Wie Autoren arbeiten.

Science Fiction in Buchform
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Bully
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Re: Wie Autoren arbeiten.

Ungelesener Beitrag von Bully »

Dirk hat geschrieben: ...So kommen diese schrägen Bilder zustande, die aus marketingtechnischen Gründen und weil man sonst nicht ernst genommen wird, hegt und pflegt.
Auf beiden Seiten des Schreibtischs.
Woher würde sonst die Welle der Empörung ihre Energie hernehmen, die durch die Leserschaft geht, wenn ein Fußpfleger aus Wanne Eickel einen Roman schreibt, der einem Dan Brown das Wasser des Neids in die Augen treibt?
Warum gibt es sonst Pseudonyme und getürkte / beschönte Vitae?

There´s no business like showbusiness :ola:

LG

Dirk :bier:
Ehrlich gesagt, ist mir relativ egal, welches Privatleben die Musiker, die ich höre, die Autoren, die ich lese, oder die Maler und Bildhauer, deren Werke als Repliken in meiner Wohnung hängen, haben oder hatten.
Es sei denn höchstens, dass es mit dem Werk zu tun hat.
Wenn ich erfahre: Oh, dieses Lied wurde geschrieben, als die Sängerin sich gerade frisch getrennt hatte (ihr Ex hatte zu viele Groupies gevögelt) oder, oh, dieses Bild wurde gemalt, weil der Künstler eigentlich ein Grabmal für den Papst entwerfen sollte, das aber zu teuer gewesen wäre, aber weil der Vorschuss schon ausgegeben war (für ein Landgut in der Toskana - jetzt bin ich neidisch) sollte stattdessen diese Decke mit Fresken bemalt werden. Worauf der Künstler sich eher vereimert vorkam, weil er seit seiner Azubizeit nichts mehr gemalt hatte, Marmor für einzig trve hielt und malen für was für Mädchen, wie diesen Rafael.
Ende vom Lied war, dass er das Baugerüst selbst entworfen hat ("Buanarotti, Du bist ein Genie! Und wie machen wir die Löcher hinterher wieder zu?"), völlig ungewöhnliche Themen der Fresken gewählt hat (Inkl. einer bildlichen Darstellung Gottes und frontal male nudity oder wie das heißt - aber dafür gab's ein theologisches Gutachten), seine Helfer von der Baustelle warf und alles ganz alleine malte. (Fresken malt man in Putz, solange der noch feucht ist. Fehlerintoleranter geht es kaum...)
Das ist eine interessante Geschichte. Aber das Bild ist noch berühmter. :wink:
Anderswo known as Yart Fulgen
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TT

Re: Wie Autoren arbeiten.

Ungelesener Beitrag von TT »

Ah, ich seh schon Charlon Heston und Rex Harrison vor mir.
"Wann wirst du damit fertig sein?"
"Wenn es soweit ist."
:wink:
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Re: Wie Autoren arbeiten.

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Klasse, oder? Und am Schluss dann nur noch dieser wortlose Mimik- und Mundbewegungswechsel! Gehört zu den absolut unsterblichen Szenen!
:bier:
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Beverly
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Re: Wie Autoren arbeiten.

Ungelesener Beitrag von Beverly »

Ehe der Starruhm, Groupies und Fächerwedler kommen, habe ich noch eine Frage zur Umsetzung.

Gibt es vor dem Schreiben der Geschichte zwangsläufig ein Konzept für grundlegende Ideen, Zeit, Orte und Personen und ein Exposé für Handlung, Plots und Kapitel?
Ich fange damit an, frage mich aber, ob es auch Autoren gibt, die nur mit ein paar Gedanken loslegen und wo dann alles beim Schreiben kommt.
Bei mir selbst bleiben grundlegende Strukturen zwar erhalten, aber das allermeiste ergibt sich doch beim Schreiben. Es sind neue Ideen, die sich aus dem schon Geschriebenen ergeben und all die Ideen, die schon deshalb nicht in ein Exposé passen, weil das dann ebenso lang wie der fertige Text wären.

Auch aus der Sicht der Leser sehe ich zwei Gefahren: wenn man sich zu sehr der Inspiration beim Schreiben hingibt, läuft man Gefahr, den roten Faden zu verlieren und den Text bis zur Unleserlichkeit aufquellen zu lassen. Angesichts der Ausmaße, die das annehmen kann, schrillten bei mir die Alarmglocken, als in einem anderem Forum eine Leserin schrieb, ein Roman von mir gefalle ihr, aber er sei auch etwas langatmig.
Arbeitet man nur Konzept und Exposé ab und würgt den Ideenfluss beim Schreiben ab und lässt keine neuen, unerwarteten, spannenden Wendungen zu, weil sie nicht im Exposé stehen, riskiert man, selbst tollen Ideen im staubtrockenen Berichtstil eine Beerdigung erster Klasse zu verpassen.
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Uschi Zietsch
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Re: Wie Autoren arbeiten.

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Je besser du dich vororganisiert hast und strukturiert bist, umso freier bist du beim Schreiben. Und umso weniger "Blockaden" hast du.
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Re: Wie Autoren arbeiten.

Ungelesener Beitrag von Diboo »

Uschi Zietsch hat geschrieben:Je besser du dich vororganisiert hast und strukturiert bist, umso freier bist du beim Schreiben. Und umso weniger "Blockaden" hast du.
Für Uschi gilt das.
Für Dirk nicht. Der hat eine ungefähre Idee und schreibt dann mal drauflos.
Aber Uschi verkauft mehr Bücher, also macht es lieber wie sie :-)
"Alles, was es wert ist, getan zu werden, ist es auch wert, für Geld getan zu werden."
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Re: Wie Autoren arbeiten.

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Der Dirk hat seine Struktur im Kopf. Wetten? Denn ansonsten kann er gar nicht gleichzeitig an mehreren Büchern schreiben, die er - Punkt a) zu Ende bringt, und die Punkt b) veröffentlichbar sind, plus seinen Lebensunterhaltsjob plus seinen Ehrenjob plus Familie machen.
Da kann man gar nicht anders als organisiert sein. Ob nun schriftlich oder - unbewusst - im Kopp, spielt dabei keine Rolle.
Deswegen sträuben sich ihm auch die ... äh, ich muss weg.
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Re: Wie Autoren arbeiten.

Ungelesener Beitrag von Beverly »

Uschi Zietsch hat geschrieben:Je besser du dich vororganisiert hast und strukturiert bist, umso freier bist du beim Schreiben. Und umso weniger "Blockaden" hast du.
Ideen, Konzepte und Exposés schriftlich festzuhalten, ist notwendig, damit man entscheidende Sachen nicht vergisst. Letztendlich läuft es aber darauf, dass man die "Vision" vom Buch zumindest während des Schreibens im Kopf behält, dann kann man auch spontan Änderungen und Ergänzungen vornehmen (wenn sich wichtige Dinge ändern, schreibe ich das auch ins Konzept oder das Exposé). Das Buch stets im Kopf zu haben, zwingt mich aber auch zur Konzentration. Abgesehen von Unterbrechungen für andere Dinge, die Konzentration verlangen, schreibe ich ein Buch in einem Rutsch ohne längere Pausen und ich schreibe nicht an mehreren Büchern zugleich. Ich bin halt kein "Sofortumschalter".
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Re: Wie Autoren arbeiten.

Ungelesener Beitrag von Ming der Grausame »

Beverly hat geschrieben:Das Buch stets im Kopf zu haben, zwingt mich aber auch zur Konzentration.
Konzepte außerhalb des eigenen Kopfes aufzubewahren hat ein entscheidender Vorteil: Man erkennt inhärente Fehler deutlich besser.
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Re: Wie Autoren arbeiten.

Ungelesener Beitrag von agro »

Andreas Eschbach hat geschrieben:...Ein Autor, der nicht an seinem Schreiben leidet, ist wie ein Rockstar, der keine Groupies in die Garderobe lässt. :-D
Das Problemchen ist, dass einige "Rockstars" möglicherweise gern Groupies im Backstage sehen (und so weiter) würden, aber das zweite Bandmitglied da ganz bestimmt was dagegen hätte. :beanie:

Ich möchte mich nicht als Autor bezeichnen, auch wenn ich bereits ein Buch für Kinder geschrieben habe und an einem für Erwachene arbeite. Ich leide momentan nicht am Schreiben, sondern unter permanenter Zeitnot. Mein Hauptjob und auch meine Hobbies Malerei, Lesen und die Musik nehmen mich enorm in Anspruch. Wahrscheinlich sollte ich mich mal für eine Sache entscheiden. Wobei.... warum eigentlich!? Ich mache das, wonach mir grad der Sinn steht, wenn es meine Zeit zulässt....

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Re: Wie Autoren arbeiten.

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

agro hat geschrieben:Ich mache das, wonach mir grad der Sinn steht, wenn es meine Zeit zulässt....
:prima: :dafuer: :bier:
Coole Bilder.
:bier:
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Re: Wie Autoren arbeiten.

Ungelesener Beitrag von Gernot »

Durch das neue Gewinnspiel, genau genommen durch den dort zu gewinnenden Preis (http://www.sf-fan.de/aktuelle-meldungen ... forum.html) bin ich auf einen neuen Aspekt des Thread-Themas gestoßen:
Wie arbeiten Autoren im Team?
Gelegentlich gibt es Bücher, die von mehreren Leuten verfasst sind. Arthur Clarke hat beispielsweise seine "Rama"-Geschichten mit dem NASA-Techniker Gentry Lee zusammen verfasst, mit Steven Baxter hat er auch schon koproduziert. Ein wenig schreibt er ja in einem Vor- oder Nachwort dazu. Ich kann mir trotzdem nur schwer vorstellen, wie das gehen soll, also wie die Arbeitsteilung läuft. Ich vermute, man findet die verschiedensten Varianten. A macht das Konzept, B formuliert die Story aus, oder A und B schreiben unterschiedliche Kapitel, oder B ist überhaupt nur Ghostwriter und tritt gar nicht in Erscheinung, etc. etc.
Weiß jemand von euch mehr dazu? (und will es auch ausplaudern, ich will da ja, ohne Namen zu nennen, nicht von vornherein schwartz sehen ...)
Das Fliegen wird erst möglich, wenn zuvor vom Fliegen geträumt wurde. (Stanislaw Lem)

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Re: Wie Autoren arbeiten.

Ungelesener Beitrag von Diboo »

Gernot hat geschrieben: Wie arbeiten Autoren im Team?
Alle von Dir genannten Varianten treffen zu.
In Serien kommen da gemeinsame Rahmenexposés, normalerweise erstellt von einem damit betrauten Zuständigen, noch dazu. Ghostwriting habe ich aber selbst noch nicht erlebt. Die Kollaborationen in meinem Umfeld kommen meist durch die Aufteilung vorher definierter Handlungsebenen zustande, die dann getrennt geschrieben und anschließend zusammengefriemelt werden.
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Re: Wie Autoren arbeiten.

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Bei Serien wie SunQuest, Elfenzeit/Schattenlord :beanie: Perry Rhodan, Sternenfaust, Maddrax & Co geht es gar nicht anders als im Team. Da gibt es zwei Varianten.
a) ein Chefautor verfasst die Exposés, die an alle Teamautoren ausgegeben werden
b) es gibt ein grobes Rahmenexpo, und die jeweiligen Autoren verfassen dazu ihr eigenes Langexpo, das an alle ausgegeben wird
Für beide Varianten gilt: Es gibt Konferenzen, um die Eckpunkte für den zukünftigen Zyklus festzuklopfen. Und während des aktiven Schreibprozesses kommunizieren die Autoren untereinander, damit keine Widersprüche entstehen. Der Redakteur muss den Überblick über alles behalten, angleichen und abstimmen.
Bei Romanen sind alle von dir genannten Variationen möglich. Ohne Kommunikation geht nix, mit geht alles. ;)
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Re: Wie Autoren arbeiten.

Ungelesener Beitrag von Beverly »

Andreas Eschbach hat geschrieben:...Ein Autor, der nicht an seinem Schreiben leidet, ist wie ein Rockstar, der keine Groupies in die Garderobe lässt. :-D
Was manche Autoren "Leiden" nennen, kennt der Rest der Welt als "Arbeit":

- man ist bei selbstbestimmter Arbeit auch selbst dafür verantwortlich, Probleme zu lösen und wenn das nicht sofort klappt, hat man eine "Blockade"
- neben den kreativen Tätigkeiten ist viele Handwerk, das beherrscht sein will oder - ich denke da ans Korrigieren - nicht weniger frugal als wenn man als Verkäuferin an der Kasse sitzt
- man hat keine vorgeschriebenen Arbeitszeiten, was aber dazu führt, dass man über seinen Texten sitzt, wenn die Verkäuferin längst Feierabend hat
- die auf Erwerbsarbeit ausgerichtete Gesellschaft honorieren die Arbeiten, mit denen man Einkommen erzielt. Arbeiten, für die es kein Erwerbseinkommen gibt, sind IMHO insgesamt für die Gesellschaft ebenso wichtig, aber sie werden nur zu oft ignoriert und wer sie verrichtet, muss um Anerkennung kämpfen. Neben vielen anderen betrifft das auch Schriftsteller
- Autoren, die von ihrer Arbeit ganz oder teilweise leben können, sind dadurch ökonomischen Zwängen oder auch Versuchungen ausgesetzt
Uschi Zietsch hat geschrieben:Bei Serien wie SunQuest, Elfenzeit/Schattenlord :beanie: Perry Rhodan, Sternenfaust, Maddrax & Co geht es gar nicht anders als im Team. Da gibt es zwei Varianten.
a) ein Chefautor verfasst die Exposés, die an alle Teamautoren ausgegeben werden
b) es gibt ein grobes Rahmenexpo, und die jeweiligen Autoren verfassen dazu ihr eigenes Langexpo, das an alle ausgegeben wird
Für beide Varianten gilt: Es gibt Konferenzen, um die Eckpunkte für den zukünftigen Zyklus festzuklopfen. Und während des aktiven Schreibprozesses kommunizieren die Autoren untereinander, damit keine Widersprüche entstehen. Der Redakteur muss den Überblick über alles behalten, angleichen und abstimmen.
Wie entsteht dabei der Freiraum für Inspiration, Kreativität und Ideen, auf die man erste beim Schreiben kommt? Dieses "Spontane", ohne das IMHO Romane steril werden, muss ja in ein Rahmenwerk passen, das man als Teil eines Teams nicht so einfach verändern oder gar umschmeißen kann wie als Allein-Autor.
Wobei ich von den von dir genannten Serien nur "Perry Rhodan" so von Band 1 bis 860 kenne und da den Eindruck hatte, dass an verrückten Ideen kein Mangel herrschte und sie meistens auch funktionierten.
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