Der "Liest zur Zeit" Thread

Science Fiction in Buchform
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Uschi Zietsch
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Da hat das Lektorat aber ganz erheblich geschlampt (oder es gab keines). Das machen aber nicht nur Anfänger.
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Shock Wave Rider
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Shock Wave Rider »

Teddy hat geschrieben:
15. Dezember 2019 18:56
Juli Zeh - Corpus Delicti

[...]
Sehr gut geschriebener Roman der mit der Erkenntnis kommt, dass totalitäre Regime sowieso machen, was sie wollen, egal unter welchem Mäntelchen.
Ich unterstreiche dein Fazit.
Ein Roman, der deine These aus einem ganz anderen "Mäntelchen" beleuchtet, ist "Junktown" von Matthias Oden. Sein genialer Einfall: Ein Staat, der seine Bürger zum Drogenkonsum zwingt. Hier wird eine Handlung, die traditionell eher als Protest gegen Konventionen und gesellschaftliche Zwänge angesehen wird, genau zu einer gesetzlich geforderten Konvention und damit einem gesellschaftlichen Zwang.
Eine großartige Ergänzung zm Buch von Juli Zeh.

Gruß
Ralf
Shock Wave Riders Kritiken aus München
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Ender
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Ender »

E.M. Forster - Die Maschine steht still

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15,00 Euro (Print) bzw. 9,99 Euro (eBook) für ein großzügig bedrucktes 80 Seiten-Büchlein - sprich: für eine Kurzgeschichte - sind natürlich ziemlich frech und maßlos übertrieben; trotz der wirklich schönen Aufmachung.
Aber davon abgesehen: Was für eine Geschichte!

Das Faszinierendste daran ist natürlich die Tatsache, dass sie bereits im Jahr 1909 geschrieben wurde. Zu einer Zeit, zu der weltweite Stromversorgung oder weitreichende Umweltverschmutzung noch in weiter Ferne lagen und Dinge wie globale Vernetzung, flächendeckende Medienberieselung oder künstliche Intelligenz praktisch überhaupt noch nicht absehbar waren, hat Forster all das bereits beschrieben; ebenso wie die Abhängigkeit der Menschen von (damals doch eigentlich noch unvorstellbarer) Technik und die damit zusammenhängenden Gefahren.
Aber der erstaunlich treffende Blick in die Zukunft ist nicht der einzige Pluspunkt dieser Geschichte. Auch die Psyche bzw. die Manipulierbarkeit der Individuen (welche es hier ja ohnehin gar nicht mehr geben soll) sind ganz hervorragend dargestellt.
Eine absolut beeindruckende Dystopie, gut geschrieben und unfassbar hellsichtig.

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Ender
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Ender »

Daniel Kehlmann - Du hättest gehen sollen

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Noch eine kleine Novelle, die in knapp zwei Stunden durchgelesen war. Und schon wieder eine sehr gute!
Ich wusste vorher überhaupt nicht, worum es in der Story geht und was mich erwartet - so traf es mich ziemlich unvorbereitet, dass Kehlmann hier eine übernatürliche Geister-Spukhaus-Wahnsinn-Wasauchimmer - Geschichte präsentiert. Es geht "normal" los und steigert sich dann langsam ins mysteriöse, rätselhafte. Sprachlich, wie von diesem Autor gewohnt, sehr gekonnt erzählt.
So genau kann ich gar nicht sagen, warum mir das Buch dermaßen gut gefallen hat, denn inhaltlich-thematisch ist es gar nicht mal so spektakulär neu; ähnliches hat man durchaus schon häufiger gelesen. Trotzdem hat es mich gepackt und beschäftigt. Um nicht zu sagen: begeistert!


Und nachdem ich das Lesejahr 2019 nun also mit drei Novellen beendet habe (zuvor noch das ebenfalls sehr gelungene "Broken House" von Gillian Flynn) ist mir mal wieder klar geworden, warum ich dieses Format so liebe: intensive Geschichten, die schnell zur Sache kommen, auf 50 bis 100 Seiten fertig erzählt sind und gerade deshalb oft mehr Substanz haben als so mancher 800 Seiten - Wälzer.
Leute, lest mehr Novellen! Es gibt gar nicht mal so wenige davon.

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von aquarius »

Kim Stanley Robinson: 2312
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Rechtzeitig zum Jahreswechsel geschafft. Trotz mehrerer Unterbrechungen bin ich immer wieder gern ins Universum, oder besser gesagt, ins Sonnensystem des Jahres 2312 zurückgekehrt. Die Protagonistin schafft es im Lauf des Romans, alle vier innere Planeten sowie Jupiter- und Saturnmonde zu besuchen.
Robinsons Stärken sind die detailreiche Entwicklung von zukünftigen technischen Möglichkeiten und gesellschaftlichen Veränderungen. Oft wird kritisiert, dass sich seine Hauptpersonen im Lauf der Romane zu wenig ändern, aber wenn die Hauptperson 135 Jahre alt ist, darf man auch nicht erwarten, dass sie die Persönlichkeit wechselt wie ein Teenager.
Im Großen und Ganzen ein guter Roman, der sich viel Zeit mit Beschreibungen lässt. Einzelne kurze Kapitel scheinen von KIs (Quantencomputer, Qubes) geschrieben zu sein.

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Nina
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Nina »

Ender hat geschrieben:
28. Dezember 2019 12:43
E.M. Forster - Die Maschine steht still

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15,00 Euro (Print) bzw. 9,99 Euro (eBook) für ein großzügig bedrucktes 80 Seiten-Büchlein - sprich: für eine Kurzgeschichte - sind natürlich ziemlich frech und maßlos übertrieben; trotz der wirklich schönen Aufmachung.
Aber davon abgesehen: Was für eine Geschichte!
Na ja, aber es ist halt eines der Bücher, für die ich auch kein großes Publikum sehe. Also dass überhaupt einen Verlag mit klassischem Modell hat, dann noch Amazon, das ist recht viel dafür. Ich finde es auch nicht billig, kann den Preis aber nachvollziehen

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Nina
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Nina »

​Ich habe mir "Terror!: A history of horror illustrations from the pulp magazines" angesehen. Viel zu lesen gibt es nicht, aber zu schauen. Mich hat das aktuell interessiert, dabei habe ich das Buch schon ewig.

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andy
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von andy »

An den Feiertagen las ich:

Daniel Suarez: Delta-v

Eine Near-Future-Story über Asteroidenbergbau. Ein Internet-Milliardär schickt eine Truppe von Expertinnen und Experten los, um Rohstoffe im All abzubauen. Das Buch fängt mit Auswahl und Training der Kandidatinnen und Kandidaten an, dann geht es in die Rakete und los. Wie es sich gehört, hat die Mannschaft mit zahlreichen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Das Beschreiben der Ausbildung und der Technikteil des Buches gefielen mir gut. Suarez ist gelegentlich ein ziemlicher Erklärbar, aber er macht das gut. Langeweile kommt nie auf. Rund um die Unternehmung gibt es aber einen Wirtschaftskomplott, den ich für etwas übertrieben hielt. Das war für meinen Geschmack zu viel des Guten.

Als Weltraumabenteuergeschichte ist es gut zu lesen beziehungsweise zu hören.

Michael Crichton: The Andromeda Strain
Ich entdeckte vor kurzem, dass ganz frisch eine Fortsetzung des Buches erschien (Crichton/Wilson: The Andromeda Evolution). Grund genug, den Klassiker wieder herauszuholen. Ich las das Buch vor ungefähr 20 Jahren und mochte die Verfilmung aus den 1970er damals sehr.

50 Jahre nach erscheinen wirkt ein Hightech-Thriller nicht mehr ganz so Hightech. Die Beteiligten kämpfen mit Fernschreibern und Monochrome-Bildschirmen. Die Geschichte hat mich diesmal nicht ganz gepackt. Die Jagd nach einem Heilmittel gegen einen außerirdischen Virus klingt zum großen Teil wie ein Auszug aus einem Lehrbuch für Medizin. Sehr trocken. Spannend sind der Anfang in der Kleinstadt, in der der Virus sein Unwesen treibt. Und der - leider sehr kurze - Kampf gegen die automatische Zerstörung des Labors.

Trotz aller Kritik hatte ich das Buch flott gelesen und Spaß dabei. Ich freue ich ich auf Teil 2, der auf meiner 2020-Leseliste steht.

Andy

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Uschi Zietsch
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Ich hab endlich, endlich "Kafka am Strand" von Murakami beendet.
Die letzten fast 100 Seiten waren dann echt quälend. Vor allem die vier oder fünf Seiten, in denen Hoshino dem Stein seine Beziehung zu Frauen erläutert, habe ich überblättert. Wir sind fast am Ende, mitten in der Auflösung und eigentlich auch Spannung, und dann so etwas absolut handlungsirrelevantes, das reißt aus dem Fluss raus.
Auch mit dem Ich-Erzähler konnte ich ab dem Zeitpunkt, als er seine mystische Reise antritt, so gar nichts mehr anfangen. Diese mystische Reise war langweilig ohne Ende. Er besprüht die Bäume mit Farbe, um zurückzufinden, stellt irgendwann fest, dass er das alles nicht braucht, um "dahin" zu kommen, und dann ... naja.

Es gibt keine Auflösung, es wird nichts erklärt. Alles ist einfach irgendwie, weil es so ist. Die Zusammenhänge werden nicht ersichtlich (warum Nakata aus der zweiten Handlungsebene der Bibliothekarin begegnet, erfahren wir nicht. Zu sagen, jeder sei nur eine Hälfte und sie gehörten zusammen, reicht da nicht). Dann haben wir das Bild, den Stein, das geöffnete Tor zu einer Parallelwelt, die eigentlich den Toten gehört und wo es nur ein einziges Szenario gibt, dann ist am Ende das Tor zu und der Ich-Erzähler fährt nach Hause zurück und geht wieder zur Schule. Ob sein alter ego, die Krähe (er ist auch zweigeteilt, scheint's), mit dabei ist oder nicht, weiß ich nicht.

Extremst verwirrend, mangels Erklärungen wirkt es bemüht und zusammengestoppelt aus willkürlichen Versatzstücken.

Das einzige Buch, das mich bisher von Murakami rückhaltlos überzeugen konnte, war "Mr. Aufziehvogel". Und dabei wird es auch bleiben, mit dem Autor bin ich durch. Gibt so viel anderes zu lesen.
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von andy »

Uschi Zietsch hat geschrieben:
6. Januar 2020 13:00
Das einzige Buch, das mich bisher von Murakami rückhaltlos überzeugen konnte, war "Mr. Aufziehvogel". Und dabei wird es auch bleiben, mit dem Autor bin ich durch. Gibt so viel anderes zu lesen.
Sein "Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede" ist für jemanden der gerne läuft echt lesenswert.

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von L.N. Muhr »

Gibts das in der Fahrrad-Version?

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von andy »

L.N. Muhr hat geschrieben:
6. Januar 2020 15:07
Gibts das in der Fahrrad-Version?
"Woran ich denke, wenn ich die Kette öle."

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von heino »

andy hat geschrieben:
6. Januar 2020 14:28

Sein "Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede" ist für jemanden der gerne läuft echt lesenswert.

Andy
Ich fand das gerade als Läufer ziemlich nichtssagend. Mein liebstes Buch von ihm ist nach wie vor "Wilde Schafsjagd".
Lese zur Zeit:

Simon Sebag Montefiore - Stalin:Am Hof des Roten Zaren

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Badabumm »

Bei Murakimi findet wohl jeder was anderes gut... (bei mir ist es "Naokos Lächeln"). Ich befürchte, das liegt an den Kulturunterschieden. Diese speziell "belanglose" Art ist im Westen nicht so verbreitet. Wir sind konkrete Aussagen und eine klare Geschichte gewohnt. Manchmal möchte ich Geschichten von Murakami eher als Poesie einordnen, das heißt, sie schweben um einen Empfindungszustand herum, den man oft genug nicht nachvollziehen kann, weil er kulturgeprägt ist. Dieses "Hin- und Hereiern" haben mir viele Besucher aus Japan bestätigt: sich nicht festlegen, seine Gefühle zu verstecken, sich der Allgemeinheit stärker unterordnen, sich selbst zu negieren oder sogar zu verneinen.
Ich will keine englische Rangbezeichnung! :faint:

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Susanne11 »

Ich finde, dass er ein sehr musikalischer Schreiber ist. Ich mag deshalb die Romane als Hörbücher sehr gerne. Das wirkt auf mich wie Musik. Und so habe ich auch die langen Romane (1Qu84 und Die Ermordung des Commendatore) gehört - wie Musikstücke.

Am besten hat mir bis jetzt "Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt" gefallen.

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