Abt. Textverarbeitung - Die schönsten Übersetzungsschnitzer

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Badabumm
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Re: Abt. Textverarbeitung - Die schönsten Übersetzungsschnitzer

Ungelesener Beitrag von Badabumm »

Über Klingonisch, Interview mit Liven Litaer:

https://srstorage01-a.akamaihd.net/Vide ... subs_H.mp4
„Wenn Außerirdische so sind wie wir, möchte ich nicht von uns entdeckt werden.“

Harald Lesch
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Naut
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Re: Abt. Textverarbeitung - Die schönsten Übersetzungsschnitzer

Ungelesener Beitrag von Naut »

In "Der Tag vor der Revolution" von Ursula Le Guin, Geschichte "Die Geschichte der Shoby":
Man unterhält sich plötzlich über ein "Churtenlaufwerk", obwohl es natürlich um Raumschiffantriebe, ein "Churten drive" mithin also einen "Churtenantrieb" geht.

Hat da etwa jemand Chat GPT benutzt und drive (für Laufwerk wie in floppy drive) mit drive (für Antrieb wie in rocket drive) verwechselt?
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Badabumm
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Re: Abt. Textverarbeitung - Die schönsten Übersetzungsschnitzer

Ungelesener Beitrag von Badabumm »

Müsste das nicht „engine“ heißen?
„Wenn Außerirdische so sind wie wir, möchte ich nicht von uns entdeckt werden.“

Harald Lesch
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Re: Abt. Textverarbeitung - Die schönsten Übersetzungsschnitzer

Ungelesener Beitrag von Shock Wave Rider »

Kurioser Fund, Naut! :prima:
Ich habe das Gefühl, viele Übersetzungsschnitzer entstehen, wenn ein englisches Wort mehrere Bedeutungen hat und das Übersetzy die falsche wählt.
Zumindest kann man diese Art von Schnitzern relativ leicht identifizieren.
Badabumm hat geschrieben: 2. Januar 2026 22:19 Müsste das nicht „engine“ heißen?
Nein. "engine" heißt so viel wie Motor oder Maschine.
Wenn es konkret um den Antrieb geht, ist "drive" die Vokabel der Wahl.

Gruß
Ralf
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Re: Abt. Textverarbeitung - Die schönsten Übersetzungsschnitzer

Ungelesener Beitrag von lapismont »

Mir ist jetzt wieder beim Gucken von Stranger Things in der Synchro aufgefallen, dass in US-amerikanischen Filmen und Serien oft Leute zurechtgewiesen werden, sie sollen nicht fluchen, wenn sie eigentlich Kraftausdrücke oder Schimpfwörter benutzen.
Für mich ist ein Fluch etwas wie: Deine Zunge soll fortan nur Quenya sprechen!
Fuck you hingegen finde ich immer als eher lustiges Bonmot und frage mich, warum es nicht als Wichs doch! oder Mach’s Dir selbst! übersetzt wird. Jedenfalls ist das nicht mal ein Kraftausdruck in meinen Augen.
In Vier Hochzeiten und ein Todesfall wurde Fuck! mit Shit! synchronisiert. Finde ich jedesmal wieder sehr lustig, weil man es einfach sieht, was gesagt wird.

Jedenfalls verstehe ich überhaupt nicht, was an Flüchen nun so fürchterlich sein soll. Hat je einer funktioniert?
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Re: Abt. Textverarbeitung - Die schönsten Übersetzungsschnitzer

Ungelesener Beitrag von RSt »

Naja. Gerade bei Flüchen (aber auch bei anderen Redenswendungen) ist eine eher mal wortwörtliche Übersetzung nicht wirklich passend (zb "Sounds greek to me" und "kommt mir spanisch vor"). Und beim altbekannten "Fuck You!" waren sich zwei Leute im beruflichen Umfeld (eine Neuseeländerin und ein US Staatsbürger) nicht einig, wie man den am besten auf Deutsch übersetzt. Jedenfalls sollte zb Fuck you eben nicht 1:1 sondern mit einem gängigen Fluch übersetzt werden und genau darin liegt auch mE die Arbeit einer guten Übersetzung. Ansonsten würde das doch auch irgendwie gekünstelt wirken (so mein Empfinden).

Wenn man sich solche Übersetzungshaarspaltereien ersparen will sollte man am besten das jeweilige Original lesen/ansehen/anhören (wenn man die Originalsprache gut genug versteht).
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Re: Abt. Textverarbeitung - Die schönsten Übersetzungsschnitzer

Ungelesener Beitrag von lapismont »

Aber was ist denn der Fluch bei Fuck you?
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Re: Abt. Textverarbeitung - Die schönsten Übersetzungsschnitzer

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Im Deutschen sind das alles Flüche, weil böse Worte, weil nicht gottesfürchtig/christlich, sondern "verdorben". "Fick dich selbst" ist ja im Prinzip ein Fluch, weil, wenn man darüber nachdenkt und so, wie das gehen soll ... und das ist natürlich auch obszön und verboten, wenn es nicht dem Kindermachen dient. Bei den radikalchristlichen und evangelikalen Amerikanern ist das natürlich ganz besonders schlimm. In nahezu jedem Film ist Gott immer noch das wichtigste Sujet.
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Re: Abt. Textverarbeitung - Die schönsten Übersetzungsschnitzer

Ungelesener Beitrag von lapismont »

Okay, kein Wunder, dass mich das dann nicht erreicht.
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Shock Wave Rider
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Re: Abt. Textverarbeitung - Die schönsten Übersetzungsschnitzer

Ungelesener Beitrag von Shock Wave Rider »

Ein Versuch, lapismonts Frage zu beantworten: Gehen wir mal vom Substantiv "Fluch" zu den(!) Verben "fluchen" bzw. "jemaden oder etwas verfluchen" über!
lapismont hat geschrieben: 2. Januar 2026 22:45 Mir ist jetzt wieder beim Gucken von Stranger Things in der Synchro aufgefallen, dass in US-amerikanischen Filmen und Serien oft Leute zurechtgewiesen werden, sie sollen nicht fluchen, wenn sie eigentlich Kraftausdrücke oder Schimpfwörter benutzen.
Wer "Verflucht!", "Verdammt!", "F*ck you!", "Sch**ße!" und ähnliche Interjektionen exkorporiert, der flucht. Auch im Deutschen!
lapismont hat geschrieben: 2. Januar 2026 22:45Für mich ist ein Fluch etwas wie: Deine Zunge soll fortan nur Quenya sprechen!
Auf der Verbebene: Derjenige, das dieses Zitat ausspricht, VERflucht jemanden oder etwas.
"Fluchen" oder "rumfluchen" ist nicht das gleiche wie "jemanden oder etwas verfluchen".
Flüche im engeren Sinn werden nur beim letzten Verb ausgesprochen.
lapismont hat geschrieben: 2. Januar 2026 22:45Fuck you hingegen finde ich immer als eher lustiges Bonmot [...]
Kennst du andere Leute, die das genauso sehen?
lapismont hat geschrieben: 2. Januar 2026 22:45[...] und frage mich, warum es nicht als Wichs doch! oder Mach’s Dir selbst! übersetzt wird.
Weil das niemand im Deutschen sagt. "Fuck you!" hat eher die Bedeutung von "Lass mich in Ruhe!" oder "Halt deinen Mund/deine Schnauze/...!" oder auch "Hau ab!", allerdings mit deutlich abweisenderer, offensiverer und pejorativerer Konnotation. (Fällt da jemandem eine noch passendere Übersetzung ein?)
lapismont hat geschrieben: 2. Januar 2026 22:45Jedenfalls ist das nicht mal ein Kraftausdruck in meinen Augen.
Meine Mutter beschwert sich auch regelmäßig, wenn ihr Steak, das sie "medium" bestellt hat, nicht komplett durchgebraten ist.
lapismont hat geschrieben: 2. Januar 2026 22:45In Vier Hochzeiten und ein Todesfall wurde Fuck! mit Shit! synchronisiert.
"Fuck!" heißt etwas ganz anderes als "Fuck you!". "Fuck!" alleinstehend ohne Personalpronomen entspricht den klassischen deutschen Ausrufen wie "Mist!" oder "Sch**ße!". Weil "Mist!" aber fast schon als die gepflegte und entschärfte Version von "Sch**ße!" empfunden wird, finde ich die Übersetzung mit "Shit!" ganz angemessen. Zumal ...
lapismont hat geschrieben: 2. Januar 2026 22:45Finde ich jedesmal wieder sehr lustig, weil man es einfach sieht, was gesagt wird.
... bei Filmübersetzungen nicht nur der passende Ausdruck und die treffende Bedeutung wichtig ist, sondern auch die Koordination mit den Lippenbewegungen des Schauspielys. (Soll heißen: Wenn das Schauspiely in der OF ein einsilbiges Wort sagt, dann leg ihm in der Synchro kein viersilbiges in den Mund!)
lapismont hat geschrieben: 2. Januar 2026 22:45Jedenfalls verstehe ich überhaupt nicht, was an Flüchen nun so fürchterlich sein soll. Hat je einer funktioniert?
Es gibt da gewisse Berichte von vertrauenswürdigen Quellen wie Shakespeare, den Gebrüdern Grimm, Tolkien... :wink:
Ich denke, für die Zerstörung einer Beziehung durch permanentes Fluchen gibt es durchaus real-life-Präzedenzfälle.

Gruß
Ralf
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Re: Abt. Textverarbeitung - Die schönsten Übersetzungsschnitzer

Ungelesener Beitrag von lapismont »

Einzelne Wörter als Fluch? Mhm, ich seh’ schon, ich hab da dann doch eine andere kulturelle Sozialisation. Das ist wie mit dem Konstrukt Eid. Das erschließt sich mir auch nicht.
Aber Danke Schoki für Deine Erhellung!
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Re: Abt. Textverarbeitung - Die schönsten Übersetzungsschnitzer

Ungelesener Beitrag von Larsaf »

Shock Wave Rider hat geschrieben: 3. Januar 2026 10:12 (...)
Weil das niemand im Deutschen sagt. "Fuck you!" hat eher die Bedeutung von "Lass mich in Ruhe!" oder "Halt deinen Mund/deine Schnauze/...!" oder auch "Hau ab!", allerdings mit deutlich abweisenderer, offensiverer und pejorativerer Konnotation. (Fällt da jemandem eine noch passendere Übersetzung ein?)
(...)
Gruß
Ralf
"Leck' mich doch!" kann ich mir in bestimmten Situationen als Übersetzung von "Fuck you" bzw. "Go fuck yourself" vorstellen, sozusagen im Sinne von "Scher dich doch zum Teufel!"

Zum Beispiel, jemand ist gefangengenommen und soll verhört werden, vielleicht mit Schlägen bzw. unter Androhung von Folter. Im Antwort auf die Befragung gibt der Gefangene einfach tapfer ein "Fuck you!" von sich.
"Yesterday, today was tomorrow. And tomorrow, today will be yesterday."
(Gestern war heute noch morgen. Und morgen wird heute gestern sein.)
--GEORGE HARRISON, in "Ding Dong, Ding Dong" aus der Dark Horse LP (1974)
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