Also, ich habe es nun auch angefangen:
Das Vorwort ist schon mal sehr cool. Le Guin erklärt, warum SF im besten Fall besser sein kann als allgemeine Literatur. Sehe ich auch so!
Neun Leben
Beeindruckender Einstieg! 20 Jahre vor "Ich bin Hugh" und Seven of Nine reflektiert Le Guin über ein Kollektivwesen und was es bedeutet, davon getrennt zu werden.
Die aus Omelas fortgehen
Le Guin macht in dieser "Geschichte" so ziemlich alles anders als es Schreibratgeber vorgeben: Kein Protagonist, keine Charakterisierung, keine Handlung und dann auch noch eine zutiefst moralische Allegorie. Es ist so unwahrscheinlich, dass so etwas gelingen kann. Und doch ist es so. Die Durchschlagskraft dieses kurzen Fantasy-Fragments ist unglaublich.
Das Gesichtsfeld
Le Guin channelt Lem: Die Begegnung mit dem völlig Fremden und was es mit einem tut. Das Ende ... könnte besser sein. Ich bin kein Fan von Religion, auch, wenn das Ganze interpretationsoffen bleibt. Trotzdem gut.
Die Verfasserin der Akaziensamen [...]
Ich habe gerade dieses Jahr eine Geschichte über Tiersprachen geschrieben. Schon etwas frustrierend, wieder mal festzustellen, dass fast alle Ideen schon mal aufgeschrieben wurden. Und zwar besser. Na ja!
Schrödingers Kater
Zwei Typen in einer Welt, in der irgendein Quantendings schiefgelaufen ist. Quasi Leben in permanenter Superposition.
War nicht so mein Ding. Geschichten mit Katzen sind fast so schlimm wie Geschichten mit Religion.
Intrakom
Soll wohl ein Satire auf Star Trek sein, führt aber irgendwie nirgendwo hin. Erstaunlich aber, dass der "Alien"-Trope schon Jahre vor "Alien" (und vor "Dark Star") in dieser Form existierte.
Der gewandelte Blick
Die Geschichte entschädigt für die lahme Satire davor: Fetter SF-Gehalt (Allergien und Anpassungsprobleme auf fremden Welten), wieder Wahrnehmungspsychologie (wie in Gesichtsfeld), gute Charaktere, wenig Action, trotzdem spannend. Erinnert an John Brunner in seinen besten Zeiten.