kantenlänge von knapp über 3 Lichtjahren ist schon eine Hausnummer.
Allerdings :beanie: Ich weiß noch, bei Bad Earth, der Würfel der Bösen, der sich Systeme einverleibt hat, hatte auch zuerst ein Lichtjahr Kantenlänge oder so. Das erschien dann aber doch ein bissal zu viel :xmas: Dann war's nur noch ne Lichtminute oder zehn oder so. Aber von der Größe her ist das alles gar nicht mehr vorstellbar.
:bier:
Uschi
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