"Near-future Sf hat die Aufgabe Prognosen über zukünftige Entwicklungen zu geben!" - Really?

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head_in_the_clouds
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"Near-future Sf hat die Aufgabe Prognosen über zukünftige Entwicklungen zu geben!" - Really?

Ungelesener Beitrag von head_in_the_clouds »

Um jüngeren Sf Autoren etwas von dem Druck zu nehmen, 'korrekte' Prognosen für die nahe Zukunft abgeben zu müssen:
 
Wer bei technischen oder gesellschaftlichen Entwicklungen der nahen Zukunft falsch liegt, dem wird das eher selten verziehen...oder?
 
Aber Vorhersagen bilden nicht den Kern einer Science-Fiction-Geschichte. 
Gelingt es ,  Auswirkungen auf das Individuum und die Gesellschaft überzeugend darzustellen, wird einem dies trotzdem hoch angerechnet.
 
Sofern Technologie eine wesentliche Rolle für die Geschichte spielt, kann man Gregory Benford zitieren  (einen Physiker, der Hard-SF schreibt):
„... jede Hard-SF sollte sich an die physikalischen Gesetze halten, doch ist es notwendig, sie zu vermenschlichen.“

Mit anderen Worten: Auch hier dürfen die technologischen Auswirkungen dieser Veränderungen auf das Individuum sowie auf gesellschaftspolitische Bereiche nicht außer Acht gelassen werden. Zwar mag der Schwerpunkt eines Autors  auf einem dieser beiden Aspekte liegen, doch darf er sich niemals auf nur einen davon beschränken. Das sie tatsächliche Entwicklungen richtig fortschreibt, ist sekundär.
 
Glaubhafte Charaktere mit nachvollziehbaren Handlungen (selbst in exotischen Umgebungen) sind Kern eines Plots.
 
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Ender
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Re: "Near-future Sf hat die Aufgabe Prognosen über zukünftige Entwicklungen zu geben!" - Really?

Ungelesener Beitrag von Ender »

Es ist immer beeindruckend, wenn man rückblickend feststellt: im Roman XY wurde vom Autor diese oder jene Erfindung, Entwicklung o.ä. schon ziemlich präzise vorhergesehen.
Aber das ist natürlich nicht die "Aufgabe" von SF-Literatur. Spannend sind die Was-wäre-wenn-Überlegungen. Ob es dann wirklich so kommt oder nicht, ist zweitrangig.
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Re: "Near-future Sf hat die Aufgabe Prognosen über zukünftige Entwicklungen zu geben!" - Really?

Ungelesener Beitrag von RolandsFarblood »

Ich sehe Near-Future-SF auch eher als Gedankenexperiment denn als Prognose.

Wenn ein Roman später tatsächlich eine technische oder gesellschaftliche Entwicklung erstaunlich genau vorhergesagt hat, ist das natürlich spannend. Aber für die Qualität der Geschichte wäre das für mich kein entscheidendes Kriterium.

Interessanter finde ich, ob die einmal gesetzte Annahme konsequent weitergedacht wird: Was verändert sie im Alltag? In Beziehungen? Bei Arbeit, Macht, Abhängigkeiten oder gesellschaftlichen Regeln?

Selbst eine technische Annahme, die zwanzig Jahre später völlig falsch aussieht, kann als Geschichte immer noch hervorragend funktionieren, wenn die menschlichen Konsequenzen glaubwürdig sind. Umgekehrt macht eine erstaunlich präzise Prognose noch keine gute SF, wenn die Figuren nur dazu da sind, die Idee zu erklären.

Vielleicht ist gerade das einer der Reize von SF: Sie muss nicht sagen, so wird es kommen, sondern darf fragen, was wäre, wenn es so käme?
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Re: "Near-future Sf hat die Aufgabe Prognosen über zukünftige Entwicklungen zu geben!" - Really?

Ungelesener Beitrag von WeepingElf »

Near-Future-SF kann keine Prognosen der Zukunft machen, damit stimme ich mit meinen Vorrednern überein. Natürlich gibt es ältere Near-Future-SF, deren Projektionen die Geschichte gut getroffen haben - so hat die heutige Welt viele Merkmale einer Cyberpunk-Welt, so dass sich etwa die Handlung des Neuromancer ohne größere Schwierigkeiten in die Gegenwart verlegen ließe (mit einigen Änderungen natürlich - so etwa mit einer Karibikinsel, die die Rolle der Freeside-Raumstation übernimmt: in der Karibik gibt es ja das eine oder andere Eiland mit der gleichen Doppelfunktion als Touristenparadies und Steueroase). Aber Near-Future-SF kann Denkanstöße geben, wie die nahe Zukunft aussehen könnte. So befasst sich das Genre Solarpunk mit Ideen, wie die Zukunft besser sein könnte - Ideen, die wir bitter nötig haben.
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