Zum Nachruf auf Kir Bulytschow

Science Fiction in Buchform
Ulrich
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Zum Nachruf auf Kir Bulytschow

Ungelesener Beitrag von Ulrich »

Ich habe das Buch "Überlebende" und fasse es hier mal zusammen

Kirill Bulytschow
Überlebende
Aus dem Russischen von Aljonna Möckel und Erik Simon
Heyne, 1995

„Überlebende“ besteht aus den Teilen „Der Gebirgspass und „Überm Berg“.
Die Erzählung "Der Gebirgspass" fängt sechzehn Jahre nach dem Absturz eines Raumschiffs auf einem unbekannten und gefährlichen Planeten an. Die Überlebenden mussten damals nach der Notlandung im eisigen Hochgebirge sofort ihr Schiff wegen der Verstrahlungsgefahr verlassen. Auf ihrem Weg in tiefer gelegenen Gebiete verlieren sie viele der Mannschaftsmitglieder. Ein Planetenjahr entspricht drei irdischen. Zugang zum Schiff haben sie deshalb nur einmal in drei Erdenjahren im planetaren Sommer. Erst im vierten Anlauf gelangt eine Expedition zum Raumschiff. Es sind die Kinder bzw. Jugendlichen Oleg, Dick und Marianne. Sie sind auf dem Planeten aufgewachsen und finden sich sehr gut zurecht. Den Erwachsenen hingegen sind die Wälder fremd geblieben und würden keinen einzigen Tag außerhalb der ärmlichen Siedlung überleben. Marianne kennt sich am besten mit Pflanzen aus und Dick ist der beste Jäger des Dorfes. Oleg ist die stärkste Verbindung zwischen der alten Welt und der heranwachsenden Generation, weil er sich am meisten für die irdische Zivilisation interessiert. Die drei und der Erwachsene Thomas brechen im Sommer auf, um lebenswichtige Dinge aus dem Schiff zu holen, die Strahlung ist inzwischen abgeklungen. Thomas stirbt unterwegs. Mit vielen Lebensmitteln und Materialien kommen sie in das Dorf zurück.
Der zweite Teil beginnt drei Jahre nach den Geschehnissen auf dem Gebirgspass. Eine neue Expedition ist geplant und u.a. soll der Schiffsfunk repariert werden. Oleg erfindet mit der Hilfe eines Erwachsenen einen Ballon, um schneller zum Schiff zu kommen. Während einer Probefahrt entdeckt man zufällig die Erkundungssonde einer Forschungsexpedition. Es wird beschlossen mit dem Ballon zur Forschungsstation zu fahren, weil es die beste Hoffnung auf Rettung ist. Dick, Marianne und Kasik unternehmen daraufhin die beschwerliche Reise. Am jungen Kasik zeigt sich besonders der neue Typ Mensch, der sich gut in die Natur integriert hat. Oleg muss gegen seinen Willen zurückbleiben, weil er sich die Kenntnisse zur Funkreparatur angeeignet hat und zum Schiff gehen wird. So gibt es zwei Möglichkeiten zur Rettung.
Inzwischen entdecken die irdischen Forscher das Wrack und beschließen es laut den Vorschriften zu zerstören, sie ahnen nichts von den Überlebenden.

Bulytschows Geschichte zeichnet sich durch eine genaue Charakterbeschreibung aus. Die Geschichte bleibt bis zum letzten Moment spannend, weil es unerwartete Wendungen gibt. Glaubhaft schildert er die Veränderung der Gesellschaft der Überlebenden. Die Heranwachsenden entfernen sich immer mehr von der Welt der Erwachsenen, gleichzeitig besteht aber auch bei einzelnen, wie im Fall Kasik immer noch großes Interesse an der alten Welt. Während die Überlebenden ein Teil des Planeten werden und in Gesellschaft von Tieren leben, nimmt die irdische Forschungsexpedition den Planeten nur entfernt wahr. In ihren Forschungsanzügen sind sie gut geschützt und bleiben ihren Vorurteilen verhaftet. Durchaus wird Bulytschow auch mal philosophisch neben den erzählten Abenteuern.

Mir gefällt das Buch.

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