Der "Liest zur Zeit" Thread

Science Fiction in Buchform
heino
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von heino »

Fertig mit "Doktor Pops musikalische Sprechstunde" von Markus Henrik. Wer ihn nicht kennt:Henrik ist studierter Doktor der Popmusik und Doktor Pop ist sein Bühnenpseudonym, das er als Stand Up-Comedian benutzt, wenn er auf äußerst unterhaltsame Weise über Musik doziert. Dementsprechend ist dieses Buch kein typisches Comedy-Buch, in dem nur das Programm des jeweiligen Comedians nachzulesen ist, sondern eine Sammlung wissenschaftlicher Ergebnisse und witziger Anekdoten aus dem Bereich der Popmusik. Das ist hochgradig unterhaltsam und zum großen Teil auch sehr lehrreich.
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Nina
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Nina »

Ich habe jetzt "Die Katze, die von Büchern träumte" über Nacht ausgelesen. Ich konnte nicht schlafen und es ist kein so umfangreiches Buch. Es hat mir geholfen, der Protagonist hatte einen schlimmen Verlust und eine Katze hat ihn auf Abenteuerreisen entführt.
heino
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von heino »

Für die Lesechallenge habe ich "Das lange Morgen" von Leigh Brackett verschlungen. Näheres zu meinen Eindrücken findet ihr hier:

viewtopic.php?p=312515#p312515
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Ender
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Ender »

Anne de Marcken - Es währt für immer und dann ist es vorbei

Zunächst einmal: Der Preis von 23 Euro für 140 spärlich und lückenhaft bedruckte Seiten regt nicht unbedingt zum Kauf an. (Wohl dem, der's zum Schnäppchenpreis von einem Mitforisten ergattert hat.) Da hat der Verlag also ordentlich zugelangt – und in einen Grafiker wurde davon schon mal nicht viel investiert, denn das Cover wurde mit KI-„Unterstützung“ erzeugt.

Die Grundidee der Erzählung ist allerdings interessant: eine Zombiegeschichte aus der Sicht einer Betroffenen, die eben nicht, wie es das Genreklischee normalerweise vorgibt, eine stumpfe, gedankenlose Hülle ist, sondern durchaus noch eigene Gedanken und Gefühle hat. Na ja, und Hunger auf Menschenfleisch natürlich, denn so viel Klischee muss dann doch sein.
Zombies mussten ja in der Geschichte der Popkultur schon als Metapher für alles Mögliche herhalten. Auch hier könnte man sie z.B. ganz allgemein als Symbol für Verlust deuten. Verlust des Lebens, der Menschen um einen herum, der eigenen Menschlichkeit, der gewohnten Normalität und nicht zuletzt der eigenen Erinnerungen und damit Vergangenheit. Eine Demenz-Metapher sozusagen.
Wobei: konsequent ist das auch nicht. Denn einerseits betont die Erzählerin, dass sie kaum noch etwas aus ihrem vorherigen Leben weiß, andererseits besteht das Buch größtenteils aus Rückblenden und Erinnerungen. Hmm. Wohl eher partielle Demenz. Im Anfangsstadium.

Zur Handlung nur so viel: Gleich zu Beginn gräbt sich die Protagonistin ein Loch in die Hüfte, in das sie eine am Wegesrand gefundene tote Krähe legt. Fortan trägt sie diese somit stets bei sich. Die Krähe sagt dann ständig so Sachen wie:
-Scharf. Sicher. Falte.
-Bitter. Fels. Moor.
oder auch
-Ei. Keks. Hut.
Das ist sicher alles sehr hintergründig und tiefsinnig. Irgendwie. Auf einer Metaebene. Oder - anderer Interpretationsansatz: ziemlicher Quatsch. Wer weiß das schon?

Um das Buch genießen zu können, muss man ohnehin ein Faible für bedeutungsschwangere Sprache bei spärlich vorhandener Handlung haben.
Vielleicht ist es einem dann möglich, Erkenntnisgewinn aus Passagen wie diesen zu ziehen:
"Du würdest sagen: Woher weißt du all das? Und ich würde achselzuckend antworten: Woher weiß irgendjemand irgendetwas?"

Übersetzer Clemens Setz gilt ja ebenfalls als sprachlicher Könner, der seinerseits selbst schon Literaturpreise eingeheimst hat ... verwendet zugleich aber Reverse-Lübke-Englisch - Formulierungen wie "Ich gehe westwärts, weil ich dich im Westen erinnere." Na ja.

Fairerweise sei allerdings gesagt: Es gibt auch durchaus gelungene Passagen. Nachdenkliche Momente, schöne Formulierungen, eindringliche - wenn auch zumeist grausame - Szenen. Die zweite Hälfte hat mich zumindest halbwegs mit dem Buch versöhnt, zumal dort auch tatsächlich etwas Handlung ins Spiel kommt, die ich auch gar nicht mehr komplett uninteressant fand.
Aber insgesamt war das für meinen Geschmack viel zu wenig. Offensichtlich habe ich das erforderliche oben genannte Faible also nicht.
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Fjunch-Klick »

Das deckt sich ganz gut mit meinem Eindruck, Ender. Ich würde das jedenfalls nicht für den KLP vorschlagen, auch wenn manchmal Preise aufgrund gewonnener Preise vergeben werden.
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Ender hat geschrieben: 16. Januar 2026 17:05 Um das Buch genießen zu können, muss man ohnehin ein Faible für bedeutungsschwangere Sprache bei spärlich vorhandener Handlung haben.
Vielleicht ist es einem dann möglich, Erkenntnisgewinn aus Passagen wie diesen zu ziehen:
"Du würdest sagen: Woher weißt du all das? Und ich würde achselzuckend antworten: Woher weiß irgendjemand irgendetwas?"
Wieso ist das bedeutungsschwanger? Das ist doch eine wesentliche Frage. Woher wissen wir beide, dass die AfD nichts Gutes für Deutschland bedeutet, während ein AfD-Wähler weiß, dass die Ausländer an allem Schuld sind? Wie entsteht also eine Gewissheit, ein Wissen? Ich sage nicht, dass das Buch dazu viel sagt, aber ich finde es auch nicht bedeutungsschwanger.
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Ich finde das eine Schablonen-Binsenweisheit. So etwas antwortet man, wenn man eigentlich gar nix weiß, aber bedeutungsschwanger daherschwafeln will.
Ich meine: Es ist eine konkrete Frage, auf die nur ein Rechtsanwalt so antworten würde - oder ein Politiker. Absolut unkonkret und ausweichend, um etwas zu übertünchen oder sich ja nicht festzulegen oder festnageln zu lassen. Sei es, weil man ein Hochstapler ist, sei es, weil man es nicht sagen will ...
So etwas verärgert mich maßlos.
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Ender »

Wenn eine solche Frage philosophisch gründlich durchleuchtet wird, dann ist das eine andere Sache. Das ist aber hier nicht der Fall (vielleicht hab ich's auch nur nicht verstanden). Das war jetzt ein wahllos herausgesuchter Satz. Es gibt im Buch so einige, die auf den ersten Blick tiefgründig klingen mögen, bei denen ich mich aber gefragt habe, was das jetzt hier eigentlich genau soll. So finde ich sowas dann eben nicht tiefgründig, sondern nur oberflächlich und nichtssagend. Mehr Schein als Sein.

Da die Erzählung den Ursula K. LeGuin Preis gewonnen hat, gibt es offenbar Leute, die das ganz anders sehen. Es sei ihnen gegönnt.
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Ender hat geschrieben: Heute 14:02 So finde ich sowas dann eben nicht tiefgründig, sondern nur oberflächlich und nichtssagend. Mehr Schein als Sein.
Genau! So sehe ich den Satz auch. Schwafel fürs Feuilleton. :beanie:
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